Bad Karlshafen

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Bad Karlshafen
Karlshafen Rathaus.jpg
Bad Karlshafen - Rathaus
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Kassel
Höhe: 151
Fläche: 14,85 qkm
Einwohner: 3.778 (31. Dezember 2011)
Postleitzahl: 34385
Vorwahl: 05672
Kfz-Kennzeichen: KS
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hafenplatz 8
34385 Bad Karlshafen
Website: www.bad-karlshafen.de
Bürgermeister: Ullrich Otto (parteilos)

Bad Karlshafen an der Weser ist mit etwa 4.000 Einwohnern die nördlichste Stadt in Hessen und im Landkreis Kassel.

Zu dem Städtchen gehören die ehemals selbständige Gemeinde Helmarshausen, weiterhin der Stadtteil Diemelhöhe und die Kolonie Nollendorf.

Während Karlshafen im Jahre 1699 gegründet wurde, wird die über 1000-jährige Klosterburgstadt Helmarshausen bereits im Jahre 944 urkundlich erwähnt.

Aktuelle Ansichten vom Rathaus in Karlshafen gibt es über eine Webcam:

Geografie

Die Kurstadt im Landkreis Kassel liegt in Mittelgebirgs-Höhenlage an der Deutschen Märchenstraße im Länderdreieck Hessen - Nordrhein-Westfalen - Niedersachsen.

Rund um Bad Karlshafen liegen der Solling im Norden, Bodenfelde (Südniedersachsen) im Nordwesten, der Reinhardswald im Südosten, die Stadt Trendelburg (Landkreis Kassel) im Süden sowie die Stadt Beverungen (Kreis Höxter) im Westen.

Geschichte

Die Stadtgründung durch Landgraf Karl

Die Stadt an der Weser wurde von Landgraf Karl von Hessen-Kassel gegründet zur Ansiedlung von Hugenotten, protestantischen Glaubensflüchtlingen aus Frankreich. Bis heute vermittlen die weißen Barockbauten einen ansprechenden südländischen Flair.

Bereits im Jahre 1699 erfolgte die einzige Stadtgründung für Hugenotten in Hessen, in Sieburg (auch: Syburg), dem späteren Carlshafen.

Der Name Sieburg wurde offenbar nach einer alten Fliehburg gewählt. Die Hochfläche liegt im Osten oberhalb der Stadt auf etwa 270 m Höhe. Vermutlich lag hier eine alte Fliehburg und frühmittelalterliche Wallanlage.

Nach dem Willen des Landgrafen Carl sollte eine neue Fabrik- und Handelsstadt entstehen, wobei der Capitän Friedrich Conradi, Ingenieur und Baumeister des Landgrafen, von 1699 bis 1750 als Bauleiter verantwortlich war. Nach ihm ist in Karlshafen die Conradistraße benannt.

Die Planung des im Jahre 1717 in "Carlshaven" umbenannten Orts erfolgte durch den Hofbaumeister Paul du Ry.

In strenger Geometrie

Denkmal zu Ehren des Stadtgründers

An breiten Strassen entstanden zu Beginn des 18. Jahrhunderts zumeist zweigeschossige, weiße Häuser mit barocken Giebeln. Dabei fällt besonders die Breite der Carlstraße und der Friedrichstraße auf, die mit 32 m Breite für den Marktbetrieb ausgelegt wurden.

Blickt man vom Hugenottenturm - auf den 205 m hohen Hessischen Klippen - auf die Stadt, erkennt man bis heute den denkmalgeschützten Ortskern mit den rund um den alten Hafen gebauten Häusern.

In strenger Geometrie wurden etwa 120 Häuser in Carrées geordnet.

Schon bald kamen aber auch besonders ausgebildete Gebäude hinzu, wie das „Hotel des Invalides“, das Invalidenhaus für verletzte und ausgeschiedene hessische Soldaten, das in den Jahren 1704 bis 1710 entstand und in dessen Kapelle die ersten Gottesdienste für die angesiedelten französischen Glaubensflüchtlinge stattfanden.

Hinzu kamen auch die landgräfliche Mühle (1710) oder das ebenfalls von Friedrich Conradi entworfene Pack- und Lagerhaus am Hafen (1715 - 1719) mit seinem beachtlichen Laubengang, das gelegentlich zum Aufenthalt des Landesherrn diente. Heute wird es als Rathaus der Stadt genutzt.

Im vierflügeligen Invalidenhaus (gegenüber dem Freihaus) fand Conradi nach seinem Tode im Jahre 1750 seine letzte Ruhe in der Kapelle des Hauses. Das gegenüber liegende Freihaus (Carlstr. 19) entstand 1723 als Sitz von Adelsfamilien und war später - ab 1772 - im Besitz der neugegründeten „Carlshafener Handlungs-Compagnie".

Die ersten Bewohner - hugenottische Glaubensflüchtlinge - waren bereits im Frühjahr 1701 in die Stadt gezogen, nachdem sie zunächst vorübergehend im nahen Helmarshausen untergebracht worden waren.

Ab dem Jahre 1708 kamen zunehmend deutsche Familien in die Stadt, so dass hier bis zum Jahr 1745 insgesamt 131 Familien, darunter 37 französisch-stämmige Familien, wohnten.

Neben der Landwirtschaft entstanden Manufakturen, beispielsweise eine Blaufarbenfabrik oder eine Textilmanufaktur, die 1717 bereits 118 Arbeiter beschäftigte und auch Uniformstoffe für hessische Soldaten lieferte. Weiteren Aufschwung nahm die Stadt durch die 1730 von dem hugenottische Apotheker Jacques Galland entdeckten Solequellen.

In der jungen Hafenstadt entstanden weitere durchaus repräsentative Bauten, wie das landgräfliches Gästehaus (heute: Hotel "Zum Schwan") an der Invalidenstraße oder das Gebäude der einstigen Thurn- und Taxis`schen Postverwaltung (Baurmeistersches Haus), ebenso eine Reihe stattlicher Bürgerhäuser an der Weserstraße, bevor die weitere wirtschaftliche Entwicklung nicht zuletzt durch die Napoleonischen Kriege wesentlich beeinträchtigt wurde.

Karlskanal und Hafen

Ursprünglich war die Stadt als Hafenstadt am Ende des von Kassel aus führenden Karlskanal geplant worden, woran das zentral gelegene Hafenbecken und die Hafenschleuse bis heute erinnern.

Der Hafen auf einer Zeichnung von 1792
Am Landgraf Karl - Kanal

Der Hafen der Stadt sollte das Tor zur Nordsee sein und mit einem abkürzenden Kanal Kassels Schifffahrt von der Fulda zur Weser erheblich befördern (siehe auch Karlskanal).

Der Hafen diente dann dem späteren Throninhaber Friedrich II. zur Ausschiffung der Landeskinder als Soldaten für die Engländer, die dann in Amerika gegen die aufbegehrenden Kolonialisten im seinerzeitigen Unabhängigkeitskampf für England kämpfen sollten.

Etwa ab 1713 verfolgte Landgraf Carl den Plan, die Stadt an der Weser über den Landgraf-Carl-Kanal mit der Fulda im Süden zu verbinden, offenbar um das Mündener Zollrecht zu umgehen.

Mit einem Kanal von Kassel nach Karlshafen hätte man den hessischen Schiffen die Stapelgelder ersparen können, die an das damals zum Herzogtum Braunschweig gehörende Münden (heute: Hann. Münden) zu entrichten waren.

Nachdem zunächst damit begonnen wurde, die Diemel schiffbar zu machen, wurde mit den eigentlichen Kanalbauarbeiten erst 1720 begonnen, wobei auch Soldaten zu den friedlichen Arbeiten herangezogen wurden.

Von Karlshafen führte der Kanal bereits bis zum heutigen Hofgeismarer Stadtteil Hümme.

Pfaff beschreibt in seiner "Geschichte der Stadt Hofgeismar" die Aufregung in den Köpfen der dortigen Bewohner, die bisher lediglich durch eine Botenpost mit Kassel im Süden oder Trendelburg im Norden verbunden waren. Und der Landgraf soll im Jahre 1717 stolz festgestellt haben, er sei bis nach Stammen "geschiffet".

Die Pläne des Landgrafen erwiesen sich aber als wenig erfolgreich, so dass nach seinem Tod im Jahre 1730 der weitere Kanalausbau aufgegeben wurde. Ein von zwei Pferden gezogenes kleines Marktschiff, so heißt es, brauchte von Karlshafen bis Trendelburg im Jahre 1727 einen ganzen Tag, weil es immer wieder flottgemacht werden musste. Und in Hümme ist kaum eines dieser Schiffe jemals angekommen.

Eine Güterverbindung von Kassel nach Karlshafen auf dem Lande wurde gut ein Jahrhundert später mit einer Eisenbahnlinie geschaffen, nachdem man zunächst - unter der Herrschaft des Landgrafen Friedrich II. - eine gut ausgebaute Straße für Transporte von Kassel über Karlshafen bis nach Bremen gebaut hatte, wodurch die Stadt einen deutlichen Aufschwung nahm.

Soldatenhandel zugunsten Englands

Friedrich II. ist der "Kasseler Landgraf", der es in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts mit dem Soldatenhandel zugunsten Englands zu großem Reichtum brachte.

Er benutzte dabei den Hafen in Karlshafen. Von dort reisten die jungen hessischen Männer weserabwärts nach Bremen und dann weiter über den Atlantik nach Nord-Amerika, um als Soldaten für England gegen die aufständischen Kolonialisten zu kämpfen. Die so "Verkauften" sollen Zigtausende gewesen sein.

- H.-J.Schulz, 03.04.2006 -

Karlshafen im 19. Jahrhundert

Karte koenigreich westphalen.png

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gehörte Karlshafen unter französischer Herrschaft zum Königreich Westfalen, das mit König Jérôme, dem jüngsten Bruder von Napoléon Bonaparte, an der Spitze errichtet wurde. Nach dem Frieden von Tilsit im Jahre (1807) entstand aus dem ehemaligen Herzogtum Braunschweig, Kurhessen und vormals hannoverschen und preußischen Gebietsteilen das Königreich Westphalen mit der Hauptstadt Kassel.

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig löste sich das Königreich Westfalen auf. Durch den Wiener Kongress 1814/1815 wurden die alten Regierungsstrukturen weitestgehend wiederhergestellt und Veränderungen aus der Zeit des Königreichs Westphalen abgeschafft, die unter anderem in der Einführung der Gewerbefreiheit und des Code Civil zum Ausdruck gekommen waren.

Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts hatte der hugenottische Apotheker Jacques Galland die Solequellen in Karlshafen entdeckt, die die Stadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Kur- und Badestadt werden ließen.

Ab dem Jahr 1843 wurde auch eine regelmäßige Dampfschiffahrt auf der Weser eingerichtet und es wurden zunehmend Wirtschaftsgüter mit Schiffen befördert.

Unter Kurfürst Wilhelm II. und dessen Sohn Friedrich Wilhelm I. wurde dann ab 1844 im Kurfürstentum Hessen mit dem Bau der Friedrich-Wilhelms–Nordbahn von Karlshafen über Kassel bis nach Bebra begonnen. Die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn war die erste kurhessische Eisenbahnstrecke. Der erste eröffnete Abschnitt war die Strecke GrebensteinHümme am 30. März 1848. Zeitgleich wurde der Streckenabschnitt Hümme-Karlshafen eröffnet, der auch als Carlsbahn bezeichnet wurde und die einzige Eisenbahnverbindung von Kassel zu einem Weserhafen (in Karlshafen) darstellte. Mit der Eröffnung der Eisenbahnklinie im Jahre 1848 wurde eine durchgehende Verbindung von Kassel nach Karlshafen geschaffen, wobei der Streckenverlauf der Carlsbahn fast genau dem Landgraf-Carl-Kanal folgte.

Nach der preußischen Annexion Kurhessens 1866 wurde die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn in Hessische Nordbahn umbenannt.

Bahnhof Karlshafen (linkes Ufer) im Jahre 1877

Der kurhessische Staat erlosch 1866, nachdem er von Preußen in Folge des Deutschen Krieges annektiert worden war. Zwei Jahre später wurde er mit dem ebenfalls annektierten Herzogtum Nassau und der durch preußische Truppen besetzten Freien Stadt Frankfurt zur preußischen Provinz Hessen-Nassau vereinigt, in der das bisherige Kurhessen den Regierungsbezirk Kassel bildete.


Das Meyersche Konversationslexikon (Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892) beschreibt die Stadt Karlshafen als „Stadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hofgeismar, an der Mündung der Diemel in die Weser und an den Linien Hümme-K. und Soest-Nordhausen der Preußischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, ein Solbad, bedeutende Tabaks- und Zigarren-, sowie Thonwaren- und Faßfabrikation, Sansteinschleiferei, Ausbeute von Platten- und Basaltpflastereien, Schiffahrt, Speditionshandel, einen Hafen und (1885) 1600 meist evang. Einwohner ... ."


Jüdische Gemeinde

In dem Buch "Schalom, meine Heimat - Lebenserinnerungen einer nordhessischen Jüdin" hat Meta Frank, geb. Königsthal die lange Geschichte ihrer jüdischen Familie in Bad Karlshafen und die Flucht nach Palästina im Jahre 1934 dargestellt. Die Hofgeismarer Ausgabe der HNA berichtete am 22.8.2007 von einer Lesung aus der Biografie der Karlshafenerin in der Aula der Hofgeismarer Albert Schweitzer – Schule. In der Biografie spielt die dramatische Wandlung der geliebten nordhessischen Heimat in das gefürchtete und todbringende Nazi-Deutschland eine wesentliche Rolle. Glücklichen Jahren in der Karlshafener Familie Königsthal folgten die menschenverachtende Politik in der Zeit des Nationalsozialismus und schließlich die Emigration nach Israel.

Aus Karlshafen sind in der NS-Zeit umgekommen: Ella Goldschmidt geb. Königsthal, Henriette Hohenberg, Friederike Keßler geb. Königsthal, Meta Keßler geb. Königsthal, Marta Königsthal, Selma Königsthal, Frieda Kugelmann und Therese Marienthal geb. Hohenberg. In Ausschwitz ermordert wurde zudem Dr. Paul-Richard Brück, ein zum christlichen Glauben konvertierter und mit einer nichtjüdischen Frau verheirateter Arzt und Geburtshelfer (Praxis in Karlshafen, Conradistraße 2).

siehe dazu auch: Jüdische Gemeinde in Helmarshausen und Karlshafen

Karlshafen nach dem Zweiten Weltkrieg

Der alte Hafen 2007 - im Hintergrund die Stadtkirche
Karlshafen - ehem. Triebwagen der Carlsbahn

Eine eigene evangelische Stadtkirche erhielt Karlshafen erst im Jahre 1962, nachdem mehr als zwei Jahrhunderte hinweg die Kapelle im Invalidenhaus als Gotteshaus zur Verfügung stand. Altar, Kanzel und Taufstein sind schlicht gehalten und bestehen aus heimischem Wesersandstein.

Bei der Einweihung der Stephanuskirche mit ihrem fast 30 m hohen freistehenden Turm hielt der damalige Bischof D. Adolf Wüstemann die Festpredigt und nahm mit der von ihm gewählten Bibelstelle "Geh´aus deinem Vaterland in ein Land, das ich dir zeigen will" (1. Mose 12,1) Bezug auf das Schicksal der ersten hugenottischen Bewohner der Stadt.

Die katholische Kirche St. Michael stammt bereits aus dem Jahr 1956. Die katholische Seelsorge in dem protestantisch geprägten Karlshafen begann in nennenswertem Umfang im Jahre 1891 unter Pfarrer Peter Nau. In Karlshafen und den benachbarten Ortschaften wohnten seinerzeit etwa 270 Katholiken.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Katholiken im ehemaligen Kreis Hofgeismar auf mehr als 22.000 Personen an. Heimatvertriebene mit zumeist katholischer Konfession kamen im Kreisgebiet an und fanden hier auf Dauer eine neue Heimat.

Der erste Zug auf der Eisenbahnstrecke Hümme - Karlshafen fuhr am 3. April 1848. Gut ein Jahrhundert später wurde 1966 die Strecke stillgelegt und der öffentliche Personenverkehr von Bussen übernommen.

Der Bahnhof in Karlshafen am linken Ufer (zur Unterscheidung vom Bahnhof am rechten Weserufer) wurde bereits Anfang der 1970-er Jahre abgerissen.

Die kommunale Gebietsreform in Hessen führte im Jahre 1972 zum Zusammenschluss von Karlshafen und Helmarshausen. Nach Fertigstellung der Kuranlagen wurde der Stadt im Jahre 1977 der Titel "Bad" zuerkannt.

Literatur

  • Kreis Hofgeismar, Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen III, Marburg/ Lahn 1966, S. 56 ff.
  • Meta Frank, "Vergiß niemals, daß Du eine Jüdin bist!" - Erinnerungen an Karlshafen, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 1988, S. 97 ff.
  • Meta Frank, Schalom, meine Heimat. Lebenserinnerungen einer hessischen Jüdin 1914 - 1994, 3.Aufl., Hofgeismar 1997
  • Meta Frank, „Gut Purim, ihr lieben Leut'...“. Die Helmarshäuser Synagoge und ihre Feste, in: H. Burmeister/ M. Dorhs, Vertraut werden mit Fremdem - Zeugnisse jüdischer Kultur im Stadtmuseum Hofgeismar, Hofgeismar 2000
  • Jochen Desel, Hugenottenkirchen in Hessen-Kassel, Hofgeismar 1992
  • Horst Wagner, "Karlshafen im zweiten Weltkrieg" - Dokumente, Bilder und Berichte von Zeitzeugen, 1999
  • Michael Dohrs, Ein Leben zwischen zwei Welten: Zum Tode von Meta Frank (1914 - 2004), in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2006, S. 61 ff.
  • Reiseführer: Gastliches Weserbergland, Bautz-Verlag 2007
  • Magda Thierling, Vergessene Geschichte - Jüdisches Leben in Helmarshausen und Karlshafen, Bad Karlshafen 2011
  • Region Kassel Land e.V. (Hrsg.), Unterwegs im Reinhardswald - 52 Wege und Ziele, Wolfhagen 2011

Hugenottenmuseum, Hugenottenturm und Hugenottenfest

Das im Jahre 1989 in einem ehemaligen Fabrikgebäude der Stadt (ehemalige Tabakfabrik) eröffnete Hugenottenmuseum gibt Einblicke in das Leben der französischen Glaubensflüchtlinge, die ab dem Jahre 1701 in die neugegründete Stadt zogen. [1]

Oberhalb der Stadt auf einem steilen Berghang befindet sich der Hugenottenturm, der im Jahre 1913 im Auftrag des Kaufmanns Johann Joseph Davin aus Bremen errichtet wurde, dessen hugenottische Vorfahren in der Stadt Aufnahme fanden.

Zu einer festen Größe und zum Stadtfest von Karlshafen hat sich inzwischen das Hugenottenfest entwickelt, das an die ersten Siedler der Stadt, aber auch das hugenottische Erbe in Deutschland erinnern soll.

Karlshafener Galerie

Kirchen

Partnerschaften

Bad Karlshafen - Promenade an der Weser

Bad Karlshafen unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu

  • 's-Gravenzande in den Niederlanden (seit 1961)
  • Bad Suderode in Sachsen-Anhalt (seit 1990)

Persönlichkeiten

Politik

Bürgermeister

Bürgermeister von Bad Karlshafen ist Ullrich Otto.

Stadtverordnetenversammlung

Ergebnis der Kommunalwahl
vom 27. März 2011
% Sitze
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 27,3 5
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 33,5 6
FWG Freie Wählergemeinschaft Bad Karlshafen-Helmarshausen 39,2 8



Landrat

Landrat im Landkreis Kassel ist Uwe Schmidt, SPD.

Im Mai 2014 nominierte der Kreisvorstand der CDU im Landkreis Kassel Patrick Weilbach aus Baunatal als Landratskandidaten für die Wahl 2015.

Parteien

Wahlkreise

Bundestag

Landtag

Oberweser-Sandstein

Wesersandstein in der Solling-Folge

Die Buntsandsteinvorkommen im Gebiet der Oberweser und der unteren Diemel werden aufgrund ihrer Lage im Weserbergland als Wesersandstein bezeichnet. Ihn kennzeichnen im Vergleich zu Vorkommen in anderen Gegenden besondere Eigenschaften.

Unterschieden wird hierbei zwischen Rotem Wesersandstein und Grauem Wesersandstein.

Die Entstehungsgeschichte des Wesersandsteins reicht rund 250 Millionen Jahre in eine Periode des frühen Erdmittelalters (Trias) zurück. Der Sandstein kommt in dem Bereich der Solling-Folge - südlich des Sollings etwa zwischen Bad Karlshafen und Trendelburg - als Mittlerer Buntsandstein mit einer Mächtigkeit von bis zu 300 Metern vor. Die Vorkommen rechts und links der Weser werden als Karlshafen-Schichten bezeichnet und bergen den Roten Wesersandstein, während die Lagen um Trendelburg und im Diemeltal Trendelburg-Schichten mit dem Grauen Wesersandstein genannt werden.

Radwandern

Für Radwanderungen stehen zahlreiche gut ausgeschilderte Radwege zur Verfügung, etwa die Hessischen Radfernwege R 1 und R 4, der Weser-Radweg oder der Diemel-Radweg.

  • Der Diemel-Radweg mit Start in Willingen verläuft entlang der Diemel über Usseln, Diemelsee, Marsberg, Diemelstadt, Warburg, Liebenau, Trendelburg bis nach Bad Karlshafen.
  • Der Weser-Radweg verläuft aus Richtung Hann. Münden (Start) entlang der Weser über Oberweser (25,0 km), Lippoldsberg (30,0 km), Bodenfelde-Wahmbeck (35,0 km) bis nach Bad Karlshafen (45,0 km). Hier schliesst sich eine mehr als 400 km lange Strecke bis nach Bremen, Bremerhaven und Cuxhaven an.

Sage

Sagen zur Entstehung der Stadt Karlshafen und zur Sieburg finden sich bei Heinrich Rohde, Weserwellen und Diemelgrand - Geschichten und Sagen aus dem Gebiete der oberen Weser, der Diemel und der Esse, 5. Auflage aus Anlaß seines 50. Todestages, herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Micha Röhring, Hofgeismar 1995, S. 47 ff.

Schulen

Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten am Ort

Eingang zum Hugenottenmuseum

Der „Karlshafener Museumspfad“ führt zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Er beginnt am Hugenottenmuseum und endet am Hugenottenturm.

Auf einer Strecke von etwa 1 ½ Stunden erreicht man unter anderem

  • das Hugenottenmuseum (Hafenplatz 9 a): das Museum ist im ehemaligen Gebäude der Baurmeisterschen Tabak-, Zigarren- und Kautabakfabrik aus der Mitte des 19. Jahrhunderts untergebracht;
  • das ehemalige Baurmeistersche Wohnhaus am Hafenplatz 7: das Gebäude stammt aus dem Jahre 1768 und entspricht in der Symmetrie der Bebauung des Rathauses auf der gegenüber liegenden Seite des Hafenbeckens; von 1817 bis 1833 wurde das Gebäude als Posthalterei der Thurn- und Taxisschen Post genutzt;
  • das Landgraf Karl - Denkmal: es wurde zu Ehren des Stadtgründers Landgraf Carl im Jahre 1899 zur 200-Jahr-Feier von Karlshafen vor dem Baurmeisterschen Wohnhaus errichtet;
  • das Patrizierhaus Suchier (Hafenplatz 15): das Haus wurde 1838 im Auftrag von Ferdinand Suchier erbaut;
  • die evangelische Stephanuskirche aus dem Jahr 1962;
  • der Historische Hafen: am Hafen steht das ehemalige Pack- und Lagerhaus, das heute als Rathaus der Stadt dient;
  • das Rathaus der Stadt: das ehemalige Pack- und Lagerhaus am Hafenbecken mit dem Landgrafensaal im ersten Stock und einer Spiegelstuckdecke nach den Entwürfen des Italieners Andrea Gallasini, wurde in den Jahren 1715-1718 errichtet und diente verschiedenen Zwecken, z. B. beherbergte es auch vorübergehend das Amtsgericht und wird seit 1920 von der Stadt- und Kurverwaltung genutzt;
  • das Hotel „Zum Schwan": das ehemals zweigeschossige landgräfliche Gästehaus aus dem Jahr 1780 wurde 1832 aufgestockt;
  • das imposante Freihaus (Carlstr. 19): das Gebäude an der Ecke Conradi-/ Carlstraße entstand 1723 und war das Wohnhaus von Georg Spiegel von Pekkelsheim und Anna Sophia von Stockhausen zu Wülmersen, später - ab 1772 - dann im Besitz der neugegründeten „Carlshafener Handlungs-Compagnie";
  • das vierflügelige Invalidenhaus (gegenüber dem Freihaus): das "Hotel des Invalides" wurde nach den Plänen des Karlshafener Stadtplaner Friedrich Conradi gebaut (der nach seinem Tode im Jahre 1750 in der Kapelle des Hauses auch seine letzte Ruhe fand) und diente als Altersheim für kriegsinvalide Soldaten des hessischen Heeres;
  • die Kanalbrücke: sie führt über den Landgraf-Carl-Kanal, der als schiffbare Verbindung bis zur Stadt Kassel geplant war;
  • das ehemalige landgräfliche Zollhaus: ein Haus aus dem Jahre 1768 mit sieben Achsen zur Invalidenstraße und fünf Achsen zum Hafenplatz hin;
  • der Gasthof „Zum Landgraf Carl" (Hafenplatz 2): der Gasthof war das erste Gebäude, dass 1699/ 1700 an der Weserstraße und am Hafenplatz auf einem trockengelegten Sumpfgelände der Weserniederung erbaut wurde.
  • An der Weserstraße (B 80) liegt das Patrizierhaus Prätorius-Suchier, das 1765 erbaut wurde: über dem Eingang des Gebäudes, das über eine hohe Freitreppe mit reich verziertem Geländer aus erreicht wird, ist ein Schlussstein verankert, den ein Handelswappen ziert und die Inschrift: Deo favente G.P. 1765 (mit der Gunst Gottes - Gerhard Prätorius - 1765).
  • Weiter zur Weser hin liegt "An der Schlagd 9" ein ehemaliges Lagerhaus aus 1788. In der nahe gelegenen Gerbergasse (neben der Karlshafener Post - 1982 eröffnet) befand sich die Lohgerberei der Hugenottenfamilie Roux.

siehe dazu:

Vom Hugenottenmuseum zum Hugenottenturm - der Karlshafener Museumspfad

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

siehe auch

Strassenzug in Karlshafen
Baurmeistersches Haus am Historischen Hafen

Stadtentwicklung

Besonders das Ensemble von Hafenbecken und umliegender Bebauung ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal für Bad Karlshafen. Entsprechend gibt es immer wieder Überlegungen zur Wiederbelebung des Hafenbeckens in einer Stadt, die den Namen Karlshafen erhalten hat. In 2012 entstand sogar die Idee, den Stadthafen wieder zur Weser hin zu eröffnen.[2]

Tourismus und Freizeit

Kurstadt

Die Kurstadt verfügt über ein modernes Kurzentrum und ein 1986 errichtetes Gradierwerk.

Übernachtungsmöglichkeiten

Bad Karlshafen am Drei-Länder-Eck

Hotels/ Gasthäuser

Jugendherberge Helmarshausen

Weser-Therme

An der Kurpromenade liegt das Thermalbad, das am 18. Dezember 2004 eröffnet wurde. Das Thermal-Sole-Heilwasser hat einen Salzgehalt von 23 Prozent und wird aus einer Tiefe von 1150 m gewonnen.

Vereine

Verkehrsanbindung

Bad Karlshafen liegt als ein Endpunkt an der Bundesstraße B 80 , die in der Stadt in die Bundesstraße B 83 einmündet.

Der Bahnhof in Bad Karlshafen, ehemals mit der Bezeichnung Bad Karlshafen rechtes Ufer liegt an der Sollingbahn.

Wandern

Der Hugenottenturm oberhalb von Bad Karshafen

Hugenotten- und Waldenserpfad

Die Route des ca. 1800 Kilometer langen Kulturwanderwegs führt von Südfrankreich über Italien und die Schweiz nach Südwestdeutschland und weiter bis nach Bad Karlshafen in Nordhessen. Verbindendes Element ist die Geschichte der Hugenotten und Waldenser, die als französische Protestanten Ende des 17. Jahrhunderts ihr Heimatland Frankreich aus Glaubensgründen verlassen mussten.

In Nordhessen verläuft der Pfad durch den Burgwald, den Kellerwald und das nordhessische Bergland.

Er verläuft im Bereich der Eder über Wiesenfeld und Louisendorf, weiter über Leckringhausen nach Hofgeismar (mit den Dörfern Carlsdorf, Friedrichsdorf, Kelze und Schöneberg) und über Gottstreu und Gewissenruh nach Bad Karlshafen.

Märchenlandweg

Weitere Wandertipps

Weserbeleuchtung

Zum 30. Bestehen im Jahr 2013 war die Weserbeleuchtung in Bad Karlshafen umgezogen: Erstmals fand das große Lichterfest mit Feuerwerk am Anleger des Fahrgastschiffs "Hessen" statt und etwa 1000 Menschen nahmen teil.[3]

Weser-Therme

Die Weser-Therme in Bad Karlshafen

Wussten sie schon ...

  • ... dass an der Fassade der Sparkasse in Bad Karlshafen ein in Stein gehauenes Hugenottenpärchen zu sehen ist? (Jochen Desel, Leiter des Deutschen Hugenottenmuseums Bad Karlshafen)
  • ... dass die Stadt Karlshafen ursprünglich als Hafenstadt am Ende des von Kassel aus führenden Karlskanal geplant worden war, woran bis heute das zentral gelegene Hafenbecken und die Hafenschleuse erinnern? Der Hafen der Stadt sollte das Tor zur Nordsee sein und mit einem abkürzenden Kanal Kassels Schifffahrt von der Fulda zur Weser erheblich befördern (siehe auch Karlskanal), wenig mehr als ein Gedanke. Der Hafen diente dann dem späteren Throninhaber Friedrich II. zur Ausschiffung der Landeskinder als Soldaten für die Engländer, die dann in Amerika gegen die aufbegehrenden Kolonialisten im seinerzeitigen Unabhängigkeitskampf für England kämpfen sollten. (H.-J.Schulz, 01.04.2006)
  • ... dass das Thermal-Sole-Heilwasser in der Weser-Therme in Bad Karlshafen einen Salzgehalt von 23 Prozent hat und aus einer Tiefe von 1150 m gewonnen wird?

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. HNA-online vom 19.7.2013: Auf den Spuren der Hugenotten in Bad Karlshafen
  2. HNA-online vom 26.4.2012: Idee - Stadthafen wieder öffnen
  3. HNA-online vom 30.6.2013: 1000 Menschen kamen zur Weserbeleuchtung

Weblinks


Städte und Gemeinden im Landkreis Kassel
WappenLkKassel.jpg

Ahnatal | Bad Emstal | Bad Karlshafen | Baunatal | Breuna | Calden | Espenau | Fuldabrück | Fuldatal | Grebenstein | Habichtswald | Helsa | Hofgeismar | Immenhausen | Kaufungen | Liebenau | Lohfelden | Naumburg | Nieste | Niestetal | Oberweser | Reinhardshagen | Schauenburg | Söhrewald | Trendelburg | Vellmar | Wahlsburg | Wolfhagen | Zierenberg