B. Braun Melsungen AG

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B. Braun Melsungen AG
Der Vorstandsvorsitzende von B.Braun Melsungen, Heinz-Walter Große. Foto: B.Braun
Heinz-Walter Große
Unternehmensform: nicht börsennotiert
Sitz: Melsungen
Leitung: Heinz-Walter Große
Mitarbeiterzahl: ca. 55.000
Branche: Pharma- und Medizinprodukte, Medizintechnik
Homepage: www.bbraun.de

Die B. Braun Melsungen AG ist ein international tätiger Medizintechnikhersteller mit Stammsitz in Melsungen (Schwalm-Eder-Kreis).

Das Unternehmen ist eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft. Die Aktien stehen gänzlich im Besitz der Familie Braun.

Der Konzern

Die B. Braun Melsungen AG ist ein international tätiger Medizintechnikhersteller mit Stammsitz in Melsungen. Das Unternehmen feiert 2014 sein 175-jähriges Bestehen. Am 23. Juni 1839 erwarb Julius Wilhelm Braun die Rosenapotheke in Melsungen und legte damit den Grundstein für den Konzern mit Niederlassungen in 61 Ländern und 50.000 Mitarbeitern weltweit.

Der Konzern in Zahlen

Geschäftsjahr 2015

  • Umsatzerlöse: 6.129,8 Millionen Euro (+ 12,9 Prozent)
  • EBITDA: 878,1 Millionen Euro (+ 10,0 Prozent)
  • Ergebnis nach Funktionskosten: 547,0 Millionen Euro (+ 24,9 Prozent)
  • Zahl der Mitarbeiter (zum Stichtag 31.12.2015): 55.719 (+ 3,2 Prozent)

Sparten

Die B. Braun Melsungen AG ist in vier Sparten aktiv:

  • Hospital Care: Infusions- und Injektionslösungen und andere Produkte der medizinischen Einmalversorgung für Krankenhäuser.
  • Out Patient Market (OPM): Medizinischer Bedarf außerhalb des Krankenhauses sowie für chronisch Kranke und Langzeitpatienten-
  • Aesculap: Chirurgiebedarf, Produkte für Orthopädie und Traumatologie, Wirbelsäulenchirurgie, Neurochirurgie und Gefäßtherapie.
  • Avitum: Produkte und Dienstleistungen für die Blutbehandlung, etwa Dialyse.

Geschichte

Blick in die Anfänge der Produktion.

Braun und Kuhn

Viel Interessantes hatte der Apotheker Carl Braun aus Melsungen auf dem Treffen der Ärzte und Naturforscher 1908 in Köln gehört. Doch seine große Stunde schlug auf der Rückfahrt. Im Speisewagen des Zuges traf er den Mann, mit dem er vom Pharmazeuten zum Industriellen wurde: den Chirurgen Dr. Franz Kuhn. Der Chefarzt des Elisabeth-Krankenhauses in Kassel hatte ein Verfahren zur sterilen Produktion von Katgut, medizinischem Nahtmaterial aus Hammeldarm, entwickelt und erprobt. Ihm fehlte jedoch ein Partner für die Fertigung im großen Stil. Carl Braun stieg ein.

1839 bis 1899

Die B. Braun Melsungen AG entstand aus der Melsunger Rosenapotheke. Im Jahr 1839 erwirbt Julius Wilhelm Braun die Rosenapotheke. Außerdem beginnt er mit einem Versandhandel für heimische Kräuter.

Sein ältester Sohn Bernhard Braun übernimmt 1867 die väterliche Apotheke. Er beginnt mit der Produktion pharmazeutischer Erzeugnisse. Hierzu zählen Pflaster und Migränestifte. Bernhard Braun teilt sein Unternehmen in zwei Abteilung auf. Die Apotheke bildet die Abteilung A, während die Erzeugung pharmazeutischer Artikel die Abteilung B bildet. Darüber hinaus lässt er die Firma als B. Braun in das Handelsregister eintragen.

1908 beschloss der Melsunger Apotheker Carl Braun, das aus Hammeldarm bestehende Nahtmaterial Katgut herzustellen.

1900 bis 1924

Im Jahr 1900 übernimmt Carl Braun, der Sohn von Bernhard Braun, die Firma seines Vaters. Ab 1908 wird Katgut, medizinisches Nahtmaterial, aus Hammeldärmen hergestellt. Dieses hatte den Vorteil, dass es vom Körper nach einigen Tagen aufgenommen (resorbiert) wurde und die Fäden daher nicht gezogen werden brauchten. Heute darf Katgut zum Schutz vor Krankheiten nicht mehr eingesetzt werden.

1914 werden bei B. Braun erstmals chirugische Schienen, einfache Extensionen und Blutdruckmessapparate hergestellt. Hierzu wurde eine medico-mechanische Werkstatt eingerichtet. 1916 erscheint die erste Ausgabe der "Melsunger Medizinischen Mitteilungen".

1923 gründet die Firma B. Braun eine eigene Betriebskrankenkasse für ihre Mitarbeiter.

1925 bis 1949

Die erste ausländische Niederlassung entsteht 1925 in Mailand. 1929 stirbt Carl Braun und sein Sohn Otto Braun übernimmt die Leitung des Unternehmens. Zur Erinnerung an Carl Braun wird die Carl-Braun-Gedächtnisunterstützungskasse gegründet. Sie unterstützt Mitarbeiter der Firma B. Braun die in Not geraten sind.

1930 wird die modifizierte Tyrodelösung Sterofundin® entwickelt. Sie bildet die Basis für alle später entwickelten Infusionslösungen. Ab 1935 wird mit der Produktion von Synthofil A, einem unresorbierbaren synthetischen Nahtmaterial begonnen. 1936 tritt der jüngste Sohn von Carl Braun, Dr. Bernd Braun, als wissenschaftlicher Leiter in das Unternehmen ein. 1939 feiert das Unternehmen sein 100-jähriges Bestehen. Zu diesem Zeitpunkt arbeiten bei B. Braun ca. 500 Menschen.

1949 wird Supramid-Braun, ein chirurgisches Nahtmaterial auf Nylonbasis, entwickelt.

1950 bis 1974

Historische Aufnahme aus der Produktion

1951 wird erstmals eine Spritzenpumpe zur Dauerinfusion hergestellt. Ab 1953 beginnt die Produktion von Infusionsgeräten aus Glas. 1956 werden Infusionsgeräte aus Kunststoff hergestellt, so genannte Plastik-Infusoren. Im Jahr 1958 hat das Unternehmen erstmals über 1.000 Beschäftigte.

Ab 1960 werden Präparate für die moderne Knochen-Chirugie hergestellt. 1962 wird die Braunüle® für den Verkauf freigegeben. Es handelt sich hierbei um eine einteilige Plastikkanüle für Dauerinfusionen. Gleichzeitig wird Lipofundin® in den Markt eingeführt, eine infundierbare Fettemulsion. Es erscheind die erste Ausgabe der Zeitschrift "Die Schwester".

1964 feiert das Unternehmen sein 125-jähriges Bestehen. B. Braun beschäftigt mehr als 1.700 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von ca. 50 Millionen DM. 1966 wird die B. Braun Stiftung zur Förderung der Aus- und Weiterbildung von Ärzten und Pflegepersonal gegründet. Im Geschäftsjahr 1968/69 erzielt das Unternehmen erstmals einen Umsatz von mehr als 100 Millionen DM und hat über 2.000 Mitarbeiter.

1971 wird das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

1975 bis 1999

Im Jahr 1976 erwirbt die B. Braun Melsungen eine Mehrheitsbeteiligung an der Aesculap AG in Tuttlingen. Im Geschäftsjahr 1975/76 erreicht der Umsatz darauf einen neuen Höchststand von 424 Millionen Mark. Die Zahl der Mitarbeiter erhöht sich auf 3.098. Im Jahr darauf wird Ludwig Georg Braun, der Sohn von Otto Braun, Sprecher des Vorstandes. 1979 wird die B. Braun of America mit Burron Medical Inc. in Bethlehem/USA gegründet.

1980 wird eine Produktionsgesellschaft in Penang/Malaysia gegründet.

Im Jahr 1992 entsteht am Stammsitz das neue Werk Pfieffewiesen. Es wurde vom britischen Architekten James Stirling entworfen. 1995 wird in Tuttlingen die Aesculap-Akademie und das Aesculapium eröffnet. Im Jahr 1997 wird die McGaw Inc. in Kalifornien/USA erworben. Die Aesculap AG & Co. KG wird 1998 in das Unternehmen als Sparte Aesculap eingegliedert. Das Unternehmen hat jetzt erstmals über 4 Milliarden DM Umsatz, weltweit werden 27.000 Mitarbeiter beschäftigt. Im gleichen Jahr wird das Hochregallager auf 40.000 Palettenplätze erweitert. 1999 wird eine neue Zentrale in England eröffnet. Auf zwei Mustertagen wird das Bürokonzept 2010 mit flexiblen Büros, das heißt freier Arbeitsplatzwahl, und moderner Kommunikationstechnik eingeführt. Außerdem geht B. Braun online bbraun.de

2000 bis heute

  • Im Jahr 2000 trennt sich der Konzern von seinem Bereich Biotechnologie.
  • 2001 trifft die B. Braun Melsungen AG die Entscheidung zum Bau einer neuen Pharmafabrik in Melsungen. In Tuttlingen wird die sogenannte Benchmark-Factory eröffnet, eine Produktionsstätte für Implantate. In den Werksanlagen Pfieffewiesen wird das Europagebäude eröffnet.
  • 2002 wird erstmals der B. Braun-Innovationspreis verliehen. In Melsungen erfolgt der erste Spatenstich für die neuen Produktionsstätte für Infusionslösungen (Leading Infusion Factory Europe - L.I.F.E.).
  • 2004 erfolgt in China der Spatenstich für zwei neue Fabriken für Infusionslösungen und chirurgische Instrumente. Die Saxonia Medical GmbH in Radeberg wird erworben.
  • 2005: Kauf der Ascalon GmbH in Berggießhübel und Eröffnung der modernsten Fertigung für Infusionslösungen in Melsungen (L.I.F.E.). Eröffnung einer neuen Fertigung für chirurgische Instrumente in China. Die Aesculap-Akademie erhält eine Repräsentanz in Berlin.
  • 2006: Eröffnung eines Pharmatechnikums in Melsungen, Einweihung eines neuen Schweizer Hauptsitzes in Sempach.
  • 2007: Eröffnung einer Produktionsstätte für Rechtsherzkatheter in Indien. Spatenstich zum Erweiterungsbau der Infusionsgerätefertigung am Standort Melsungen. Start eines weltweiten Investitionsprojekte-Programms mit einer Investitionssumme von insgesamt 1,4 Mrd. Euro.
  • B. Braun erwirbt die Firma Gematek in Twer, etwa 200 Kilometer nördlich von Moskau im Jahr 2008. 130 Mitarbeiter produzieren dort Standard- und Elektrolytlösungen. LIFE Nutrition und ein Zentrallabor in Melsungen - B. Braun investiert 190 Millionen Euro und schafft 80 neue Arbeitsplätze. Anlässlich des 100. Geburtstags der industriellen Produktion von sterilem resorbierbarem Nahtmaterial, vergibt B. Braun den internationalen „Future of Sutures“ Preis, welcher mit 400.000 Euro dotiert ist (www.sutures-bbraun.de).
  • Privatdozent Dr. Hanns-Peter Knaebel tritt 2009 als stellvertretendes Mitglied in den Vorstand der B. Braun Melsungen AG ein. Er folgt Prof. Dr. Dr. Dr. h. c. Michael Ungethüm, der in den Aufsichtsrat wechselt. In Krakau (Polen) wird das Ortopedicum, eine orthopädische Klinik, eröffnet – das weltweit erste Krankenhaus in den Strukturen des B. Braun-Konzerns.
  • 2011: Der einmilliardste Kunststoffbehälter zur Flüssigkeitsversorgung von Klinik-Patienten wurde produziert.[1]
  • B. Braun eröffnet im September 2014 eine neue Produktionsstätte in Spangenberg, in der 34 Mitarbeiter beschäftigt sind. Dort werden Zubehör-Sets für Regionalanästhesie und zentralvenöse Katheter hergestellt.[3]

Jubiläumsjahr 2014

HNA-Serie zum 175-jährigen Bestehen


In einer Serie stellte die HNA-Redaktion in Melsungen Anfang 2014 unter dem Titel "Wir sind B.Braun" die verschiedenen Standorte und ausgewählte Mitarbeiter vor.

siehe auch

Prof. Dr. h. c. Ludwig Georg Braun

Weblinks und Quellen

Einzelnachweise

  1. HNA vom 17.2.2011 - Infusionslösungen: B. Braun macht die Milliarde voll
  2. HNA vom 1.4.2011 - B. Braun: Das Ziel heißt sechs Milliarden Umsatz
  3. Aus HNA.de vom 2. September 2014: B. Braun eröffnet neue Produktion in Spangenberg

Quellen

Weblinks