Aschau

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Die bekannteste wüstgefallene Ortschaft im Westerhöfer Wald ist ohne Zweifel Aschau. Als frühester Beleg wird eine Urkunde aus dem Jahr 1055 angegeben, in der über den Zehnten von Asca berichtet wird. Es handelt sich um die Gründungsurkunde des St. Petri-Stiftes zu Nörten-Hardenberg. Die Wissenschaftler sind sich jedoch noch nicht einig, ob es sich in diesem Fall um das Dorf Aschau im Westerhöfer Wald, oder um das Dorf Asche bei Hardegsen handelt.

In den folgenden Jahrhunderten wird Aschau in Urkunden immer wieder erwähnt:

1299 ist Johannes de Aschoe Zeuge in einer Urkunde der v. Oldershausen

1313 erscheint in einer Urkunde der v. Oldershausen Theodoriki de Asschowe, Bürger zu Osterode

1343 wird Gheringus de Asschowe Bürger zu Northeim

1360 werden die v. Oldershausen vom Stift Gandersheim mit dem halben Dorfe Asschowe nebst dem halben Zehnten daselbst belehnt

1376 wird die Wallfahrtskapelle Maria Virginis zu Asschowe nach ihrer Zerstörung wieder aufgebaut (endgültig erfolgt ihre Zerstörung 1514)

1501 belehnt das Stift Gandersheim erneut die v. Oldershausen mit dem halben Dorf Asschowe und dem halben Zehnten daselbst


Kapelle: Maria Virginis zu Asschowe, (Rekonstruktion) - Zchng. Klaus Haase
Obwohl die Kapelle Maria Virginis zu Asschowe eindeutig lokalisiert wurde, ist die Ortslage des Dorfes Aschau noch nicht zu belegen. Die Vermutungen gehen von dem bekannten Kirchplatz bis hin zum westlichen Rand des ehemaligen großen Westerhöfer Teiches unterhalb des Predigtstuhls.

Von den vielen vorgeschlagenen Lokalisationen kommt wahrscheinlich nur die in unmittelbarer Nähe des bekannten Kapellenplatzes gelegene in Frage, wobei der östliche Bereich ausgeschlossen werden kann. Östlich der Kapelle befindet sich der heutige Forstort „Die alten Teiche“. Die Teiche waren 1784 nicht mehr vorhanden (Kurhannoversche Landesaufnahme, Blatt 143 - Osterode), wurden aber im Westerhöfer Lagerbuch 1595 eindeutig beschrieben (siehe Westerhöfer Jahrbuch 1995/96). Einige Teichdämme sind noch erhalten und können in der Landschaft entdeckt werden. Auch die Niederung des Sägemühlenbaches ist für die Anlage einer Siedlung völlig ungeeignet, da diese sehr feucht und teilweise versumpft ist.

Völlig andere Verhältnisse findet man westlich und südlich der Kapellenruine. Auch die Funde an Scherben und Hüttenlehm weisen eindeutig auf die Nähe einer ehemaligen Ortslage hin. Unmittelbar in der Nähe der Kapellenruine lief südlich eine ehemalige Ortsverbindung zwischen Lagershausen und Kosmannsdorf entlang, von der heute noch ein ca. 1,8 m tiefer Hohlweg zeugt.

Die Grundmauern der Kapelle Maria Virginis zu Aschau sind noch erhalten. Etwa 1930 Jahren wurden Lage und Zustand der Ruine wie folgt geschildert: Die Grundmauern der letzteren (Kapelle zu Aschowe) liegen an der alten Fahrstraße von Lagershausen nach Westerhof, 70 m vom nächsten Wassergraben mit dem Auespring entfernt. Das Gemäuer liegt in der Ost-West-Richtung, ist 9 m lang und 6 m breit mit einer Apsis im Osten für den Altarraum. Das Fundament erhebt sich am Westeingang noch etwa 1,5 m über den Erdboden. Es besteht aus Kalkstein und Sandstein. Alte Dachziegel von der Mandelbecker Ziegelei liegen im Brombeer- und Himbeergestrüpp. Von weitem sieht die Stelle aus wie ein Hühnengrab und wurde auch lange Zeit für ein solches gehalten.

Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden die Reste der Kapelle einer genauen Untersuchung unterzogen:


Inventarisationsbericht

Die Ruine der St. Marien-Kapelle in der Aschau von 1376 (Baubefund vom 1.5.1976). Lage: I Höhe über NN: + 175 m II Koordinaten: r. 43 58 150 h. 57 35 500 Um dem Inventarisationsbericht über die Aschauer Kapellenruine die richtige Perspektive zu geben, scheint es notwendig, ihre örtliche Lage genauer zu betrachten. Die Ruine liegt im Distrikt 98 der Mandelbecker Klosterforst. Etwa 25 m östlich der Ruine verläuft die Grenze zur Oldershäuser Gutsforst. Die Kapelle selbst liegt auf einem Hügel, der gerade den notwendigen Raum bietet und von etwa 60 - 80jährigen Fichten bestanden ist, die dem Ort heute Ruhe und Geborgenheit geben. Die Kapellenruine liegt in der Gabelung mehrerer Hohlwegtrassen, die offensichtlich älter sind als die Kapelle selbst; denn bei den Untersuchungen wurde deutlich, daß der Kapellenhügel aus Schwemmlöß besteht, der aus den Hohlwegen ausgewaschen und hier abgelagert wurde.

Die bauliche Substanz der Kapelle selbst ist oberirdisch fast völlig abgetragen, bzw. fast völlig zerstört, was sowohl auf Steinraub, als auch auf Witterungseinflüsse und die zerstörende Wirkung von Baumwurzeln zurückzuführen ist. Die im Erdreich noch erhaltenen Mauerteile sind als „hammergerechtes Schichtmauerwerk“ zu bezeichnen, wobei sich jedoch der Vergleich mit einem simplen Feldsteingemäuer aufdrängt. Das Fluchtmauerwerk ist überwiegend aus Kalksteinen gesetzt, die hauptsächlich aus Lesesteinen bestehen dürften, zumindest aber als oberflächennahes Gestein gebrochen wurden, wie ihre unscharfen Kanten erkennen lassen. Die Eckquader sind dagen aus relativ sauber gearbeiteten Rotsandsteinen gefertigt und „locker überbeilt“. Im Füllmauerwerk, die Wände haben durchgehend eine gleichbleibende Stärke von 90 cm, finden sich neben Kalk- und Sandsteinabfällen auch Tuffsteinknollen, die wie die Kalk- und Sandsteine aus der näheren Umgebung (Sägemühlen-bach) stammen dürften. Das Mauerwerk ist bis auf die Fundamentsohle „zweihäuptig“ gemauert. Das Fundament hat eine außen umlaufende Bankettverbreiterung von 8 cm und ist , dem Höhenunterschied des Geländes folgend, stufenförmig abgesetzt. Als Mörtel ist ein sattgelber Lehm verwendet worden, dessen hohe Frostempfindlichkeit, nach der Zerstörung des Kapellendaches, den Verfall des Mauerwerks wesentlich beschleunigt haben.

Der genau in der Mitte des Westgiebels freigelegte Kapelleneingang ist in seinen Leibungen, bzw. Gewänden durch Steinraub bis auf das Fundament zerstört worden, so daß die genauen Türmaße nicht mehr zu ermitteln sind; jedoch kann eine lichte Weite von 1,20 bis 1,30 m für die Tür angenommen werden. Bemerkenswert ist hier ein Kalkmörtel, dem roter Sand als Zuschlagsstoff beigefügt wurde. Eine Mörtelung war hier offenbar aus statischen Gründen notwendig, um den Türleibungen, insbesondere aber dem Türsturz die nötige Festigkeit zu geben.

Im Schutt des Altarbereichs (Ostseite) fanden sich Gipsmörtelreste, die zunächst als Verstreichmasse des Dachfirstes angesehen wurden, bei genauerer Untersuchung jedoch als Mörtelung eines Altarpodests eingeordnet werden konnten, da ihre plattige Form eindeutig auf Mauerwerksverfugungen hinwies. Ein Verputz oder eine Verfugung des Kapellenmauerwerks mit Mörtel war nirgends zu erkennen. Man wird sich vermutlich mit einer schlichten Kalktünchung des Kapelleninnenraumes begnügt haben, die aber zwischenzeitlich restlos verwittert ist. Abschließend sei zum vorbeschriebenen Mauerwerk noch das Urteil erlaubt, daß trotz teilweise mangelhafter Qualität des verwendeten Materials den Bauleuten ein hohes Maß an handwerklicher Sorgfalt nicht abgesprochen werden kann. Ganz besondere Beachtung verdient die präzise West- Ost-Einfluchtung des Gebäudes, ein Umstand, der wohl auf die Mitwirkung eines klösterlichen Bauhofes schließen läßt.

Die im Kapellenbereich aufgelesenen zahlreichen Ziegelbruchstücke lassen erkennen, daß das Bauwerk mit einem „Hartdach“ versehen war. (Anmerkung: zur mittelalterlichen Ortschaft Mandelbeck gehörte auch eine Ziegelei, deren letzte Reste um 1965 bei der Anlage eines Teiches beseitigt wurden.) Der Typ der beim Kapellendach verwendeten Dachziegel konnte eindeutig als „linkskrempige Flachpfanne“ identifiziert werden. Da sich außerdem noch First- und Bordziegelreste fanden, hatte die Kapelle ohne Zweifel ein Satteldach. Für das Vorhandensein eines einstigen Glockenturms oder Dachreiters ließen sich keine Hinweise entdecken. (Schwingungsbelastungen, selbst einer kleiner Glocke, dürften dem wenig stabilen Mauerwerk auch kaum zumutbar gewesen sein.)

Ein durch die Kirchentür angelegter Grabungsschnitt zielte u.a. darauf ab, die Beschaffenheit des ehemaligen Kirchenfußbodens festzustellen. Hierbei konnte ein gutes Bodenprofil gewonnen werden, das eine starke Lage „Stampflehm“ als Fußboden aufwieß, der von einer ca. 4 cm dicken , offenbar eingetretenen Kulturschicht überlagert war, in der sich zahlreiche kleine Holzkohlenstückchen befanden. Außerdem wurden aus dieser Schicht die Scherben einer irdenen, blaubemalten Feldflasche geborgen, die sich fast vollständig wieder zusammensetzen ließ.

Besondere Beachtung findet die Tatsache, daß im ostwärtigen Teil des Kapelleninneren, also im Bereich des Altars, irgendwann eine größere Grabung durchgeführt worden sein muß; denn dort zeigte sich eine Störung im Erdreich, die bis zu 1,20 m unter die dortige Fundamentsohle reichte. Weil sich hier jedoch keinerlei Anzeichen für das frühere Vorhandensein einer Gruft oder einer sonstigen Grabanlage fanden, muß Schatz- oder Raubgräberei vermutet werden. Nachzutragen bleiben noch die ermittelten Außenmaße der Kapelle Maria Virginis in der Aschau: Länge 7,80 m; Breite 6,80 m.


Quellen (Verwendete Literatur):

Kühlhorn, Erhard Orts- und Wüstungsnamen in Südniedersachsen, Heimat- und Museumsverein für Northeim und Umgebung, Verlag Paul Hahnwald, Northeim, 1964

Kühlhorn, Erhard Die mittelalterlichen Wüstungen in Südniedersachsen, Band 1 A - E, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld, 1994, ISBN 3-89534-131-2

Upmeyer, Dietrich Die Herren von Oldershausen und die Herausbildung des Gerichts Westerhof, August Lax Verlagsbuchhandlung, Hildesheim 1977 ISBN 3-7848-3640-2

Biegel, Gerd Herzöge, Revolution und Nierentisch, 1200 Jahre Braunschweigische Landesgeschichte, Braunschweigisches Landesmuseum, Joh. Heinr. Meyer Verlag, Braunschweig 1992, ISBN 3-927 939-14-5

Phillipps, A. Die Aschau-Kapellen bei Westerhof und Mandelbeck, Veröffentlichung in „Heimatblätter des Museumsverein für Northeim und Umgebung. e.V.“, September 1932

Binnewies, Werner Die beiden Aschau-Kapellen zwischen Westerhof und Mandelbeck, Veröffentlichung im „Osteroder Kreisanzeiger“ - Unter dem Harze Nr. 895 am 18.12.1976

Anding, Edwin Gab es ein Dorf Aschau bei Westerhof? Veröffentlichung im „Osteroder Kreisanzeiger“ - Unter dem Harze Nr. 896 am 24.12.1976

Ehlert, Sabine Böneckenhausen und Aschau: zwei verschwundene Siedlungen, Veröffentlichung im „Gandersheimer Kreisblatt“ - Altämter Heimatanzeiger im Juli 1983

Bredthauer, Horst Westerhöfer Jahrbuch 1997: Die Wüstungen im Westerhöfer Wald – Selbstverlag: Heimatverein Westerhof