Artilleriestraße

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Die Artilleriestraße liegt über dem alten Flussbett der Ahna

Kassel 1930: Die zum Zeitpunkt dieser Aufnahme 100 Jahre alte Artilleriestraße war damals die breiteste Straße der Stadt. Foto: STADTMUSEUM/NH
Vor Jahrhunderten floss hier die Ahna noch in ihrem selbst gegrabenen Bett. Am Fuß des Mönchebergs entlang in Richtung Fulda. Die spätere Artilleriestraße liegt geradezu auf dem alten Flusslauf - ebenso wie Packhofstraße und Zeughaus. Die Ahna mündete etwa beim späteren Polizeipräsidium am Altmarkt in die Fulda. Im Unterlauf umspülte sie eine Nebenanhöhe des Mönchebergs, den Ahnaberg.

Hier hatten Mitte des 12. Jahrhunderts Augustiner-Nonnen ein Kloster gegründet.

Die Ahna wurde umgeleitet - vor der alten Stadtbefestigung vorbei bis zu ihrer neuen Mündung in die Fulda in der Nähe vom Finkenherd. Dann kam die Reformation nach Hessen. Und das Kloster Ahnaberg wurde 1527 weltlichen Zwecken zugeführt. Es beherbergte Pferdeställe und ein Fruchtmagazin, ehe es 1763 fürs Militär hergerichtet wurde. Erst zog die landgräfliche Leibwache Garde du Corps in die Klosterkaserne, gefolgt von der Artillerie. Denn 1787 hatte Hessen-Kassel erstmals ein selbstständiges Artillerie-Regiment. Hier lagen aber auch die westfälische Garde, die hessischen Husaren und der preußische Train.

Artilleriestrasse grafik.gif
Lange zuvor, nämlich von 1581 bis 1605, hatte Landgraf Wilhelm IV. für seine Artillerie bereits das gewaltige Zeughaus bauen lassen. Dank der Inschrift auf einem Gedenkstein vor diesem Zeughaus wissen wir, dass die Artilleriestraße 1829 entstand. Gegründet von Kurfürst Wilhelm II., der eine neue und geschlossene Artillerie-Unterkunft auf diesem Gelände wollte.

Er ließ Häuser und Gärten westlich vom Zeughaus kaufen und teilweise beseitigen. Eine neue Straße entstand: die Artilleriestraße, die zur damaligen Zeit noch Neue Straße hieß.

Aus dem wüsten Kasernenkomplex wurde eine weitläufige Anlage im Empirestil. Eine neue Artilleriekaserne des Baumeisters Johann Conrad Bromeis, ein imposanter Dreiflügelbau auf dem Grund und Boden des alten Klosters Ahnaberg und in unmittelbarer Nachbarschaft des Zeughauses. 1832 war die Kaserne fertig.

Doch die Bomben, die im Zweiten Weltkrieg auf Kassel fielen, ließen in diesem Bereich nichts übrig. Das Areal, auf dem einst das Militär den Ton angab, ist heute Berufsschulgelände. Max-Eyth- und Oskar-von-Miller-Schule folgten auf Kloster und Kaserne.

Die Artilleriestraße über dem alten Ahnabett reicht heute vom Töpfenmarkt bis zur Kurt-Wolters-Straße - und nicht mehr wie früher bis zur Bremer Straße.