Aquädukt

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Aquädukt im Bergpark Kassel- Wilhelmshöhe

Das Aquädukt ist ein historischer Bau, der 1792 unter Leitung von Heinrich Christoph Jussow errichtet worden ist. Er befindet sich im Bergpark Wilhelmshöhe und wird noch heute für von Mai bis Oktober stattfindenden Kasseler Wasserspiele genutzt.


Allgemein

Ein Aquädukt ist ein Bauwerk, das ursprünglich dem Transport von Wasser diente. Das Wort Aquädukt setzt sich aus den lateinischen Begriffen "aqua" (Wasser)und "ducere" (führen) zusammen und bedeutet Wasserleitung. Aquädukte werden für gewöhnlich mit der römischen Baukunst assoziiert. Allerdings nutzten bereits die alten Griechen Aquädukte, um ihr Waser zu transportieren. Vorläufer der Aquädukte waren die iranischen Qanate. Auch im alten Ägypten sollen Aquädukte genutzt worden sein.

Geschichte des Kasseler Aquädukts

Idee

Landgraf Wilhelm IX. hatte es sich Ende des 18. Jahrhunderts als Ziel genommen, den Bergpark Wilhelmshöhe baulich umzugestalten. Die antike Bauweise wurde ersetzt durch die Einflüsse des Mittelalters und der Romantik. Die von Heinrich Christoph Jussow entworfene Teufelsbrücke und die von ihm geplante Löwenburg zeugen noch heute von Wilhelms Vorstellungen eines mittelalterlichen Parks. Mit dem Aquädukt verband Wilhelm eine Brücke zur antiken Welt des Herkules. Das Bauwerk sollte ein Verbindungsprojekt zwischen Kaskaden und Fontänenteich werden. Als Vorbild wurde die römische Wasserleitung "Via Appia" genutzt. Allerdings hatte das Aquädukt nie den realen Sinn einer Wasserleitung zu erfüllen. Es galt viel mehr als spektakuläres Kunstwerk, welches sich an den Dimensionen des Herkules und der Löwenburg orientierte. Wilhelm wünschte sich, mit dem Bauwerk die antiken mit den romantischen und mittelalterlichen Elementen zu verbinden. Daher schuf Jussow eine künstliche Ruine, die bewusst verfallen aussehen sollte. Aufgrund der römischen Bauweise wollte man an das Römische Reich und seine Fortschrittlichkeit erinnern. Zugleich sollte die Ruine das romantischen Ideal von Natürlichkeit verstärken.Ursprünglich war ein Gegenstück auf Apolloberg geplant gewesen. Durch das fehlende Zwischenstück sollte die Vergänglichkeit der Natur zum Ausdruck gebracht werden. Allerdings wurde diese Maßnahme nie umgesetzt.

Bau und Entwicklung

Das Äquadukt wurde von 1788 bis 1792 unter Leitung von Heinrich Christoph Jussow erbaut. Wegen Nachgründungen im sandigen Untergrund geriet der Bau zwischenzeitlich ins Stocken. Von größeren Kriegsschäden blieb das Bauwerk verchont.

Bauweise

Das Aquädukt hat 14 Bögen. Danach bricht das Kunstwerk plötzlich ab. Nach dem 14. Bogen bricht das Bauwerk ab. Das ankommende Wasser fällt hier 43 Meter in die Tiefe, auf die dort liegenden Trümmer der Wasserleitung, die den Anschein haben als seien sie von einem ehemals intakten Bau hinabgestürzt. Dadurch wird ein theatralischer Effekt erzielt, der bis heute die Besucher der Wasserspiele fasziniert.

Verstärkt wird die Wirkung eines Theaters durch die Felspartien, die rund um das Bauwerk angelegt sind. Am Fuß des Äqudakutes verbindet sich das Wasser der historischen Leitung mit dem eines kleines Teichs. Der Ruinenbau war zur Entstehungszeit des Aquäduktes modern. Neben dem römischen Original wurden auch die Aquädukte in Frankreich als Vorbilder genutzt. Über die Peneuskaskaden fließt das Wasser am Jussowtempel vorbei in den Fontänenteich. Speziell die Wasserrinne ist durch die ständige Wechselwirkung von Feuchtigkeit und Trockenheit, Wärme und Kälte harten äußeren Einflüssen ausgesetzt. Diese führen zu Rissen und ohne eine regelmäßige Sanierung besteht die Gefahr, dass die Wasserkraft die Tuffsteine angreift und letztlich das Gebäude sprengt. Regelmäßig stellt sich die Frage nach dem Dichtungsmaterial. Ein Optimum gibt es bisher nicht, sodass regelmäßige Sanierungen unumgägnlich sind.

Theatralische Wirkung

Dem Aquädukt wird eine theatralische Wirkung nachgesagt, wobei unsicher bleibt, ob dieser Effekt von Wilhelm gewollt war. Das Aquädukt selbst gestaltet sich als Bühne, ebenso die künstlich angelegten Felsen. Diese Bühne wird mit einem tosenden Wasserfall bespielt, die Felsen zusätzlich mit rauschendem Nass umspült. Es stellt eine Szene mit zwei Rollen dar, denn die Zuläufe kommen aus unterschiedlichen Richtungen. Das Wasser am Fuß des Aquädukts wird aus einem kleinen Teich jenseits der Straße gespeist. Das Wasser, das 43 Meter in die Tiefe stürzt, kommt hingegen von Teufelsbrücke und Höllenteich. Läuft von dort über im Wald versteckte, romantische Kaskaden, ehe es in einer Zulaufrinne auf das Bauwerk geleitet wird. Wie im Theater geht es um den Schein, nicht um einen tatsächlich maroden Zustand. Verstärkt worden wäre die Wirkung durch das geplante, aber nie vollende, parallele Aquädukt nahe des Apollotempels.

Aquädukt und Wasserspiele

Aquädukt während der beleuchteten Wasserspiele

In den Sommermonaten finden zweimal in der Woche die Wasserspiele statt (auch Wasserkünste genannt) bei denen etwa 1200 Kubikmeter Wasser pro Stunde über verschiedene Stationen ins Tal fließen. Der Lauf des Wassers ist dabei so angelegt, dass die Besucher ihm folgen können. Die Spiele beginnen am Herkules. Dort gibt es kleinere Fontänen und Stufen. Anschließend fließt das Wasser über Kaskaden hinunter ins Neptun-Bassin. Danach geht es weiter zum Steinhöfer Wasserfall, ehe das das Wasser an einem Wasserfall unter der Teufelsbrücke hindurch tost. Anschließend gelangt es zum Aquädukt. Vom Aquädukt stürzt das Wasser über die Peneuskaskaden, teilt sich am Freundschafts-, auch Apollotempel genannt und läuft in den Fontänenteich. Fällt die 52 m hohe Fontäne, die über eine direkte Leitung aus dem Fontänenreservoire gespeist wird, in sich zusammen, sind für die Besucher im Park die Wasserkünste beendet. Dabei gibt es genaugenommen ein Nachspiel. Schließlich werden die rund 700 Kubikmeter Wasser für barocke und romantische Wasserspiele nicht wieder Richtung Herkules gepumpt, sie fließen also weiter. Und zwar als ruhiger Wasserlauf über den Seearm im Süden des Fontänenteichs, dann über kleine Kaskaden, unter Brücken an Inseln wie die Roseninsel vorbei durch das Tal der Flora zum Lac.

Auf dieser Strecke befinden sich die Jussow-Kaskaden oder auch der Jussowsche Wasserfall. Der besteht aus Quarzsteinen und nicht aus Tuff oder Basalt wie sonst im Park verbaut. Die Quarzsteine, gespresste Sande, haben eine weiße Grundstruktur. Sie kommen an der Südseite des Schlosses vor und gaben dem Weißenstein-Flügel oder auch der ersten Rosenzüchtung 1777 Perle vom Weißenstein den Namen.

Auch der Lac ist nicht Endstation des nassen Elementes der Künste, sondern ebenso Durchlaufstation. Völlig unromantisch verlässt es den Bergpark am Beginn der Wilhelmshöher Allee im Kanalnetz der Stadt Richtung Kleine Fulda der Karlsaue und Fulda.

siehe auch

Weblinks und Quellen