August Bier

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Prof. Dr. Karl August Bier wurde am 24. November 1861 in Helsen damals Fürstentum Waldeck jetzt Landkreis Waldeck-Frankenberg geboren. Bier gilt als einer der bedeutendsten deutschen Mediziner.

Kindheit und Schulzeit

  • 1864 zog Familie Bier nach Korbach. Für den damals Zweijährigen wohl eine wichtige Entscheidung, denn dort gab es das einzige Gymnasium in der Umgebung - die Alte Landesschule. In den ersten Schuljahren zeichnete sich Bier jedoch durch Unfleiß aus. Lieber schärfte er seine Beobachtungsgabe in der Natur, erforschte die Zusammenhänge zwischen den Lebewesen. So gewann er früh Einblicke in den Körperbau der Tiere und mag beim Sezieren seine Fingerfertigkeit geschult haben, die später den Chirurgen auszeichnete.
Professor August Bier aus Bad Arolsen-Helsen
  • Zweimal blieb der Schüler sitzen, erforschte lieber die Natur, als sich mit Mathematik, Französisch oder Geschichte zu beschäftigen. Erst als sein Vater ihm eine Schusterlehre androhte, entwickelte sich Bier zum Primus und machte sein Abitur an der Alten Landesschule.

Studium

  • 1881 begann er sein Medizinstudium in Berlin, das er mit Auszeichnung 1886 in Kiel beendete.

Neue Narkosetechnik

  • 1898 entwickelte Bier mit seinem Assistentarzt August Hildebrand in Kiel die Rückenmarksnarkose. Sie erleichterte die Operationen und wird noch heute angewandt. Zuvor gab es unter anderem die Äther-Narkose. Sie war relativ gefährlich, denn trotz gelungener Operation wachten die Patienten oftmals nicht mehr auf.

Berufung und Dasein als Querdenker

  • 1907 wurde August Bier zum Ordinarius der 1. Königlichen Chirurgischen Klinik in Berlin berufen. Dennoch galt er seinerzeit als Querdenker. Unter anderem, weil er eine biologisch orientierte Medizin vertrat. Für ihn war der Mensch kein Mechanismus, sondern ein harmonisches Ganzes aus Körper, Geist und Seele.
  • 1925 geriet er erneut in Streit mit der Schulmedizin, als er für die Homöopathie eintrat. Allein die Entwicklung der Rückenmarksnarkose hätte ihn in den Reihen der großen Mediziner verewigt. Aber er sorgte noch mit weiteren Arbeiten für Aufsehen. So entwickelte er mit einem Kollegen im Ersten Weltkrieg einen neuen Stahlhelm, nachdem er bei Soldaten immer wieder schreckliche Kopfverletzungen durch Granatsplitter gesehen hatte.

Nominierung für den Nobelpreis

  • 1925 stand sein Name auf der Vorschlagsliste für den Nobelpreis. Vermutlich wegen antideutscher Einstellung nach dem Ersten Weltkrieg erhielt er den Preis nicht.

Bierscher Wald

  • In seiner Freizeit beschäftigte sich Bier weiterhin mit der Natur. Auf seinem Landsitz in Sauen in der Mark Brandenburg entwickelte er den Bierschen Wald. Er baute einen Mischwald auf, eine Methode, nach der noch heute Wälder bewirtschaftet werden.

Lebensende

  • Erst im Alter von 71 Jahren nahm er in Berlin 1931 Abschied vom Beruf des Arztes. Seinen Lebensabend verbrachte Prof. Dr. Bier auf seinem Landsitz in Sauen. Einen Schlaganfall hatte er Anfang 1949 noch gut überstanden. Am 12. März 1949 starb Prof. Bier dort an den Folgen einer Lungenentzündung. 500.000 Patienten behandelte Bier allein in Berlin. 50-000-mal griff er zum Chirurgenbesteck und operierte.
  • Seit 1921 ist Prof. Dr. August Bier Ehrenbürger von Helsen, seit 1937 von Korbach. Die doppelte Ehrenbürgerschaft nehmen die Städte Bad Arolsen und Korbach zum Anlass, zum 150. Geburtstag ihres bedeutenden Sohnes zu einer gemeinsamen Jubiläumsfeier im Herbst 2011 einzuladen.[1]


Weblink

  1. Aus der HNA vom 13. Mai 2011: Bad Arolsen und Korbach feiern 150. Geburtstag von August Bier

Quelle: Artikel aus der HNA Waldeckische Allgemeine vom 18. März 2004, aus der Serie "Die besten Waldecker"