Autobahn A44

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Die Autobahn A 44 wurde Ende der 60-er und Anfang der 70-er Jahre des vorigen Jahrhunderts mit Hochdruck durch die Länder Nordrhein-Westfalen und Hessen gebaut, um Kassel dem Ruhrgebiet "näher zu bringen", die Wirtschaftsräume zu verbinden und das Baunataler VW-Werk mit günstiger Verkehrsverbindung nach Westen "auszustatten".

Die ausführende Behörde auf hessischer Seite war das Straßenneubauamt Hessen-Nord, dann "Hessisches Straßenbauamt Kassel" und heute "Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV)" in Kassel, mit Dienstgebäude in der Kölnischen Straße, aber auch zeitweise Dependancen in Elgershausen und Breuna.

Das Gebäude Kölnische Straße 69 diente schon früher der Behörde "Reichsautobahn" als Dienstsitz.

Freie Fahrt ins Ruhrgebiet

Am 8. Juli 1975 wird das letzte Stück der Autobahn zwischen Kassel und dem Ruhrgebiet für den Verkehr freigegeben. Von der Verbindung erhofft man sich wirtschaftliche Impulse für die Region.

Mitten auf der neuen Schnellstraße drückt Oberbürgermeister Dr. Karl Branner seinem Dortmunder Kollegen Günther Samtlebe die Hand und lädt die Menschen im Revier ein. "Kommt bald nach Nordhessen und besucht uns und unsere schöne Landschaft", sagt er, wohlwissend, daß das Zonenrandgebiet dem Westen der Republik in diesem Augenblick ein Stück näher rückt.

8. Juli 1975 in der Nähe der westfälischen Domstadt Soest. Kurz nach halb zwölf schneidet Bundesverkehrsminister Kurt Gscheidle (SPD) das Band durch und gibt damit das letzte Stück der Autobahn zwischen Kassel und dem Ruhrgebiet für den Verkehr frei.

Der Einweihung des 39 Kilometer langen Abschnitts zwischen Soest-Ost und Wünnenberg wohnt alles bei, was in Nordhessen Rang und Namen hat. Als der Minister die Schere ansetzt, lächelt Holger Börner zufrieden. Der Kasseler SPD-Bundestagsabgeordnete hat sich in Bonn jahrelang nachdrücklich für die Fertigstellung der Ost-West-Verbindung stark gemacht.

Die Stimmung an diesem heißen Sommertag ist euphorisch. Von dem Lückenschluß erhoffen sich Politiker und Wirtschaftsvertreter wichtige Impulse. Hessens Verkehrsminister Heinz-Herbert Karry (FDP) spricht von einer "entscheidenden Verbesserung für die Wirtschaftsentwicklung der Stadt Kassel, der Region Nordhessen und der Räume darüber hinaus". Der Fremdenverkehrsverband Kurhessen und Waldeck nutzt die Gunst der Stunde und bringt einen eigens für die Einweihung herausgegebenen Prospekt unter die Leute. Das Heft mit dem Titel "Nur ein Katzensprung" soll die Westfalen unter anderem nach Ahnatal ("Nostalgisches Wochenende" ab 99 Mark) und in den Naturpark Meißner-Kaufunger Wald (sieben Tage Vollpension ab 140 Mark) locken.

Die Euphorie ist verständlich angesichts der Tatsache, daß sich die Vollendung der 149 Kilometer langen Autobahn jahrzehntelang hinzog. Erste Ideen für den Schnellweg, der am Ende knapp eine Milliarde Mark kostet, stammen aus dem Jahr 1927. Mit der Umsetzung der Pläne wird 1939 begonnen; doch der Krieg stoppt schon bald den Bau.

Eine 1957 gegründete Arbeitsgruppe unter der Federführung der Industrie- und Handelskammer greift die Pläne wieder auf und macht Druck in Bonn. Fünf Jahre später genehmigt das Bundesverkehrsministerium den Bau einer 4,7 Kilometer langen "hochwasserfreien Verbindungsstraße" zwischen Bergshausen und der Bundesstraße 3. Im Zuge der Arbeiten entsteht auch die Autobahnbrücke über die Fulda. Fortan arbeiten sich die Autobahnbauer von Osten und Westen vor. Im Oktober 1968 wird das 15 Kilometer lange Teilstück zwischen Kassel-Süd und Burghasungen übergeben.

Der Weiterbau nach Osten

Der Weiterbau nach Osten war nach der Wiedervereinigung eine große Aufgabe im Rahmen des Projekts "Deutsche Einheit". Nach der Deutschen Einigung im Jahre 1990 hatte der Bau von Kassel im Bereich der Söhre ab der Anbindung an die Autobahn A7 höchste Priorität, zuerst eine "Vereinigung mit der Autobahn A 7" (Verbreiterung auf acht Spuren) bis zum Anschluss der B 7 der Leipziger Straße, bzw. dem Losse-Tal in Bettenhausen.

Verlauf

Bevor die Autobahn A44 sich bei der Knallhütte mit der Autobahn A49 zum Autobahnkreuz Kassel "knotet", ist an der Anschlussstelle Wilhelmshöhe schon Kassel erreicht - zumindest ist der "grüne Teil" Kassels mit Bergpark Wilhelmshöhe und Herkules nicht mehr weit und gut anzufahren.

Hat die Autobahn A44 dann die Autobahn A49 unterquert, überquert sie die Bundesbahn mit der ICE-Schnellbahnstrecke, um dann nach kurzer Strecke auf kühner Stahlkonstruktion über ca. 100 Meter hohen "Betonpfeilern", der so genannten Bergshäuser Fuldatalbrücke bei Bergshausen, das relativ eng eingeschnittene Fuldatal zu überqueren - bis zur Kasseler Fuldaaue sind es dann nur noch einige Kilometer.

Angebunden im heutigen "Autobahndreieck" und früheren Kasseler Kreuz an die A7, wartet die A44 nun auf ihre "große Aufgabe", nach der Vollendung das Ruhrgebiet mit Thüringen und dem fernen europäischen Osten zu verbinden. Ursprünglich war mit dem Bau nach dem 2. Weltkrieg als sogenannte "hochwasserfreie Verbindung" begonnen worden, um dann in den 60ern des 20. Jahrhunderts vollendet zu werden.

Von Kassel wird die A 44 nach Eisenach (über Hessisch-Lichtenau) fortgeführt.

Debatte um stockende Bauarbeiten

Im November 2013 betonte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, dass der Weiterbau des etwa zehn Kilometer langen A 44-Abschnittes zwischen Kassel und Helsa während der Koalitionsverhandlungen mit den Grünen nicht verhandelbar sei. Er werde gebaut, so Bouffier über den Streckenabschnitt, der sich zu diesem Zeitpunkt noch im Planungsstadium befand. Die Grünen im Landkreis Kassel fordern, die Pläne für den Autobahn-Weiterbau zu überprüfen.[1]

Auch das Verkehrsministerium arbeite weiter am Ausbau, hatte einige Tage zuvor der scheidene hessische Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) erklärt. Zuletzt habe sein Haus das Verkehrsministerium in Berlin Anfang November auf die Dringlichkeit und Bedeutung einer Entscheidung über die A 44-Trasse hingewiesen, sagte der aus Kaufungen stammende Minister.[2] Mit seinem Statement nahm Rentsch Bezug auf entsprechende Berichte, nach denen die Stadt Kaufungen sich wegen des stockenden Ausbaus in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung gefährdet sieht.[3]

Rentsch kündigte an, dass die Gesprächsrunde zur A 44 fortgesetzt wird

Weblinks und Quellen

Einzelnachweise

  1. Peter Ketteritzsch, "Bouffier: Die A44 wird gebaut", HNA vom 28. November 2013
  2. Peter Ketteritzsch, "Rentsch: "Dränge auf A44-Lösung", HNA, 14. November 2013
  3. "Gewerbeflächen? Fehlanzeige", HNA vom 13. November 2013

Weblinks