Apfelbäume für die documenta

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Der amerikanische Künstler Jimmie Durham, der dem Indianervolk der Cherokee angehört, hat gestern Vormittag in der Kasseler Karlsaue zwei Apfelbäume gepflanzt - tatkräftig unterstützt von Carolyn Christov-Bakargiev, der künstlerischen Leiterin der documenta 13, und Michael Boßdorf, Leiter der staatlichen Gartenanlagen der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK).

Gesetzt wurden in dem durch eine Hecke von der Karlswiese abgetrennten Areal zur Fulda hin, dem so genannten „Kirschgarten“, zwei Sorten: ein Korbiniansapfel (siehe Hintergrund) und ein „Arkansas Black Apple Tree“. Durham hatte der documenta-Leiterin beim Spaziergang in der Aue von Kindheitserinnerungen an diesen fruchtigen Apfel mit schwarzer Schale erzählt.

Michael Boßdorf berichtete, dass in der Aue immer Obstbäume ihren Platz gehabt hätten, deshalb entsprächen die Bäumchen - die neben einer alten, fast abgestorbenen Birne gepflanzt wurden - durchaus den Zielen der Gartendenkmalpflege. Die Zusammenarbeit mit dem documenta-Team nannte Boßdorf „wunderbar“. Und die ist intensiv, wird doch die Karlsaue einer der Hauptschauplätze der documenta 13. Darauf sollen die bislang unscheinbaren Apfelbäume ebenso hinweisen wie auf ihren „Geist“, betonte Christov-Bakargiev: ihre ökologische Perspektive. Einbezogen werden Wissensgebiete, die zunächst mit Kunst nichts zu tun zu haben scheinen. Das soll den Tieren und Pflanzen Aufmerksamkeit schenken, mit denen Menschen die Erde teilen, und ein Bewusstsein schaffen für den notwendigen Schutz der Artenvielfalt.

Christov-Bakargiev nannte den Apfelbaum selbst Sinnbild der documenta. Zwar sehe man vordergründig nur Stamm, Äste, Blätter und Früchte. Entscheidend sei aber das Zusammenspiel von Wasser, Licht und Nährstoffen, das ihn über die Wurzeln am Leben halte, neues Leben ermögliche. Auf solche Weise Energie miteinander zu teilen und zu verwandeln - darin sieht die documenta-Leiterin einen der „intellektuellen Funken“ der Ausstellung. Dass Geschichte und Symbolkraft von Gärten aktuelle Themen der Kunst sind, zeigte gerade auch ein Festival der Londoner Serpentine Gallery.

Kurator Hans Ulbricht Obrist hatte vor zehn Tagen zwei Dutzend Künstler, Architekten und Wissenschaftler zu Vorträgen bei einem „Garden Marathon“ eingeladen, darunter den neuen Rektor der Kasseler Kunsthochschule, Christian Philipp Müller. In Kassel verweist jede künstlerische Baumpflanzung natürlich auf Joseph Beuys’ Aktion „7000 Eichen“ bei der documenta 1982. Christov-Bakargiev hatte voriges Jahr bereits den Italiener Giuseppe Penone eingeladen, in der Karlsaue einen Bronzebaum aufzustellen, in dessen Geäst ein riesiger Stein ruht.[1]


Züchtung aus dem KZ-Dachau

Der bayerische Priester Korbinian Aigner (1885-1966) war wegen regimekritischer Predigten zu einer Haftstrafe in Stadelheim verurteilt worden und wurde nach deren Verbüßung ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Auf einem Rasen zwischen Baracken züchtete er Apfelsorten, die er „KZ-1“ bis „KZ-4“ nannte. Die Züchtung „KZ-3“ ist bis heute erhalten und wurde 1985 in „Korbiniansapfel“ umbenannt. Aigner widmete jede freie Minute dem Obstbau und war in Obst- und Gartenbauvereinen aktiv. Er hinterließ auch 900 Zeichnungen von Äpfeln und Birnen.

Aus der HNA vom 25. Oktober 2011

Weblinks und Quellen

  1. Aus HNA.de vom 26. Oktober 2011: Apfelbäume für die documenta
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