Asien-Institut

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Es gab eine Zeit, da war der Ferne Osten dem Kellerwald ganz nah. In Frankenau, am Rand des heutigen Nationalparks, gründeten der Kunsthändler Walter und die Kaufmannstochter Lisl Exner vor 50 Jahren ein Asien-Institut. Dieses sollte den Menschen hierzulande einen Eindruck von der fremden Kultur vermitteln.

Ein Erfolgskonzept: 60000 Besucher lockt das Museum von der ersten Ausstellung im Mai 1956 bis zum Umzug nach Bad Wildungen im Jahr 1965 in die Ziegenbockstadt. Prominente Asienforscher wie Heinrich Harrer gehen ein und aus, sogar ein Bruder des Dalai Lama ist Gast der Exners.

Geschichte der Sammlung Exner

1944 lernen sich Elisabeth Scheerer aus Frankenau, genannt Lisl, und Walter Exner kennen. Er ist Soldat und für vier Wochen in Frankenberg. „Es war der letzte Abend seines Quartiers hier“, erinnerte sich die 85-Jährige im Jahr 2006, die in Bad Wildungen lebt. Eine Begegnung, die Eindruck hinterlässt. Im November 1945 heiraten der 34-Jährige und die neuneinhalb Jahre jüngere Elisabeth.

Walter Exner hat zu diesem Zeitpunkt bereits einiges von der Welt gesehen. Als Sohn eines Wiener Händlers für asiatische Kunst fasziniert ihn der Ferne Osten. Eineinhalb Jahre hat er in China verbracht, für das Familiengeschäft Kunstwerke erworben und 1936 den Siebenberg-Verlag gegründet, den es noch heute gibt.

Die Sammlung Exner, von seiner Familie aufgebaut, ist bereits damals unter Experten hoch angesehen. 3000 asiatische Exponate hat Exners Vater Anton dem Österreichischen Museum für angewandte Kunst in Wien gespendet. Auch das Haus der Familie in der österreichischen Hauptstadt schmücken damals ungezählte Kunstwerke.

Als sein Vater 1952 stirbt, erbt Walter Exner die Hälfte der Sammlung. Er und seine Frau Lisl wissen in Frankenau zunächst nicht wohin mit den asiatischen Holzschnitten, Statuen und anderen Kleinoden. Zeitweilig lagern diese in einer Scheune.

Mai 1956: Die erste Ausstellung

Die Idee für ein Asien-Institut mit Ausstellung haben die Exners bereits, nur keine passenden Räume. Doch sie geben nicht auf - und haben Erfolg. 20 000 Mark genehmigt das Finanzministerium für das Museum. Im Mai 1956 eröffnet die erste Ausstellung. Titel: 2500 Jahre Buddha und Buddhismus.

6500 Besucher kommen innerhalb eines halben Jahres in das Asien-Institut, das in den Räumen der 2004 abgebrannten Stadthalle untergebracht war. Tochter Uta Maria Theresia hilft den Exners tüchtig mit. Der größte Erfolg wird 1959 die Schau „Sieben Jahre in Tibet“ von Walter Exners Jugendfreund Heinrich Harrer mit mehr als 10 000 Besuchern.

1965: Verlegung nach Bad Wildungen

Trotz der Erfolge kommt schließlich der Schlussstrich in Frankenau. Die Miete für die Räume steigt, gleichzeitig wirbt Bad Wildungen um die Ausstellung. 1965 verlegen die Exners ihr Institut in die Badestadt. Auch dort ist das Museum ein Besuchermagnet - doch 1977 kommt das Aus: Der Bau neuer Räume, laut Lisl Exner lange versprochen, verzögert sich immer weiter - die alten werden zum Seniorenheim umgebaut.

Geballtes Wissen in 13000 Büchern

Die Kultur und die Kunst Asiens den Menschen näher zu bringen - das ist Lisl Exner auch heute noch eine Herzensangelegenheit. Die Faszination Ferner Osten habe sie nie losgelassen, erzählte die 85-Jährige.

Seit dem Tod ihres Mannes Walter Exner im Jahr 2003 kümmert sie sich um die gemeinsame Asienbibliothek mit 13 000 Bänden - Bücher über China, Japan, Tibet und andere Länder. Womöglich findet daran einmal die Enkelin Interesse - das Kind der Tochter von Lisl und Walter Exner, die in München wohnt.

Von der einst umfangreichen Kunstsammlung sind Lisl Exner nur noch wenige Stücke geblieben. Die meisten hat das Ehepaar bereits Ende der 70er-Jahre nach der Schließung des Museums in Bad Wildungen verkauft. Für den Erlös erwarben sie ein Haus in der Kurstadt. Dies ist immer noch ein Anlaufpunkt für Asienkenner, die auch schon mal in der Bibliothek stöbern dürfen.

Die Exners hatten im Laufe ihrer Arbeit Freundschaften in alle Welt geknüpft. Davon zeugt ein umfangreiches Gästebuch, in dem sich auch der Bruder des Dalai Lama, Thubten Jigme Norgu, und Heinrich Harrer verewigt haben. Mit Harrer stand die Familie Exner bis zu dessen Tod im Januar in Kontakt.

Von Matthias Müller (HNA, 19.4.2006)