Aschrott

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Sigmund Aschrott

Geboren am 14. Juni 1826 als Sohn des Industriellen Herz Seligman Aschrott, Betreibers eines Leinengeschäfts in Kassel, zog er mit seiner Familie nach Kassel, als er 12 Jahre alt war. Er starb im Jahre 1915 in Berlin.

Firma Aschrott

Der Sohn jüdischer Eltern trat in die Fußstapfen seines Vaters und hatte so einen großen Erfolg als Unternehmer, dass er das Geschäft zur Weltgeltung führte.

Der "Vater der Kasseler Textilindustrie" ließ in den Dörfern um Kassel Webstühle aufstellen und die Lohnweber fertigten für ihn die Stoffe. Aus der Firma ging auch die Firma Fröhlich & Wolff hervor, als zwei Firmenmitarbeiter eine eigene Weberei für Segeltuche eröffneten.

Vorderer Westen

Ab 1860 begann er im Westen Kassels zwischen dem Ständeplatz und der Querallee Grundstücke zu kaufen. Er schaffte einen neuen Vorderen Westen, den es ohne ihn heute nicht gäbe, indem er für eine hohe Lebensqualität sorgte, ohne Industriebetriebe, Lärm, Qualm und üble Gerüche.

Im neuen Viertel entstanden Wohnungen, Alleen, Grünanlagen, Vorgärten. Der Gründer des Quartiers fand damals den Mut zu riskieren und investieren um den Menschen einen neuen, qualitativen Lebensstil zu verschaffen, ohne jede Unterstützung der Kasseler Stadtverwaltung. Die entstandene Bausubstanz wurde durch die Bomben des 2. Weltkriegs nicht zerstört.

Grundstücke für die Advents- und Rosenkranzkirche

Sigmund Aschrott stiftete die Grundstücke für die Advents- und Rosenkranzkirche sowie die englische Kirche an der Murhardstrasse. Er schenkte Kassel 1911 den Florapark und ein großes Grundstück für den Erweiterungsbau des Diakonissenhauses. Der Aschrott-Park wurde nach ihm benannt.

Die Stadt Kassel hatte dem Vater der Textilindustrie sehr viel zu verdanken, trotzdem bot ihm kein Ehrenamt an. Aus diesem Grund verließ Sigmund Aschrott Kassel und ging nach Berlin, wo er 1907 zum Geheimen Kommerzienrat ernannt wurde und mit 89 Jahren am 5. Mai 1915 auch starb. Er liegt auf dem großen jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee begraben.

Im Westen was Neues

Die Kasseler Altstadt war längst an ihre Grenzen gestoßen, als Sigmund Aschrott anfing, das damalige Hohenzollernviertel zu erschließen. Ein mutiger Schritt, denn Unterstützung der Kasseler Stadtverwaltung gab es zunächst nicht. Dort sah man in erster Linie das finanzielle Risiko und nicht die städtebaulichen Möglichkeiten eines neuen Wohnviertels.

Ab 1860 kaufte Aschrott zwischen Ständeplatz und Querallee im großen Stil Grundstücke. Für einige Bauern war das ein Glücksfall. Sie bekamen für ihre Äcker und Wiesen ein kleines Vermögen und konnten sich plötzlich eine der stattlichen Villen in dem neuen Viertel leisten. Daneben entstanden repräsentative Wohnungen mit hohen, lichtdurchfluteten Räumen. Grünanlagen, Vorgärten, Alleen und begrünte Plätze sollten für eine hohe Wohnqualität sorgen. Keine Industriebetriebe und kein Gewerbe, das Lärm, Qualm oder üblen Geruch verursacht, so waren die Vorgaben. Kein Wunder, dass das Hohenzollernviertel schnell zu einem ausgesprochen begehrten Quartier wurde und die Grundstückspreise deutlich anstiegen. Davon hat Aschrott profitiert. Das unternehmerische Risiko hatte sich gelohnt.

Doch bereits zu Lebzeiten rief Sigmund Aschrott auch Kritiker auf den Plan, die ihn als Spekulanten bezeichneten. Die Nazis starteten später eine regelrechte Hetzkampagne. Für sie war Aschrott der Inbegriff eines reichen Juden, der sein Geld dubiosen Machenschaften verdankte. Auf dem Höhepunkt des geschürten Hasses demolierten die braunen Horden den von Aschrott gestifteten Brunnen vor dem Kasseler Rathaus.

Die Lebensleistung des erfolgreichen und visionären Unternehmers konnte dieser Akt der Zerstörung nicht schmälern. Er ist der Gründer des Vorderen Westens, dessen Planung und Erschließung er auf eigenes Risiko betrieben hat. Das hat sich nicht nur für Sigmund Aschrott rentiert. Er schenkte 1911 der Stadt den Florapark, damit dort die Stadthalle gebaut werden konnte. Und er stiftete die Grundstücke für die Advents- und Rosenkranzkirche jetzt St. Maria (Rosenkranzkirche) sowie die englische Kirche an der Murhardstraße. Das Diakonissenhaus verdankt ihm ein großes Grundstück für einen Erweiterungsbau, und der Aschrott-Park trägt seinen Namen. Die Lebensqualität im Vorderen Westen konnten selbst die Bomben des 2. Weltkriegs nicht zerstören. Die Zeugnisse der Lebensleistung Aschrotts sind immer noch sichtbar, die Stadt verdankt seinem unternehmerischen Mut eines seiner schönsten Quartiere.

siehe auch