Aussstellung "Verlorene Stadt": Obere Königsstraße

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Station 21: Obere Königsstraße 1

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Der Name „Königsstraße“ erinnert seit 1768 an Landgraf Friedrich I. (1676-1751), der 1720 zum König vom Schweden gekrönt worden war. Zugleich wurde die Straße, die nach 1710 angelegt worden war, weiter ausgebaut und verlängert; ein repräsen¬tatives „Königstor“ in Höhe der Friedrichsstraße gelangte jedoch nicht zur Ausführung.

Das zweite Haus von rechts, Königsstraße 4, ist heute das älteste Gebäude der ganzen Straße, das die Kriegszerstörungen und die späteren Abbrüche überstanden hat. Es wurde 1804/05 errichtet – gemeinsam mit den übrigen Wohnhäusern zwischen Fünffensterstraße und Friedrichsstraße (Nr. 6 ist auf dem Bild bereits durch einen Neubau von 1888/89 ersetzt).

Ursprünglich hatte es dem Nachbarhaus Nr. 2 geglichen (vorne rechts), das 3. Obergeschoss ist erst nachträglich ausgebaut worden. Zu den prominenten Bewohnern des Hauses zählen der württembergische Minister von Wintzingerode, der Historiker und Archivdirektor Christoph von Rommel und der Hofbaumeister Johann Conrad Bromeis. 1882-1908 wohnte im 1. Obergeschoss der Geheime Rat und königliche Kammerherr Hans von der Malsburg. In das Erdgeschoss zog 1893 die Konditorei Sunkel, die vier Jahre zuvor im Nachbarhaus Nr. 6 gegründet worden war.

Nachdem Philipp Däche 1896 die Konditorei übernommen und 1906 das Gebäude erworben hatte, baute er das Unternehmen um 1918 weiter aus. Das Café Däche nutzte nun das ganze Erdgeschoss sowie das umgebaute Obergeschoss. 1980 zog es nach Wolfsanger um und schloss 1985. Das Haus wurde im Zweiten Weltkrieg nur geringfügig beschädigt, später aber mit einer Metallverkleidung und 2009 mit einer Wärmedämmung versehen.

In den Jahren 1899-1900 veränderten Umbauten (Nr. 2 und 5) das Straßenbild, Nr. 3 wurde um 1904 ganz neu errichtet. Über die Grundstücke Nr. 5 und 6 führt heute die verbreiterte Fünffensterstraße. Von Nr. 2 stehen noch drei Fensterachsen neben Friedrichsstraße 25.

Station 22+23: Obere Königsstraße 9

Station 22

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Die 1688 gegründete Oberneustadt bildete bis 1808 ein selbständiges Gemeinwesen, erhielt allerdings erst 1771-75 ein eigenes Rathaus. Der Neubau nahm auch die Französische Kanzlei auf: den Verwaltungs- und Gerichtshof der hugenottischen Einwanderer in Hessen.

Zum Bild:

  • (rechts, mit Uhrentürmchen): das Französische Hospital und Armenhaus (Fünffensterstraße 16)
  • (links von der Bildmitte): die beiden Gebäude des Oberneustädter Rathauses (Obere Karlsstraße 12-14), daneben das Privathaus Obere Karlsstraße 10 (an der Ecke Fünffensterstraße)
  • die Kuppel der Karlskirche
  • (links, angeschnitten): ein Seitenflügel des Messhauses

In der Zeit des Königsreichs Westphalen bildete das Gebäude das einzige Kasseler Rathaus (1808-13), danach waren hier das Stadtgericht und weitere Behörden untergebracht, zeitweise auch Kunstakademie und Bauhandwerkerschule. Mit dem Abbruch des historischen Rathauses am Altmarkt 1837 zog die Stadtverwaltung wieder an den Messplatz. Im 2. Obergeschoss des Hauptgebäudes wohnten die Oberbürgermeister Schomburg, Arnold, Hartwig und Nebelthau, bis die wachsende Verwaltung die Räume beanspruchte. Prominente Bewohner des Nachbarhauses Karlsstraße 10 waren um 1819 der Hofbaumeister Heinrich Christoph Jussow und 1845-51 der Publizist und Verfassungskämpfer Friedrich Oetker.

Nach der Vollendung des heutigen Rathauses 1909 entstand im Altbau an der Karlsstraße ein „Lyzeum mit Studienanstalt“ für Mädchen, das 1930 in einen Neubau umzog: die Malwida-von-Meysenbug-Schule, seit 1940 Heinrich-Schütz-Schule. Nun nutzten städtische Stellen das Gebäude, bis es beim Großangriff 1943 ausbrannte. Heute steht dort der rückwärtige Erweiterungsbau des Rathauses.

Das Hospital und Armenhaus von 1770-72 löste drei Häuser an der Georgenstraße ab. Seit 1867 diente es als Pfarrhaus bzw. zu Mietwohnungen. Die Portalinschrift ist heute am Gemeinde¬haus Obere Karlsstraße 3 eingemauert.

Station 23

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In Rekordzeit erhielt das Messhaus vor der Augustmesse 1809 einen neuen Hauptflügel: Nur 2 Wochen soll es gedauert haben, bis der abgebildete Neubau aus verschaltem und verputztem Fachwerk errichtet war; das große Dach war in nur viereinhalb Tagen eingedeckt.

Die Tradition der Kasseler Frühjahrs- und Herbstmessen reicht bis 1762 zurück. Ihre Gründung gehört zu mehreren Maßnahmen Landgraf Friedrichs II., mit denen die heimische Wirtschaft gefördert werden sollte. Als Messhaus richtete man 1763 zunächst ein Gebäude an der Ecke Karlsstraße / Wilhelmsstraße ein und erweiterte es bald darauf um drei Flügelbauten. Sie fassten einen Hof ein, der sich zur Königsstraße hin öffnete, und waren schrittweise in verputztem Fachwerk errichtet worden: Im Erdgeschoss verlief rings um den Hof ein Gang, von dem Läden und Werkstätten abgingen, das Obergeschoss bestand aus großen, hellen Sälen mit abgetrennten Verkaufsständen. Das Gebäude war zugleich auch Sitz des Commerzien-Collegiums und der Gesellschaft für Ackerbau und Künste. Auf dem Hof stand von ca. 1786 bis 1809 ein Pavillon mit der Messwaage.

Der neue Hauptflügel von 1809 schloss den Hof zur Straße hin ab. Er enthielt große Säle für die Messestände, und bis zum Ende des Königreichs Westphalen 1813 war hier auch ein Raum für das Friedensgericht untergebracht. Nach Vollendung des Flügels trennte man den ältesten Gebäudeteil an der Karlsstraße ab und verlegte dorthin die Münzstätte aus dem Renthof.

Um 1837 wurde jährlich der Wollmarkt im Messhaus abgehalten, außerdem betrieben Kasseler Schreiner im Erdgeschoss ein Lager moderner Möbel, das als Möbelmagazin bzw. -fabrik bis 1904 bestand. Zudem befanden sich Ende des 19. Jahrhunderts im Gebäude die städtische Steuerinspektion, Dienstwohnungen und eine Glas- und Porzellanhandlung. 1904 brach man das Messhaus für den Neubau des Rathauses ab.

Station 24+25: Obere Königsstraße 17

Station 24

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Das neue Rathaus wurde 1905-09 errichtet. In einem Wettbewerb hatte Karl Roth aus Darmstadt den 1. Preis erhalten, und bald darauf bekam er auch den Bau des Dresdener Rathauses übertragen. Die modernen Barockformen fügten sich gut in die Umgebung ein, und die schlossartige Konzeption mit Ehrenhof unterschied sich von allem, was in der deutschen Rathaus¬architektur bislang üblich war.

Ein wahrer Palast der Bürgerschaft war entstanden: Wo in einem Barockschloss der Festsaal lag, befand sich der prachtvolle Sitzungssaal der Stadtverordneten; und an die Stelle der üblichen Empfangsräume traten die Haupthalle, die Lese- und Kommissions¬zimmer sowie der Magistratssaal.

Statt fürstlicher Wohnappartements lagen sich in den Seiten¬flügeln des Ehrenhofs die Räume von Oberbürgermeister und Bürgermeister gegenüber. Die prächtig ausgestatteten Säle konnten besichtigt werden, und man verkaufte Postkarten und Rathausführer. Das Uhrentürmchen (Gesamthöhe: 58m) diente als Aussichts¬punkt, und seit 1937/38 erklang hier ein Glockenspiel.

Die aufwändige Ausstattung des Rathauses wurde auch durch zahlreiche Schenkungen Kasseler Bürger ermöglicht. So stifteten die Industriellen Karl Henschel und Siegmund Aschrott zwei Brunnen für den Ehrenhof, Henschel zudem die beiden Fahnenmasten. 1939 zerstörten Nationalsozialisten jedoch den rund 12m hohen rechten Brunnenaufbau, da Aschrott Jude gewesen war.

Beim Großangriff 1943 brannte das Rathaus aus, wurde aber sogleich notdürftig wieder benutzbar gemacht. 1947 ließ man den beschädigten Eisendachstuhl des Mittelteils bereits wieder instandsetzen, schrieb 1949 jedoch einen Wettbewerb aus.

Umgesetzt wurde der 3. Preis: Die Kasseler Architekten Catta und Groth hatten die geringsten Eingriffe in den Bestand vorgesehen; allerdings wurden die erhaltenen Giebel aufwändig abgebrochen und der Mittelbau vereinfacht. Als Ausgleich für die entfallenen Mansardenräume fügte man neue Seitenflügel an, und um 1975 kam ein Erweiterungsbau an der Rückseite hinzu.

Station 25

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Zwischen Wohnhäusern aus der Zeit um 1730 erblickt man einen gerade vollendeten Neubau: das Merkur-Haus, heute eines der ältesten Gebäude der Straße. Als es 1929 errichtet wurde, legte man großen Wert darauf, dass es sich in die Umgebung einpasste; nur die breiten Fensterformate lassen die Bauzeit erkennen.

Zu verdanken ist dies einer neuen städtischen Baupolitik ab 1913, nachdem mehrere große Bauprojekte die Geschlossenheit des Kasseler Stadtbildes rücksichtslos gesprengt hatten. Bauherr des Hauses war der Konditor Willy Warlich: 1919-29 hatte er das Café Däche geleitet (vgl. Station 1), in dem er schon zur Lehre gegangen war; nun wandte er sich kaufmännischen Geschäften zu. Daneben machte er sich um den CVJM verdient und war 1929-33 und 1945-60 in der Kasseler Lokalpolitik aktiv.

Im rechten Nachbarhaus, Königsstraße 15, erkennt man das Café Schmoll, ab 1933 Café Reiß, in dem bekannte Musikkapellen auftraten. Eine 1948/49 eröffnete neue Gaststätte ersetzte Reiß um 1953 durch das Cinema-Filmtheater.

Königsstraße 17 war zunächst der Stadtsitz der fürstlichen Seitenlinie Hessen-Philippsthal. Vor 1766 erwarb der landgräfliche Oberstall¬meister und Oberkammerherr Julius Jürgen von Wittorf das Anwesen, und 1798 war bei ihm sogar die preußische Königin zu Besuch. 1874 gründeten Arthur Heinsius und Emil Sander hier ein „Spezialgeschäft für Wäscheausstattungen und Betten“, das 1883 zum preußischen Hoflieferanten ernannt wurde; 1897 kaufte Heinsius das Gebäude. Der große Garten, der einst bis zum Garde-du-Corps-Platz gereicht hatte, war damals längst aufgeteilt. Nach der Zerstörung 1943 kam das Geschäft im Haus Königsstraße 5 unter, bis 6 Jahre später ein Provisorium an alter Stelle entstand. Das heutige Geschäftshaus wurde 1970 gebaut.

Die Häuser Königsstraße 11-21 waren ursprünglich dreigeschossig, mit Mansarddach und mittlerem Dachgeschoss mit Giebel; bereits vor 1800 wurden sie durchgehend viergeschossig ausgebaut. Außer dem Merkur-Haus sind nur Reste des Nachbarhauses Nr. 11 erhalten geblieben.

Station 26: Obere Königsstraße 21

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1843 eröffnete Eckhardt Worch im Haus Königsstraße 14 (rechts vorne) eine Bäckerei mit Kaffeestube, die bald zu einem beliebten Treffpunkt Kassels avancierte. Schauspieler und Musiker des nahen Hoftheaters gehörten ebenso zu den Gästen wie Offiziere und Beamte des gegenüberliegenden hessischen Kriegsministeriums.

Worch hatte bei seinem Vater Adam in der Leipziger Straße gelernt und 1836, während seiner Wanderjahre, sogar in St. Peters¬burg gearbeitet. Nach seinem Tod 1866 übernahm sein Sohn Heinrich das Geschäft und machte vor allem den Worchschen Speckkuchen populär; sogar der letzte Kurfürst, der in Prag im Exil lebte, ließ sich regelmäßig beliefern.

Nach 1903 baute Adolf Worch, der u. a. in Dresden seine Kenntnisse vertieft hatte, das Café zeitgemäß aus. In der Bombennacht 1943 starben er, seine Frau und seine Tochter in der Trümmern. Die beiden Söhne Heinrich und Edgar bauten das Café nach Kriegsende wieder auf, doch setzte die nachfolgende Generation die Familientradition nicht fort; 1961 wurde das traditionsreiche Café geschlossen.

Im selben Haus erkennt man das Juweliergeschäft Werner Kaupert, das sich bis 1900 noch am Schloßplatz befunden hatte (heute Teil des Steinwegs); Kauperts Nachfolger Reisewitz verlegte es 1907 in das Nachbarhaus Nr. 16. Ganz rechts angeschnitten erkennt man das Spielwaren¬geschäft Reinecke; der Schlosser Carl Reinicke hatte hier 1884 ein „Spielwaaren-Geschäft, Kurz-, Galanterie- u. Parfümeriehdlg.“ gegründet, das in der Nachkriegszeit noch in der Herkulesstraße weiterbestand.

Zwar prägten inzwischen Schaufenster das Straßenbild, und einzelne Häuser waren bereits verändert, doch ist der einheitliche Charakter der Häuserfront aus den Jahren um 1720 noch gut zu erkennen: dreigeschossige Bauten mit Dachgeschoss und Giebel, weiß verputzt, mit farbigen Umrahmungen der Fenster. Nach dem Zweiten Weltkrieg bemühte man sich zumindest, wieder eine einheitliche Gebäudehöhe zu erreichen.

Station 27-30: Obere Königsstraße 31

Station 27

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Bauherren des Hauses Königsstraße 29 waren um 1736/37 die Manufakturbesitzer Theodor und Daniel Landré, die bereits den Komplex Karlsplatz 1-3 / Obere Karlsstraße 16-18 besaßen.

Nach 1766 erwarb die landgräfliche Seitenlinie Hessen-Philippsthal das Gebäude von den Erben des Oberkammerrats Stirn. Die weiteren Nutzungen spiegeln die wechselvolle Geschichte Hessens wider: Während der französischen Fremdherrschaft (1806-1813) war hier das Kriegskollegium untergebracht, ab 1814 diente es als Palais der Kurfürstin Karoline; denn das alte Stadtschloss war im Jahre 1811 abgebrannt, so dass die Hofhaltung aufgeteilt werden musste: Kurfürst Wilhelm I. bezog das Palais Bellevue, die Kurfürstin nutzte zunächst ein Gebäude am heutigen Brüder-Grimm-Platz, bis sie 1814 in dieses Palais umzog. Nachdem sie hier 1820 gestorben war, nahm das Haus das General-Kriegs¬departement (später Kriegsministerium) und den Generalstab auf, nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 die Intendantur des XI. Armeecorps.

Als der Versailler Vertrag das deutsche Militär stark beschränkte, war hier 1920-25 außer Wohnungen das Landesfinanzamt untergebracht, dann zogen erneut militärische Dienststellen ein. Beim Großangriff 1943 brannte das Gebäude aus; nach weitgehenden Abbruch¬arbeiten stand das Portal noch bei Kriegsende. Eine geschmiedete Gartentür befindet sich heute am Palais Bellevue. Zwei niedrige Geschäftsgebäude mussten 1960-62 einer Erweiterung des Kaufhofs weichen.

Das linke Nachbarhaus Nr. 27 stammte aus den Jahren 1898-1900. Letzter Besitzer des Vorgängerbaus war der Hofuhrmachermeister David Grau (1857-1922) gewesen, der hier 1880 die erste elektrische Hauptuhr entwickelt hatte; damit wurde es möglich, an großen Bauten eine Uhr mit bis zu 100 Nebenuhren zu betreiben.

Rechts neben Nr. 29 fällt der Blick bis zum Opernplatz: Die Gebäude des Hoftheaters werden gerade abgebrochen, und in den nächsten beiden Jahren entsteht hier ein Warenhaus der Leonhard Tietz AG.


Station 28

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Am Ende der Königsstraße fällt der Blick auf das Haus Wilhelmshöher Platz 5 (um 1799), an dessen Stelle 1910-13 das Hessische Landesmuseum erbaut wurde. Überragt wird es vom 1886 eröffneten Wilhelmsgymnasium an der Humboldtstraße. Mitten auf dem heutigen Brüder-Grimm-Platz steht das Einigungsdenkmal von 1898, das sich nun im Fürstengarten befindet.

Links im Bild erkennt man eine Litfaßsäule und Kioske: Hier boten ein Blumenhäuschen, eine Selterswasserbude und ein Photograph ihre Dienste an.

Das Eckhaus rechts vorne ist das Hoftheater: 1727 als Palais für den hessischen Prinzen Maximilian errichtet, ließ Landgraf Friedrich II. das Gebäude 1765-69 zum Opernhaus umbauen. Zwar hatte Kassel bereits 1701-30 unter Landgraf Karl einzelne Aufführungen italienischer Opern erlebt, doch waren die Räumlichkeiten nur provisorisch hergerichtet gewesen: im Ballspielhaus am Steinweg und in der Reithalle des Marstalls. Unter Friedrich II. wurde ab 1763/64 zunächst die italienische, später die französische Oper bevorzugt, und nach 1780 kamen auch deutsche Singspiele zur Aufführung.

1785 hob Wilhelm IX. Oper, Orchester und Ballett im Rahmen von Sparmaßen auf. Von nun an gastierten nur noch deutsche Wanderbühnen im Theater, mit denen 1789-90 allerdings auch der angesehene Komponist und Musiker Carl Stamitz in Kassel auftrat. Im Königreich Westphalen (1807-13) gehörte eine qualitätvolle Oper dagegen wieder zum Hofleben.

Nach 1813 wurde das Theater erneut von privaten Unternehmern geführt, bis 1821 Kurfürst Wilhelm II. die Regierung antrat, es wieder zum Hoftheater erhob und 1821/22 umbauen ließ: Das beste Theater Deutschlands sollte es werden, und dem hohen Anspruch wurde es auch gerecht. Als Hofkapellmeister konnte Louis Spohr gewonnen werden: einer der bedeutendsten Geiger, Dirigenten und Komponisten seiner Zeit. Namhaftes Personal wurde engagiert, und in kurzer Zeit formte Spohr ein Orchester, das zu den besten Europas gehörte.


Station 29

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Der Blick über den Opernplatz lässt gut den Gebäudeaufbau erkennen: Der linke Teil mit Treppenhaus, Gesellschafts- und Vorräumen war vom Palais des Prinzen Maximilian übernommen worden; er hatte ursprünglich dem Nachbarhaus Nr. 31 entsprochen, war 1821/22 aber erheblich verändert worden. Daran schloss der höhere Zuschauerraum an, gefolgt vom Bühnenhaus (rechts).

Vor den Publikumseingängen am Opernplatz dienten Vorbauten als Windfänge; sie stammten ebenso wie die Kutschenunterfahrt vor dem Hauptportal aus dem Umbau von 1821/22. Damals zog man außerdem den hinteren Teil des Gartens von Königsstraße 29 zum Grundstück dazu und errichtete ein eigenes Lagerhaus für Theaterkulissen, Requisiten, Malersaal und Kleidermagazin.

Aus der späteren Zeit als preußisches Hoftheater (ab 1866) ist vor allem Gustav Mahler zu nennen, der hier 1883-85 als Chor- und Musikdirektor angestellt war. Doch schon damals genügte das Hoftheater nicht mehr den zeitgemäßen Anforderun¬gen. 1894 verbesserte man noch den Brandschutz, baute äußere Fluchttreppen an und erhöhte die Zahl der Plätze von 1177 auf 1278, stieß dabei aber an die engen Grenzen der Bausubstanz. Der Theaterintendant Adolph Freiherr von und zu Gilsa griff daher 1902 einen Vorschlag von 1888 auf, das Grundstück zu verkaufen und aus dem Erlös einen Neubau an anderer Stelle zu finanzieren. Als Standort schlug er den Auehang am Friedrichsplatz vor.

Kaiser Wilhelm II. und Oberbürger¬meister Müller befürworteten den Plan, und 500 Bürger unterstützten das Projekt durch eine direkte Eingabe an den Kaiser. Dagegen lehnte das Ministerium einen Neubau unter Hinweis auf den gerade erst erfolgten Umbau ab, und in der Öffentlichkeit wurde der Standort am Auehang kontrovers diskutiert. Man verbesserte weiterhin den Brandschutz, doch das Regierungspräsidium erklärte 1905 auch die neusten Maßnahmen für unzureichend: Besucher der obersten Ränge könnten sich im Ernstfall nur durch einen Sprung auf den Opernplatz retten.

Station 30

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Im Jahre 1905 bildete sich in Kassel und Berlin ein Konsortium für die Vermarktung des alten Theatergrundstücks. Auch der 1906 ernannte Nachfolger Gilsas, Carl Graf von Bylandt, Baron zu Rheydt, setzte sich für den Neubau ein, und bis Anfang 1907 wurden die entsprechenden Beschlüsse getroffen. Nahezu zwei Drittel der veranschlagten Kosten konnten aus dem Grundstücksverkauf bestritten werden, das übrige Drittel steuerte die Stadt Kassel auf eigenen Antrag hin bei.

Die letzte Vorstellung im alten Theater fand am 14. Juni 1909 statt: Spohrs Oper Jessonda erinnerte ein letztes Mal an die große Glanzzeit des Hauses.

Das Areal wurde vertragsgemäß aufgeteilt und verkauft. Die Opernstraße wurde zur Erschließung der neuen Grundstücke angelegt und durch die Architekten des neuen Theaters, Anton Karst und Hans Fanghänel, bebaut. Diese errichteten auch das neue Warenhaus, um es dann an die Kölner Leonhard Tietz AG weiter zu verkaufen.

Tietz hatte 1879 ein Textilgeschäft in Stralsund eröffnet. 1882 folgte eine Filiale in Elberfeld (heute Teil Wuppertals, ein altes Zentrum deutscher Textilherstellung), und 1885 bildete sie den Grundstock für ein großes Warenhaus nach französischem Vorbild. 1891 wurde der Unternehmenssitz von Elberfeld nach Köln verlegt, 1905 die Firma in eine Aktien¬gesellschaft umgewandelt. Nach der „Arisierung“ 1933 änderte man den Namen in „Westdeutsche Kaufhof AG (vorm. Leonhard Tietz AG)“, bis 1936 auch der Namenszusatz entfiel.

Das Kasseler Warenhaus brannte beim Großangriff 1943 vollständig aus, konnte auf Grund seiner soliden Bauweise aber bald wieder nutzbar gemacht werden. Schon 1945 richtete Georg Reiß (vgl. Station 5) eine große Gaststätte in dem Gebäude ein, in der sogar das Orchester des Staatstheaters auftreten konnte. 1955 erfolgte schließlich der Abbruch zugunsten eines Neubaus.

siehe auch

Rundgang 1: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Wilhelmsstraße | Station 2: Engelsburg | Station 3: Wolfsschlucht 5-11 | Station 4: Opernstraße 15 | Station 5: Gnadengässchen | Station 6: Theaterstraße | Station 7: Wolfsschlucht 19-21 | Station 8: Theaterstraße 4 und 2 | Station 9: Blick auf das Friedrichsgymnasium | Station 10: Wolfsschlucht / Kölnische Straße
Rundgang 2: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 11: Obere Karlsstraße 32 | Station 12: Obere Karlsstraße 26-28 | Station 13: Obere Karlsstraße bis Friedrichsplatz | Station 14: Obere Karlsstraße bis Weinbergstraße | Station 15: Hercules Bierbrauerei | Station 16: Karlskirche | Station 17: Wilhelmsstraße 15 | Station 18: Stadtpark | Station 19: Garde-du-Corps-Straße | Station 20: Garde-du-Corps-Platz
Rundgang 3: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Karl Bernhardi Straße | Station 2: Dock 4 auf der Seite Oberste Gasse | Station 3: Porzellanhaus Hornschu in der Obersten Gasse 5 - Teil 1 | Station 4: Porzellanhaus Hornschu in der Obersten Gasse 5 - Teil 2 | Station 5: Fingerz Kleidung & Accessoires Entenanger 2 | Station 6: Jugendbücherei Oberste Gasse 24 - Teil 1 | Station 7: Jugendbücherei Oberste Gasse 24 - Teil 2 | Station 8: Hochzeitsatelier Oberste Gasse 30 | Station 9: Druselplatz 3 | Station 10: Reformhaus Kräuterhilde Martinsplatz 1
Rundgang 4: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Martinsplatz | Station 2: Martinsplatz nach dem Abbruch des Tuchhauses | Station 3: Das Säulenportal am Martinsplatz | Station 4: Mittelgasse | Station 5: Das Grimmsche Märchenhaus | Station 6: Barockhaus von Oberst Georg du Mont | Station 7: Der Freiheiter Durchbruch | Station 8: Laubengänge am Freiheiter Durchbruch | Station 9: Kassels erste Fußgängerzone | Station 10: Der untere Abschnitt der Marktgasse
Rundgang 6: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Café Nenninger, Friedrichsplatz 8 | Station 2: Brillen Vesper, Friedrichsplatz 6 | Station 3: Köhler Herrenbekleidung, Obere Königsstraße 37 (I) | Station 4: Köhler Herrenbekleidung, Obere Königsstraße 37 (II) | Station 5: Sinn Leffers, Friedrichsplatz 19-20 (I) | Station 6: Sinn Leffers, Friedrichsplatz 19-20 (II) | Station 7: AOK Geschäftsstelle, Friedrichsplatz 14 (I) | Station 8: AOK Geschäftsstelle, Friedrichsplatz 14 (II) | Station 9: Laufladen, Friedrichsplatz 12 (I) | Station 10: Laufladen, Friedrichsplatz 12 (II)
Rundgang 7: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Haus Königsstraße 45 | Station 2: Lyceum Fridericianum, Am Friedrichsplatz 19-20 | Station 3: Das Palais der Landgrafen von Hessen Rotenburg um 1910 | Station 4: Der Königsplatz nach Nordosten 1820, ehem. Kaskade | Station 5: Brühlsches Haus um 1890 | Station 6: Obere Königsstraße und Kölnische Straße, um 1898–1905 | Station 7: Königsplatz 34 und Königsstraße 32, um 1905–1911 | Station 8: Die Baugruppe Nr. 38–46, um 1888–1890 | Station 9: Die Baugruppe Königsplatz 57–59, vor 1898 | Station 10: Das Posthaus am Königsplatz vor 1878