Bückeberg (Hagenohsen)

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Bückeberg mit Reichserntedank-Festplatzes bei Hameln

Der 160 Meter hohe Bückeberg liegt südlich von Hameln am östlichen Ortsrand des Weserdorfes Hagenohsen am rechten Ufer der Weser gegenüber der Einmündung der Emmer. Hangenohsen ist Teil der Gesamtgemeinde Emmerthal.

Der Kamm und die übrigen Hänge des Bückebergs sind mit Mischwald bestanden. Vom weiter südlich gelegenen Weserdorf Latferde führt eine Kreisstraße über den Bückeberg nach Hagenohsen.

Das Reichserntedankfest

Der Bückeberg erlangte kurz vor dem Zweiten Weltkrieg deutschlandweite Bekanntheit durch die von den Nationalsozialisten in den Jahren 1933-1937 dort abgehaltenen sogenannten Reichserntedankfeste.

Das Reichserntedankfest war neben dem Reichsparteitag in Nürnberg und der Feier des 1. Mai in Berlin die größte regelmäßig stattgefundene Massenveranstaltung der Nationalsozialisten. Als Festplatz diente eine künstlich abgeflachte große Rasenfläche von etwa 600 x 300 Metern am Westhang des Berges. An den Reichserntedankfesten nahmen zuletzt über eine Million Menschen aus ganz Deutschland, vorwiegend aus der Bauernschaft, sowie Nazigrößen wie Hitler, Goebbels und andere teil. Das Reichserntedankfest wurde auch als Reichsbauerntag bezeichnet.

Der Reichsthingplatz

Der Festplatz 1933
Der den Festplatz in ganzer Länge durchquerende "Führerweg" 2007
Reste der Ehrentribüne (Betonfundamente) 2007
Reste der Ehrentribüne (Betonfundamente) 2007

Der riesige, grasbewachsene Festplatz, der von Albert Speer entworfen wurde und als Reichsthingplatz ausgebaut werden sollte, ist in seiner Anlage auch heute noch deutlich erkennbar und zeugt vom Gigantismus des Dritten Reiches. Es handelt sich um ein 180.000 m² großes, wall- und heckenumstandenes Oval. Der Platz wird von unten bis oben von einem um einen Meter erhöhten breiten Weg durchzogen, der seinerzeit Führerweg genannt wurde. Am unteren Ende des Wegs stand die pyramidenähnliche Rednertribüne, am oberen Ende vor dem Waldrand die 150 Meter breite, 3.000 Personen fassende Ehrentribüne. Tribünen und Führerweg waren mit Mikrofonen ausgestattet und 76 Lautsprecher sorgten für eine ausreichende Beschallung. Mehrere Podeste für Fernseh- und Filmkameras verteilten sich über den Platz und sogar von Zeppelinen aus wurde gefilmt. Beide Tribünen waren aus Holz errichtet und ruhten auf Fundamenten aus Beton. Die Fundamente der Ehrentribüne und der Führerweg sind heute noch sichtbar, aber stark überwuchert. Die mit Kopfsteinen gepflasterte Straße von Hagenohsen zur Ehrentribüne ist erhalten und steht unter Denkmalschutz (heute Bückebergstraße, 1933 Hellweg). Die Emmerthaler Straße zum Vorwerk Ohsen besitzt ebenfalls noch ihr Kopfsteinpflaster.

An- und Abreiselogistik

Für die An- und Abreise wurden bis zu 215 Sonderzüge eingesetzt, die, mit mindestens 1.000 Menschen pro Zug besetzt, den Hamelner Bahnhof oder einen der acht weiteren Haltepunkte in der Umbebung des Bückebergs anfuhren. In den letzten Stunden vor Festbeginn hielten die Züge im Zweiminutentakt im Hamelner Bahnhof. Landbevölkerung aus ganz Deutschland reiste an, wobei einige Teilnehmer eine Fahrtzeit von 30 Stunden in Kauf nehmen mussten.

Für die mit Bussen, Kraftwagen und Pferdegespannen Anreisenden waren abgeerntete Felder in der Umgebung des Bückebergs als Großparkplätze hergerichtet. Für die Fahrzeuge der 3.000 Ehrengäste standen Parkplätze unmittelbar an Ehren- und Rednertribüne zur Verfügung. Viele Teilnehmer reisten mit Weserschiffen an, für die eigens Anlegestellen geschaffen wurden. Pioniere schlugen zusätzlich zur festen Weserbrücke zwischen Kirchohsen und Hagenohsen mehrere Pontonbrücken über den Strom. Schmale Zufahrtsstraßen waren als Aufmarschwege extra verbreitert worden, so zum Beispiel die Reichstraße durch das Tal der Emmer zwischen Hämelschenburg und Kirchohsen.

Die Teilnehmer, die übernachten mussten, fanden Quartier in Hameln oder in riesigen Zeltlagern rund um den Bückeberg. Alle Besucher wurden am Veranstaltungstag bei ihrer Ankunft an den Bahnstationen und Schiffsanlegern über Lautsprecher begrüßt und zu Sammelplätzen geleitet, von wo aus sie den teilweise weiten Weg zum Festplatz gemeinsam antraten.

Das für den 2. Oktober 1938 geplante 6. Reichserntedankfest auf dem Bückeberg wurde zwei Tage vorher wegen Inanspruchnahme von Transportmitteln zu anderen Zwecken (Verlegung von Wehrmachtsteilen an die Grenze zu Tschechien) abgesagt.

Neuere Pläne

Laut Presseberichten von Ende September 2007 will die zuständige Samtgemeinde Emmerthal das Gelände der Reichserntedankfeste bebauen lassen.

Quellen

Literatur

  • Frankfurter Rundschau, 28. Februar 2001
  • Bernhard Gelderblom:

Die Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg 1933-1937, Verlag CW Niemeyer, Hameln, 1998, ISBN 3-8271-9029-0

Archive

  • Stadtarchiv Hameln, Bestand 1, Nr. 1001, Reichserntedanktage auf dem Bückeberg 1934 und 1935.
  • Bildarchiv des Deutschen Historischen Museums, Berlin

Weblinks