Aufstände gegen Napoléon

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König Jérôme und der Reformstaat Westphalen

In der Zeit vom 5. November 2006 bis zum 28. Mai 2007 nahm eine Ausstellung im Stadtmuseum Hofgeismar mit dem Titel "König Jérôme und der Reformstaat Westphalen" den Staatsaufbau, die von Napoleon eingeleiteten Reformen, aber auch das veränderte Lebensgefühl dieser Zeit in den Blick (vgl. dazu auch Helmut Burmeister im Jahrbuch des Landkreises Kassel 2006, S. 25 ff.), das von "Fremdherrschaft"" auf der einen Seite, andererseits aber auch von Religions-, Gewerbe- und Niederlassungsfreiheit, schwindenden Vorrechten des Adels und der Geistlichkeit sowie tiefgreifenden gesetzlichen Änderungen gekennzeichnet war. Hohe Abgaben- und Steuerlasten als Folge der napoleonischen Feldzüge führten allerdings auch zu einem zunehmenden Druck auf die Bevölkerung, was sich in Aufständen niederschlug.

Es war Napolèons Idee gewesen, das neue Königreich zu einem Reform- und Modellstaat zu machen. In der Tat war das von Jérôme regierte Land für einige Jahre das politisch fortschrittlichste in Deutschland. Die neue Verfassung versprach den Bürgern Freiheitsrechte: der Gleichheitsgrundsatz wurde eingeführt und die Leibeigenschaft aufgehoben. Die Religionsfreiheit war besonders für Juden eine große Errungenschaft und mit der Ständeversammlung gab es einen ersten Ansatz zu einer parlamentarischen Mitsprache. Nicht weniger wichtig war der Aufbau einer neuen, unabhängigen Gerichtsbarkeit.

Aufstände gegen Napoléon

Ein mit diesen Bürgerrechten ausgestattetes Königreich hätte gelingen können. Doch die Umstände sprachen dagegen. Das Misstrauen gegenüber der Fremdherrschaft war gross. Vor allem litt das Land darunter, dass Napoleon das Königreich Westphalen finanziell systematisch ausplünderte und aufgrund seiner Feldzüge immer mehr Soldaten und Geldmittel brauchte.

Es war daher kein Wunder, dass sich schon am 28. Dezember 1806 einige tausend Bauern bei Homberg zum Angriff auf Kassel versammelten, um die Stadt zu befreien. Der Aufstand brach jedoch schnell wieder zusammen.

Der zweite Bauernaufstand wurde von Oberst Wilhelm Freiherr von Dörnberg im Jahre 1809 organisiert und ging wieder von Homberg und Felsberg aus. Nach Gefechten bei der Knallhütte, auf der Kirchbaunaer Höhe und der Hertingshäuser Heide wurde auch dieser Aufstand niedergeschlagen.

Die sog. Völkersschlacht bei Leipzig im Jahre 1813 wendete dann das Blatt für Preußen und die deutschen Fürsten. Bereits am 28. September 1813, also noch vor der Völkerschlacht, kam es auch in der Nähe von Kassel zu kriegerischen Auseinandersetzungen. König Jérôme zog sich nach Westen zurück. Zahllose Franzosen flohen und wurden von russischen Kossacken verfolgt. Dabei scheint auch an der westlichen Dorfgrenze von Hertingshausen ein russisches Feldlager gewesen zu sein.

Der hessische Kurfürst Wilhelm I. konnte anschließend wieder nach Kurhessen zurückkehren. Nach dem Wiener Kongress (1814 - 1815) war man auch in Kurhessen schon wieder dabei, die alten Herrschafts- und Machtstrukturen herzustellen.

Literatur

  • Uwe-Peter Böhm, Hessische Soldaten gegen Napoleon 1806 - 1814, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2007, S. 147 ff.

siehe auch

Quellen / Links



Landgrafschaft Hessen --> Landgrafschaft Hessen-Kassel --> Kurfürstentum Hessen --> Königreich Westphalen --> Kurfürstentum Hessen --> Provinz Hessen-Nassau