Asch

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Die Romantik eines Waldsees

Barocke Strenge hier, romantische Verspieltheit dort - Bis sich die Gegensätze zu einem harmonischen Gesamtkunstwerk Bergpark Wilhelmshöhe fügten, musste eine Zeit der Unentschlossenheit überwunden werden.

Der Asch
Unter Landgraf Karl hatte es für den nach ihm benannten Karlsberg mit Oktogon und Kaskaden ein Gesamtkonzept gegeben. Friedrich II. ließ zwar ab 1760 den damals noch bestehenden Wald zwischen Kaskaden und Schloss Weißenstein parkartig gestalten (unter ihm wurde die große Fontäne angelegt), und doch gab es ein Nebeneinander nicht zusammen- passender Stilelemente alter und neuer Epoche. Erst Landgraf Wilhelm IX. (regierte ab 1785) ließ den Park nach englischem Vorbild umgestalten. Dabei halfen ihm Experten wie Gartendirektor Daniel August Schwarzkopf, Architekt Heinrich Christoph Jussow und Wasserkunst- und Brunneninspektor Karl Friedrich Steinhofer. Letzterem übertrug der Regent die Aufgabe, eine Szenerie der Wasserkunst in den romantischen Park zu legen, wie Hermann Mielke, Chef der Parkverwaltung sagt. Dazu brauchte man mehr Wasser, als bisher vom Essigberg ausgehend bis Richtung Oktogon gesammelt und geleitet wurde.

In den Zechen des Habichtswaldes fiel jede Menge Grubenwasser an. Ein bis heute nicht versiegender Quell. Aus dem noch immer vorhandenen, aber zugesperrten Eingang der Zeche Herkules im Bereich der Krähhahnstraße fließt ein klares, eisenhaltiges Wasser zu jeder Jahreszeit. Diesen Umstand nutzte schon Wilhelm IX., ließ das Wasser über den zunächst als geschlossene, dann offene Verbindung gebauten Aschgraben in einen Waldsee laufen. Der so genannte Asch, mundartlich für Topf, wurde ab 1785 künstlich als Reservoire seitlich der Hauptachse des Parks angelegt. Dennoch wirkt er - in den Habichtshang integriert, im Wald eingebettet - natürlich, vermittelt die romantische Szenerie eines Waldsees. Eine Insel ist ebenso Bestandteil des Konzeptes wie geschwungene Uferbereiche und Ausbuchtungen.

Laut Mielke gehörte nach alten Plänen eine Wiesenlichtung zum Erscheinungsbild der Szenerie. Diese gibt es nicht mehr, Büsche und Bäume haben diesen Bereich längst zurückerobert. Mit dem im Asch gesammelten Nass hatte der Landgraf Großes vor. Ein rauschender Wasserfall sollte in der Wolfsschlucht unterhalb der Löwenburg ein stimmungsvolles Bild schaffen. Von eigener Hand skizzierte der hohe Herr seine Vorstellungen samt Brücke über die abstürzenden Fluten. Allein, daraus wurde außer einigen Gemälden samt Löwenburg und Brücke nichts. "Ich vermute", sagt Mielke, "dass mit diesem Wasserfall der Rest der Wasserkünste im Park samt Teufelsbrücke, Aquädukt und Fontäne nicht mehr zu betreiben gewesen wäre."

Fakt ist, Steinhofer baute an anderer Stelle seinen Wasserfall, der in der Abfolge der anderen Attraktionen liegt und somit auf dem Weg des fließenden Elements. Zurück zum Asch, der einen Spaziergang lohnt und noch immer zum Verweilen einlädt. Das Wasserreservoire mit seinem ständigen Zulauf aus der Zeche Herkules speist im Überlauf den Pfaffenteich. Unter einer kleinen Holzbrücke hindurch rauscht das Wasser in einen offenen Bach, auch wenn die Wasserkünste nicht laufen.