Bücherwurm in der Murhardschen Bibliothek

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Zeichnung vom Brunnen
Der Bücherwurm an seinem derzeitigen Standort
Der Bücherwurm aus der Nähe
Eines der zwei Affenpaare
Einer der einzelnen Pelikane

Der Bücherwurm ist eine 1,20 Meter große Bronzefigur, die das Vestibül der Murhardschen Bibliothek ziert.

Geschichte

1904 erhielt die Stadt Kassel 20.000 Reichsmark von der preußischen Staatsregierung, repräsentiert durch die Landes-Kunstkommisson, zur Errichtung eines öffentlichen Kunstwerkes. Mithilfe weiterer 10.000 Reichsmark, die die Stadt selbst beisteuerte, konnte sie Karl Hans Bernewitz (* 17.05.1858; † 19.12.1934), Professor der Kasseler Kunsthochschule, den Auftrag zu einem geeigneten Werk erteilen. Das Gesamtkunstwerk stellte einen Brunnen dar, der vor dem damaligen Haupteingang der Murhardschen Bibliothek errichtet wurde und auf dessen Mittelsäule der Bücherwurm thronte; um ihn herum waren zwölf Tierfiguren platziert. Dem Stadtsyndikus Karl Brunner wurde die ehrenvolle Aufgabe zuteil, den Bücherwurmbrunnen am 07.Oktober 1909 einzuweihen.

Im zweiten Weltkrieg wurden der Bücherwurm und die Tierfiguren vom Brunnenrand entfernt, da sie zur Waffenproduktion eingeschmolzen werden sollten. Zufällig fand Erwin W. Ebert, der städtische Sachbearbeiter für Kunst und Volksbildung, 1950 den unversehrten Bücherwurm mit neun der ehemals zwölf Tierfiguren auf einem Hamburger Schrottplatz wieder. Die Stadt Kassel musste den Zinnwerken Hamburg-Wilhelmsburg den Bronzemetallwert ersetzen. Da der Zierbrunnen nach dem Krieg nicht mehr existierte, fand der Bücherwurm seinen neuen Platz im Eingangsbereich der Murhardschen Bibliothek, wo er heute noch zu bewundern ist. Die Tierfiguren befinden sich zum Teil im Stadtarchiv, im Stadtmuseum und in der Murhardschen Bibliothek.

Beschreibung

Die auf einem Granitsockel stehende Bronzefigur stellt einen Mann im Rokokokostüm mit Frack, Eskarpins und Schnallenschuhen dar. Seinen Kopf ziert eine Perücke mit nach hinten abstehendem Zopf. Der Bücherwurm scheint in leicht gebückter Haltung ein Buch zu verschlingen. Er hat weitere Bücher unter die Arme und zwischen seine Knie geklemmt. Zum Lesen treibt ihn jedoch nicht der Wissensdurst, sondern die Leselust, welche ihn alles um ihn herum vergessen zu lassen scheint. Die Skulptur erinnert an die Darstellung des Büchergelehrten in dem berühmten Gemälde "Der Bücherwurm" von Carl Spitzweg (*05.02.1808; † 23.09.1885) , das um 1850 entstanden ist.

Am Beckenrand des ehemaligen Brunnens war zum einen ein Affenpaar zu sehen, das in seltener Eintracht, eng umschlungen zu dem „Goldenen“ hinaufstarrte. Am Brunnenrand gegenüber befand sich ein weiteres Affenpaar. Der männliche Affe schien wie eine Grazie zu laufen, während der weibliche Affe mit einem Apfel spielte.

Des Weiteren zierten zwei Pelikanpaare den Beckenrand. Der weibliche Pelikan des einen Paares starrte mir geöffnetem Schnabel und zurückgelehntem Kopf auf den obersten Brunnenrand. Der männliche Pelikan blickte mit erhabenem Haupt in die Ferne.

Zudem befanden sich vier weitere Pelikane auf der Säule unterhalb des Bücherwurms. Der Blick jedes einzelnen Pelikans ist voller Weisheit und Erkenntnis, im Kontext des Gesamtkunstwerks werden sie auch als Hüter des Wissens bezeichnet.

Bedeutung

Obwohl der künstlerische Wert der Figur sehr umstritten ist, war der Brunnen bei Erwachsenen und viel mehr noch bei den Kindern als "Streichelbrunnen" beliebt. Kaum jemand konnte an ihm vorübergehen ohne die Tiere zu berühren. Nachbildungen des Bücherwurmes waren auch über die Stadtgrenzen hinaus in vielen Geschäften erhältlich und fanden reißenden Absatz.

Weblinks

Quellenverzeichnis

  1. ↑ Stadtarchiv Kassel: S5 A-231 "Bücherwurm-Brunnen"
  2. ↑ Hermsdorff, Wolfgang: des Bücherwurms Reise nach Hamburg und wieder in zurück. In: "Heimatbrief 28" (1984), S. 102-106
  3. ↑ Lewerenz, Helene: ein kurzer Besuch am Kasseler Brunnen der Weisheit. Betrachtungen über den „Bücherwurm“ und seine philiosphischen Kollegen vor der Murhard-Bibliothek. In "KLZ" (21.01.1939)
  4. ↑ Fehling, Vera: “versteckter” Bücherwurm. In: "Extra Tip" (24.03.1985), S. 5