Anna Ritter

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Es ist das Gedicht der Gedichte, die Ode an Weihnachten. "Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen!" Es stammt von einer Frau, deren Vater aus Fritzlar stammt und die in Kassel gelebt hat. Anna Ritter (1865 bis 1921) ist in aller Munde, ohne dass irgend ein Mensch von ihr redet.

Vielen Generationen von Schulkindern war das Gedicht aus dem Schulbuch vertrauter Begleiter der Weihnachtszeit. Es wurde in der Schule auswendig gelernt und am Heiligen Abend unter dem Tannenbaum vorgetragen.

Anna Ritter, geb. Nuhn, kam 1865 in Coburg auf die Welt, wo die Familie wenige Jahre lebte. Den größten Teil ihres Lebens verbrachte sie in Kassel. Der Vater, Eduard Nuhn, von Beruf Kaufmann, wurde 1830 in Fritzlar geboren. Er siedelte mit seiner Familie nach New York um, wo er ein Exportgeschäft betrieb. Als die Nuhns 1869 zurückkamen, kauften sie eine Villa auf dem Kasseler Möncheberg, auf dem Gelände des späteren Klinikums.

Hier verbracht Anna ihre Jugend. In Kassel besuchte sie die höhere Töchterschule am Ständeplatz, war zwei Jahre in einem Herrenhuter Pensionat in der französischen Schweiz, kam zurück in die Heimat und wurde in die Kasseler Gesellschaft eingeführt.

Ihr Gedicht "Der erste Ball" knüpft an dieses Erlebnis an. Sie verlobte sich 1881 – gerade mal 16 Jahre alt – mit dem Referendar und späteren Regierungsrat Rudolf Ritter, den sie 1884 heiratete.

Der frühe Tod ihres Mannes traf die junge Frau und Mutter von drei Kindern hart. Es war ein Schicksalsschlag, von dem sie sich wohl nie erholte. Anna zog mit ihren Kindern nach Frankenhausen am Kyffhäuser. Dort entdeckte sie auch ihre lyrische Begabung. In ihrem Gedicht "An mein Talent" bringt sie dies selbst zum Ausdruck:

Du bist mein nachgeboren Kind!

Als einst das Glück aus meinem Leben

Hinweggezogen, hat es dich

Als letzte Freude mir gegeben.

In späteren Jahren erinnerte sie sich voll Wehmut an ihre Zeit in Kassel: "Ich hänge mit meinem ganzen Herzen an dem Hessenland, dort habe ich meine Kindheit verlebt, auf dem Möncheberg, hoch über dem Casseler Thal, dort hat mich die Liebe gegrüßt und das Glück, mein erstes Kind ist dort geboren, und der Kasseler Friedhof hütet die Gräber derer, die mir die liebsten auf Erden gewesen sind. So bin ich Hessin dem Gefühl nach."

Einer detektivischen Spurensuche bedarf es, um in alten Zeitschriften und Büchern über sie zu lesen. August Bollerhey aus Wehren hat diese Spuren in akribischer Sammlung zusammengetragen.

Als Lyrikerin hatte sie gleich nach Erscheinen ihres ersten Bandes "Gedichte" 1898 das Interesse der Öffentlichkeit auf sich gezogen. Ungewöhnlich erfolgreich war Anna Ritter mit ihren Gedichten, die 1918 bereits in 30. Auflage erschienen. Auch der 1900 erschienene zweite Lyrikband "Befreiung" erfuhr Auflage über Auflage.

Anna Ritter wurde 1900 Redaktionsmitglied der "Gartenlaube" und zog später nach Marburg, wo sie am 31. Oktober 1921 verstarb.

Von HNA-Leserin Irmhild Georg aus Metze