Axel Thiel

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(* 22.09.1945 - + 17.06.2006)

„Es tut mir sehr Leid, sagen zu müssen, dass unser Freund Axel Thiel gegangen ist.“ So steht es auf der Internetseite von Axel Thiel. Er, der Graffiti-Experte aus Kassel, ist tot. Er starb im Alter von 60 Jahren und hinterlässt seine 22-jährige Tochter.

Axel Thiel war der Herr über ein riesiges Graffitiarchiv. Über 100 000 Dokumente rund um die Kunst des Sprühens sicherte er im Internet unter www.graffitiforschung.tk. Hinzu kommen hunderte Bücher und Ordner, die er bei sich aufbewahrte. 31 Jahre lang hatte er die Graffiti-Kunst erforscht. Dabei ging es ihm vor allem um den Sinn der gesprühten Sprüche und Wörter, um den Gedanken, den die Sprüher hatten, als sie sich an Wänden, Laternenmasten und Waggons verewigten.

Und sein Wissen war gefragt. Tausende Studenten aus der ganzen Welt nutzten seine Kenntnisse und sein Archiv für Abschlussarbeiten. Er wurde zu internationalen Kongressen eingeladen. Viele Städte aus vielen Ländern suchten im Kampf gegen Schmierereien den Kontakt zu Thiel. Doch seine Antwort passte den Verwaltungen oft nicht: Keinen Wunder-Baustoff forderte er, der sich gar nicht erst bemalen lässt. Er riet dazu, keine billigen Tricks zu machen. „Erst wenn Jugendliche genug Freiräume haben, einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz und wenn ihre soziale Zukunft gesichert ist, erst dann werden sie aufhören, ihre Wut und Sorgen in Form von Graffiti auszudrücken.“

Axel Thiel, Diplom-Sozialpädagoge, Diplom-Supervisor, geboren 1945 „in einem kleinen Kaff - Meuselwitz in Thüringen“, wie er auf seiner Internetseite beschrieb.

Wenn Joachim Schleißing, ein Freund von Axel Thiel und Ortsvorsteher der Unterneustadt, an ihn denkt, sieht er nicht nur Graffiti. Er sieht Thiel auch im Grünen stehen, in der Gartengemeinschaft Blücherstraße, an der Thiel gewohnt hat. „Er war die Seele der Gartengemeinschaft“, seit über 25 Jahren dort Mitglied.

Schleißing sieht aber auch die Mach-was-Aktion, die Mietern in der Unterneustadt seit zwei Monaten eine Garten- und Freizeitfläche bietet. „Ohne Axel Thiel wäre das Projekt längst nicht so weit.“ Und Joachim Schleißing sieht ihn bei sich sitzen, in seinem Haus. „Er gehörte zur Familie.“ Die Kinder sagten: „Du bist unser dritter Opa.“

Er wird Axel Thiel vermissen. Einen hilfsbereiten Mann mit klarem Geist, wie Schleißing sagt. Einen, der einmal sagte: „Ich wünsche noch einen intensiven Tag und viel Freude am Leben.“

Von Andreas Berger