Altstadt (Northeim)

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Der Brand 2009

Unsanft werden am 6. April 2009 viele Northeimer aus dem Schlaf gerissen. Gegen 6.30 Uhr heulen die Sirenen im Stadtgebiet auf.

Kurze Zeit später ertönen bereits viele Martinshörner – Vollalarm für die Feuerwehren. Beim Blick über die Altstadt ist sofort der Grund zu erkennen. Über der Hagenstraße steht eine riesige Rauchsäule. Auch mit der Nase merkt man die gefährliche Situation – es riecht verbrannt.

Beim Gang durch die Hagenstraße und die Obere Straße ist der Ernst der Situation sofort zu sehen. Aus vielen Strahlrohren bekämpft die Feuerwehr die Brände. Gleich mit vier Drehleitern – eine davon eigens von der Berufsfeuerwehr Göttingen angefordert – sind zur Stelle.

Viele Schaulustige

Wer sich nur einen Augenblick in der Nähe der Brandstelle aufhält, merkt es noch Stunden später. Die Kleidung hat den beißenden Brandgeruch angenommen. Da hilft nur ein Gang unter die Dusche – und frische Klamotten.

Viele Schaulustige lassen sich den Brand vor ihrer Haustür trotzdem nicht entgehen. Sie haben sich entlang der Absperrungen postiert, um alle Löschversuche genau mitzuverfolgen. Die Anwohner werden unterdessen aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten.

245 Leute bietet die Feuerwehr zur Brandbekämpfung auf. Einige waren kurzzeitig in Lebensgefahr. In letzter Minute können sie sich aus einem der brennenden Häuser in der Hagenstraße retten, dann kommt es zu einem so genannten „Flash over“: Rauchgas entzündet sich und eine Feuerwalze breitet sich explosionsartig aus.

Lange Leitung

Damit der Wasserdruck in Northeim nicht ins Bodenlose fällt und die Menschen unter ihrer Dusche nicht auf dem Trocknen sitzen, holt die Feuerwehr einen Teil des Löschwassers über eine quer durch die Stadt verlegte Schlauchleitung aus dem Rhumekanal.

Auch wenn der Brand bereits gegen 9 Uhr unter Kontrolle ist, ziehen sich die Löscharbeiten bis in die Abendstunden hin. Um der Feuerwehr Zugang zu Brandnestern im Inneren des betroffenen Häuserblocks zu ermöglichen, muss das Technische Hilfswerk eines der durch Brand zerstörten Häuser niederreißen.

Einräumen müssen die Ordnungshüter, dass eine Streifenwagenbesatzung bereits kurz vor 6 Uhr vor Ort war. Jemand hatte Brandgeruch gemeldet. Die Beamten inspizieren das Areal, riechen selbst nichts, fragen bei der Fleischerei Wolf nach, ob geräuchert werde, und fahren wieder von dannen. Eine Viertelstunde später geht dann der Notruf bei der Feuerwehr ein.

Der Brand 1892

1892 wütet ein Großbrand am Markt und macht viele Menschen obdachlos

Northeim in Flammen. Das passierte am 6. Oktober 1892. HNA-Redakteur Tibor Pézsa dokumentierte einhundert Jahre später, 1992, in den Northeimer Neuesten Nachrichten den Brandablauf aus alten Dokumenten des Stadtarchivs:

Donnerstag, nachmittags, gegen halb vier. Der Herbst ist da: Ein stürmischer Südost weht durch die engen Gassen Northeims. Die meisten Bewohner des Städtchens sind noch draußen, in Gärten und auf den Feldern. Im Gasthof Zum Stern in der Breiten Straße bereiten sich die Wanderschauspieler, die zurzeit in der Stadt für Aufsehen sorgen, auf ihre Auftritte vor.

Schauspieler türmen

Plötzlich dringt Rauch in den Gasthof. Flammen züngeln aus der anliegenden Scheune in das Haupthaus. Hals über Kopf türmen die Schauspieler. Nur wenige Minuten später schlagen die Flammen bereits lichterloh aus dem Dach. Stürmisch greift der Wind hinein.

Hektisches Hin und Her

Die ersten Spritzen, gezogen von je zwei Pferden, rasen unter Alarmgeläut herbei. Hundegebell, Rufe, hektisches Hin und Her. Schnell wird klar, dass dies kein Strohfeuer ist. Die Nachbarwehren werden alarmiert. Alle sechs Spritzen der Northeimer Pflichtfeuerwehr sind ausgerückt, die „Freiwillige“ führt ihre drei heran. Schläuche werden verkoppelt, ein heilloses Durcheinander füllt die Breite Straße. Aus den Nachbarhäusern des „Stern“ schleppen die Bewohner stolpernd ihre Möbel auf die Straßen.

23 Spritzen

Rauchfetzen wirbeln über das Häuserviertel, den Markt, um den Marktturm, durch die Stuben-, die Mühlenstraße. Ahnungsvoll schauen dort die Menschen nach oben. Binnen einer Stunde brennt das gesamte Häuserviertel. Die Breite Straße, der Marktplatz, die Düstere (heute Rathaus-) und die Braunschweiger Gasse begrenzen ein einziges Flammenmeer.

Die gesamte Marktzeile versinkt Haus für Haus unter immensem Funkenflug in Glut, Schutt und Asche.

Pausenlos rasen die Spritzenwagen aus der ganzen Region. 23 sind insgesamt im Einsatz. Vier Mann pumpen jeweils nach Kräften das Wasser durch die Schläuche. Von der Rhumemühle kommen sie, von der Klosterdomäne, der Zuckerfabrik, aus Göttingen, Moringen, Höckelheim, Nörten, aus Hammenstedt, Elvershausen, Holtensen, Wiebrechtshausen, aus Sudheim.

Erschöpfte Menschen

Nur mit großer Mühe gelingt es, den in Brand geratenen Marktturm über der Kapelle zu löschen.

Bis in die Nacht kämpft die Stadt gegen das Großfeuer. Dreimal verursacht Funkenflug in Wohnhäusern der Neustadt kleinere weitere Brände. Entsetzen, als gegen zehn Uhr der Marktturm wiederholt brennt.

Als am Freitag der Morgen dämmert, laufen erschöpfte Menschen kreuz und quer über das, was das Feuer von ihrer Habe übrig gelassen hat. Die Polizei hilft, irgendwie und irgendwo Erhaltenes einzusammeln. Hier findet sich Christbaumschmuck, dort eine Briefmarkensammlung, hier ein Federbett, ein Stuhl, ein Ofen.

Obdachlose Familien

15 Wohnhäuser und eine größere Anzahl Hintergebäude sind abgebrannt, 30 Familien sind auf das Obdach von Freunden, Nachbarn und Verwandten angewiesen. Bei alldem sind schwer verletzt nur ein Feuerwehrmann und ein Arbeiter.