Ankreuzen statt Wählen

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Ankreuzen statt Wählen - Das Führerprinzip wurde auch im kleinen Dorf Willershausen durchgesetzt

Das Führerprinzip machte auch vor Willershausen nicht Halt. Im Juli 1933 wurde der Gemeinderat um zwei auf 14 Sitze verkleinert.

Funktion der Gemeinde

Durch das neue Gemeindeverfassungsgesetz vom Dezember 1933 verlor der Ausschuss seine herkömmliche Funktion. Der Gemeindeschulze hatte das alleinige Recht, Entscheidungen zu treffen. Die anderen Gemeinderatsmitglieder hatten lediglich noch beratende Funktion. Die Amtseinsetzung des Gemeindeschulzen war nicht mehr von der Gemeindevertretung abhängig, sondern allen vom Oberpräsidenten in Hannover. Der neue Name „Gemeindeschulze“ setzte sich für das Bürgermeisteramt nicht durch. Im Mai 1934 wurde der Gemeinderat nochmals verkleinert. Er hatte nun fünf Gemeinderäte, einen Gemeindeschöffen (Beisitzer) sowie den Bürgermeister.

100 Prozent Beteiligung

Bei den Reichstagswahlen im November 1933 war eine freiwillige und geheime Wahl nicht mehr möglich. Es konnte nur Ja oder Nein angekreuzt werden - unter den Augen der Wahlleitung. „Es wird berichtet, dass einige Bürgerinnen und Bürger, die nicht zur Wahl erschienen waren, zu Hause aufgesucht und zur Stimmabgabe gezwungen wurden, auch von regelrechten Wahlfälschungen wird erzählt“, heißt es in der Festschrift von Heiko Jäckel, die 1994 erschienen ist. Folge: In Willershausen gab es eine hundertprozentige Wahlbeteiligung, bei der jeder mit Ja stimmte.

Macht der NSDAP

Wie überall übte neben dem Bürgermeister der Ortsgruppenleiter der NSDAP erhebliche Macht aus. Bis in die 1940er-Jahre hatte Karl Klügel, der auch dem Gemeinderat angehörte, dieses Amt inne. Nachdem er zum Wehrdienst eingezogen worden war, übernahm Schneider Ernst von der Straten vermutlich gegen Ende 1942 den Posten. Heiko Jäckel schreibt dazu: „Ein guter Draht zum Ortsgruppenleiter und zum Bürgermeister war besonders nach dem Ausbruch des Krieges wichtig. Beide waren einflussreich, zum Beispiel bei der Vergabe von Bezugsscheinen und der Ausstellung von so genannten Unabkömmlichkeitsbescheinigungen für wehrfähige Männer.“ (bsc)

erschienen in der HNA/Northeimer Neueste Nachrichten am 06. Februar 2008