Auebad

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Die Sprungtürme (10 Meter) des Auebades sind Stahlkonstruktionen aus den 1950er Jahren
Das Schwimmstadion liegt in Kassel am Auedamm zwischen Karlsaue und Fuldaaue. Gegründet wurde das Flussbad 1923 vom damaligen Oberbürgerneister Philipp Scheidemann, der den Kasselern ein sicheres Baden im Fluss ermöglichen wollte. Am 20. Juli 2013 wurde das neu erbaute Auebad offiziell in Betrieb genommen.

Geschichte

Das Freibad am Auedamm, das früher den Namen Städtisches Flußbad trug, ist eine Gründung Philipp Scheidemanns, als er Oberbürgermeister in Kassel war. Es gab dort damals im Sommer nur zwei Badeanstalten in der Fulda: Sinning und Gerhard, beides Privatunternehmen, die aus Holz jeden Sommer am linken Flußufer ungefähr gegenüber der Pumpstation mit einem Steg über die Fulda aufgebaut wurden. Die von Sinning ging nach dem Ersten Weltkrieg ein. Die von Gerhard, der mit Spitznamen "Schwimmi" genannt wurde, rekrutierte ihre Besucher ausschließlich aus der gehobenen Kasseler Bürgerschaft. Die Bewohner der Altstadt, insbesondere deren Kinder, schwammen unbeaufsichtigt und vor den vorüberfahrenden Kiesschiffen ungeschützt frei in der Fulda, insbesondere von den Bleichen aus. Auch Philipp Scheidemann hatte sich als Junge dort im Wasser getummelt und die Gefahren solch riskanten Schwimmens kennengelernt.

Im Mai 1923 eröffnete er das Flussbad, das sofort von den Kasselern begeistert in Besitz genommen wurde. Im Sommer 1925 wurden 15.000 Besucher gezählt. Bis dahin gab es noch keine andere Stadt, die eine derartige Badeanlage für die Bevölkerung geschaffen hätte. Infolgedessen fand ein großzügiges Modell der gesamten Kasseler Einrichtungen auf der bedeutenden Ausstellung "Gesolei" (für Gesundheit, soziale Fürsorge und Leibesübung) in Düsseldorf besonders unter den Teilnehmern des dort stattfindenden Deutschen Städtetages große Beachtung.

Aussehen des hisorischen Bades

Das alte Flussbad bestand aus einer herrlich breiten Liegewiese bis zum Fuldarand, rechts und links für Herren und Damen, sowie anschließend Schüler und Schülerinnen abgeteilt. Die Badebecken mit Zementstangen lagen direkt im Fluss, Nichtschwimmer durch einen Balken vor der Strömung gesichert. Im freien Wasser kennzeichneten Schwimmkreuze die Grenze. Rechts und links jeweils am Herren- und am Damenbad befanden sich Häuschen für die Aufsicht und erste Hilfe. Es war verboten, durch den Fluss hinüber zur Waldauer Jungviehweide zu schwimmen oder gar an allen Sportstätten vorbei bis zur Neuen Mühle.

Nachdem am 23. Mai 1943 die Edertalsperre durch feindliche Flieger zerstört worden war und die Wassermassen sich mit Trümmern der Dörfer, Menschen- und Tierleichen durch das Eder- und Fuldatal ergossen hatten, war der Fluss verseucht und das Baden darin, weil gesundheitsgefährdend, nicht mehr erlaubt.

Neubau des Auebades

Für 32 Millionen Euro ist aus dem ehemaligen Freibad ein neus Frei- und Hallenbad mit Saunalandschaft gebaut worden. 2009 war man bei der Planung für das Bad von 24 Millionen Euro ausgegangen.

Luftbild Auebad-Baustelle, Quelle: HNA
  • 24. August 2010: Kassels Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel gibt bekannt, dass das Auebad erst abgerissen wird, wenn eine Baugenehmigung für das neue Kombibad am Auedamm vorliegt. Das haben die Kasseler Stadtverordneten beschlossen. Die Genehmigung wird für den 15. September erwartet. [1] [2]
  • 24. September 2010: Das städtische Bauamt erteilt die Baugenehmigung für das Kombi-Bad an der Fulda. [3]
  • 18. Oktober 2010: Die Abrissarbeiten am Auebad beginnen. Auf dem Gelände soll für 30 Millionen Euro ein kombiniertes Hallen- und Freibad entstehen. Geplant ist, dass das Bad bis zum Frühjahr 2013 fertig wird. Der Zehn-Meter-Turm bleibt stehen: Er ist denkmalgeschützt und wird saniert. [4]
  • 28. Juli 2011: Noch drehen sich die Kräne über der Baustelle an der Fulda. Spaziergänger können von der Schwimmbadbrücke aber schon mal einen Blick auf das neue Auebad werfen. Doch noch ist von dem Neubau nicht viel zu sehen. Noch arbeiten die Bauarbeiter an der Bodenplatte, die mit einer Länge von 180 Metern gigantische Ausmaße hat und in mehreren Schichten entsteht. 2500 Kubikmeter Beton werden verbaut - das entspricht ungefähr dem Inhalt von 14.000 Badewannen. [6]
  • 23. Juli 2012: Auf der Baustelle des Auebads wird eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Der Kampfmittelräumdienst entschärfte die Bombe. Das Areal rund um den Fundort war zuvor weiträumig abgesperrt und evakuiert worden.[7]
  • 4. Juli 2013: In mehreren Becken des neuen Auebades sind gesundheitsgefährdende Keime entdeckt worden. Deshalb kann das kombinierte Hallen- und Freibad nicht wie geplant am 5. Juli 2013 eröffnet werden. Im Labor sei laut Stadt Kassel die Belastung mit einem Keim festgestellt worden, der in hoher Konzentration zu Blasen- und Darmentzündungen führen kann. Trotz der nur geringen Grenzwertüberschreitung wurde das Bad vorerst nicht eröffnet. Stattdessen wurde die Badeanstalt einer Chlorbehandlung unterzogen, um die Keime zu bekämpfen.[8]
  • 5. Juli 2013: Trotz der Keimbelastung gibt es eine offizielle Einweihungsfeier. Ins Wasser darf aber niemand.[9]
  • 20. Juli 2013: Das Bad wird offiziell in Betrieb genommen. 872 Menschen hatten bis 19 Uhr das neue Auebad an der Fulda besucht.[10]

Video: Rundgang durch das neue Auebad

Erinnerungen an das Auebad

* Jochen A. Veeser: Geschichten und Anekdoten aus dem Kassel der 60er und 70er Jahre. Herkules Verlag. Daraus: Kassel ohne Fullebad - unmöglich! Betrachtungen von Alf Nusch. (entdeckt von Marianne Lometsch, Kassel): Im Fullebad haben wir schwimmen gelernt und unsere Freundinnen erobert. Wir haben mit geschwollenem Brustkorb unsere Runden gedreht und auf den Wiesen unsere Räder geschlagen wie die Pfaue. (...) Wir waren todesmutig und sprangen vom Dreier, vom Fünfer, und wenn es sein musste vom Siebeneinhalber. Dabei erinnere ich mich an meine Cousine Marianne, die mir weiß machen wollte, dass sie vom Zehner springen würde. Nun ja, wie das so ist, ich hatte den Mund sowieso schon voll..., ich behauptete dasselbe.

Und wie die Dinge so spielen, wenige Tage später sichtete sie mich im Bad, schlenderte mit ihrer atemberaubenden Figur zu mir und meinen Freunden und forderte mich mit einem Blick, den ich nie vergessen werde, zum Turmspringen auf. Sie musste meine Angeberei wohl durchschaut haben, außerdem wusste sie wohl ganz genau, dass ich vor meinen Freunden unbedingt mein Gesicht wahren wollte. Ich hatte also keine Chance und folgte ihr, mühsam die Haltung wahrend, die fast senkrechten Stufen hinauf auf den Turm. Mir war ganz schlecht. Oben angekommen zählte sie: "Eins... zwei... drei..." Und rannte los, ich mit... und abwärts ging's. An meiner empfindlichsten Stelle krampfte sich alles zusammen und mein Herz hörte für Sekunden auf zu schlagen. Aber abgetaucht, mit dem Kopf noch unter Wasser, wusste ich, dass ich zum stolzen Helden geworden war.

Meist so um die Mittagszeit, oder gegen Abend, wenn das Bad nicht so voll war, schlug die Stunde der KSV Turmspringer. Es waren drei Jungs mit Waschbrettbauch und einer unnachahmlichen Körperhaltung. Einer davon hieß Helmut Manthey.(...) Helmut und seine Freunde waren die absoluten Stars im Freibad, eine Attraktion und eine Augenweide. (...) Die Jungs zeigten ihr ganzes Können. (...) Wir standen am Rand, wurden pitschnass und waren begeistert.

Kassel ohne Fullebad - unmöglich!

* Hans-Eberhard Nuhn, Kassel: Wie mäh frieher in der Fulle gebadet honn: "Karle, weißt de dann noch, wie me frieher in der Fulle gebadet honn? D'n ganzen Sommer lang bruchden mäh uns nit ze wäschen, mäh waren je jeden Dach im Wasser.

De Sinningsche Badeanstalt hann ich je nit mehr erlewed un auch nit de Badebrügge und das Damen- und Herrenbad, von denen min Ahler immer erzählt hot. Mäh sin in der sengenden Hidze am Auedamm entlang gemacht - de Bäume warennoch ze jung und warfen kinnen Schadden - un sin ins Flussbad gegangen. Große Besidzdümer hadden mäh je nit, un vor allem kinn Geld. Mäh Jungen hadden 'n Stügge Brod, 'n Flasche Wasser un 'ne ahle Degge. Dodemidde hon mäh uns vor den ganzen Nachmiddach vergnüjed.

Wenn de so üwwerlegst, was de Kinner heutzedache alles middeschleifen ins Freibad: Schwimmflüjel, Flossen, Daucherbrille, Bälle, un neuerdings au so lange Blastigschläuje, wo se sich im Wasser druffelejen mid dem Buche. Awwer Schwimmen lernen se nit, jedenfalls duerds väle länger bi ennen, se müssen sich ja um den ganzen Krembel kümmern, de se middegebrachd honn.

Vor de Hussuffgawen hadden mäh damals natierlich kinne Zit, die machden mäh d'n anneren Morjen in der Schule. Im Flussbad mußden mäh de Mädchen ärjern, un wenn's uns gelungen war, se naßzesbridzen, dann gab's 'n Riesengekreische, un der Bademeister drohde un schimbede uns.

Awwer eijendlich waren de Bademeister ganz in Ordnung. Wenn de Fußbilze juggeden, dann sbrachen se von d'n fullen Zehen, un wenn se de Wassertemberadur messen mußden, un des Wasser war ze kalde, dann rief einer: "Henner bring moh 'n Kessel heißes Wasser un 'n Dauchsieder!"

Ich weiß noch genau, wie sdolz ich war, als ich minnen Freischwimmer in der Dasche hadde. Sogar min Ahler hot sich gefreud un mäh drei Groschen gegewen als Belohnung.

Der absolude Höhebungt minner Schwimmkarriere an der Fulle awwer war d's Fahrdenschwimmen. Me mußde sich in der Schule anmelden. Dann sin mäh eines Morjens bis zur Isenbahnbrügge marschiered. Do mußden mäh ins Wasser waden un bis zum Flussbad schwimmen, 'ne dreivierdel Stunne! Schlauchboode un 'n Modorbood fuhren vor unserer Sicherheid midde. Ich sache däh nach 'ner halwen Stunne waren minne Hänne un Fieße eisekalde un ich fiehlde mich wie 'n Eisblog. Awwer 's half je nu nix, mäh mußden weiderschwimmen. Als mäh im Flussbad an Land wollden, waren mäh so blau gefroren, dass me kaum rausrabbeln konnden.

Des Schlimmsde kam je nu noch. Mäh mußden nämlich von Dreier sbringen. Als ich mich am Leiderchen hochzochen hadde, stand do so 'n Angsthase vor mir in zidderde wie Espenlaub. He ging uff 'm Bredde nach vorne, guggede runner, awwer draude sich nit. Mid eiserner Mine kam hä zerrüge un krabbelde des Leiderchen widder runner. Hä hadde ümmesonsd geschwommen, ohne d'n Sbrung kriegte hä de Urkunde nit. Das sollde mäh nit bassieren: Mid minner ledzen Kraft stürdzde ich mich ins Wasser un baddelde, so schnell wie ich nur konnde, an Land. Fünf Minuten sbäder hadde ich minnen Fahrdenschwimmerussweis un 's Abzeijen in d'n Hännen - ich war sdolz wie 'n König und hadde mäh 'n scheenen Schnuppen gehold. Machs gud, Karle."

siehe auch

Bilder

Weblinks und Quellen

  1. HNA vom 4.8.2010: Start nach der Badesaison
  2. HNA vom 23.8.2010: Auebad: Abriss im September
  3. HNA vom 24.09.2010: Das neue Auebad kann kommen: Stadt hat Baugenehmigung erteilt
  4. HNA vom 04.08.2010: Kosten für Auebad-Neubau nun bei 30,3 Millionen Euro
  5. HNA vom 14.12.2010: Erster Spatenstich für das neue Auebad
  6. HNA vom 28.7.2011: Bauarbeiten am Auedamm kommen langsam voran - ab September Führungen
  7. Aus HNA.de vom 23. Juli 2013: Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg in Kasseler Aue entschärft
  8. Aus HNA.de vom 4. Juli 2013: Keime im Wasser: Auebad öffnet nicht
  9. Aus HNA.de vom 5. Juli 2013: Einweihungsfeier und Hoffnung auf Eröffnung
  10. Aus HNA.de vom 20. Juli 2013: Erst Wolken, dann Sonne: Der erste Tag im neuen Auebad