Altmarkt

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Ein Bild des Altmarktes aus dem Jahr 1959.
Foto: Stadtmuseum

Der Altmarkt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in Kassel aber auch ein zentraler Platz der Stadt mit langer und wechselvoller Geschichte.

Geschichte

Ursprünglich hieß der Altmarkt "Altstädter Marktplatz". Hier wurde im Jahr 1404 die Stadtwaage gebaut. Der Altmarkt teilt das Schicksal aller großen, zentralen Plätze. Einst war er Mittelpunkt der Stadt, hier wurde 1408 das Rathaus errichtet und 1837 wieder abgerissen.

Im Dezember 2006 verlor der Platz endgültig seinen 50er-Jahre-Charakter. Mit dem zu dieser Zeit begonnenen Abriss des 1957 errichteten Polizeipräsidums und dem Bau des neuen Finanzzentrums begann auch hier das 21. Jahrhundert.

Das alte Rathaus, ein teils im gotischen Stil errichtetes Fachwerkgebäude, würde heute als eine Perle der Architektur verehrt werden. Bereits in der französischen Besatzungszeit war das Altstädter Rathaus von 1808 bis 1813 aufgegeben worden. Seine Rolle übernahm vorübergehend das Rathaus, das eigens für die französische Oberneustadt in der Oberen Karlsstraße ab 1770 von Simon Louis du Ry errichtet worden war.

In den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts bekamen zahlreiche Gebäude wieder ihre ursprüngliche Fachwerkfassade. Ende des 18. Jahrhunderts waren sie verputzt worden. Sie sollten sich den Häusern in der Oberneustadt anpassen. In der Bombennacht des 22. Oktober 1943 ging auch dieser Teil der Stadt verloren.

In den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts und mit dem aufkommenden Autoverkehr galt der Altmarkt als modernste Kreuzung Europas. Auch die Unterführungen, heute als Sicherheitsrisiko eingestuft, waren eine damals hochmoderne Errungenschaft.

Verkehrslage

Dieser wichtige Verkehrsknotenpunkt verknüpft und verteilt Verkehrsströme aus allen Richtungen. Von "Norden" wird die innerstädtische Bundesstraße B3 als Weserstraße hereingeführt (weiter dann Steinweg, ab Theater und Friedrichsplatz aber Frankfurter Straße); aus dem "Osten" wird der Verkehr über die Fuldabrücke aus Richtung Großer Kreisel bzw. Platz der Deutschen Einheit, als Leipziger Straße durch Bettenhausen kommend, zum Altmakrt geführt. Diese Verkehrsbewegungen werden am Altmarkt per "Ampelsteuerung" vielspurig in die Innenstadt verteilt.

Die nach Nordwesten in Richtung Hauptbahnhof in Verlängerung der "Fuldabrücke" verlaufende Kurt-Schumacher-Straße wurde nach der Weltkriegsverwüstung 1943 und 1945 neu geschaffen, der frühere Straßenverlauf vom Altmarkt führte etwas südlich über "Die Freiheit" in Richtung Martinskirche.

Vermutlich ist hier die Entstehung Kassels zu suchen.

Umbau

Nach anfänglichen Querelen zwischen der Stadt Kassel und dem Land Hessen sollte der Altmarkt für rund vier Millionen Euro umgebaut werden. Beide Lager einigten sich schließlich, die Unterführung zu beseitigen und drei Überwege für Fußgänger und Radfahrer anzulegen, um sie mit dem motorisierten Verkehr gleichzustellen. 2010 entbrannte ein neuer Konflikt zwischen Stadt und Land: Statt einer förderfähigen Summe von gut 3 Millionen Euro bewilligte das Land nur eine Summe von 2,45 Millionen Euro für das Projekt.[1]

Ärger wegen Gleisarbeiten

Der Altmarkt bei Bauarbeiten im Jahr 2011. Foto: HNA
In Kassel ärgerten sich im Mai 2011 Autofahrer über Staus wegen den Bauarbeiten an der Kreuzung am Altmarkt. Weil die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) dort - pünktlich nach den Osterferien - die Straßenbahngleise auswechseln ließ, kam es auch auf Umleitungsstrecken und Schleichwegen zu langen Autoschlangen.[2]

Baustopp wegen Geldmangel

Die Stadt Kassel hat am 30. Juni 2011 den Umbau der Altmarkt-Kreuzung vorläufig gestoppt. Grund ist eine Lücke von etwa 300.000 Euro bei der Finanzierung. Ausschreibungen wurden aufgehoben. Ursprünglich hatten die Planer Gesamtkosten von zwei Millionen Euro für den Umbau kalkuliert. Dann stellte sich im Frühsommer 2011 stellte heraus, dass die Kosten auf etwa vier Millionen Euro steigen. Eine Million Euro davon sollten Kasseler Entwässerungsbetrieb (KEB) und Städtische Werke tragen. Bei etwa 2,1 Millionen Euro würde der Zuschuss vom Land liegen. Den Rest von etwa 900.000 Euro müsste die Stadt aufbringen, doch im Haushalt waren nur etwa 600.000 Euro eingeplant.[3]

Chronik des Umbaus

Der 2003 gefasste Beschluss der Stadtverordneten, alle Fußgängerunterführungen abzuschaffen, war auch Grundlage für den Altmarkt-Umbau. Im November 2008 machte das Hessische Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) aber einen Strich durch die Umbaupläne. Vier Fußgängerüberwege wurden abgelehnt und damit auch die Förderung verweigert. Die Landesregierung schloss sich den Bedenken an. Die oberirdischen Überwege hätten laut ASV zu Staus von bis zu 400 Metern Länge geführt.

Im Juni 2010 einigten sich Stadt und Land Hessen auf einen Kompromiss. Jetzt sollen nur drei Fußgängerüberwege über Weserstraße, Kurt-Schumacher-Straße und Brüderstraße gebaut werden. Radfahrer kommen über alle vier Straßen, für sie gibt es auch einen Überweg über die Fuldabrücke. Die Umbaukosten, für die Ende 2009 noch von 1,4 Millionen Euro die Rede war, werden jetzt auf rund zwei Millionen Euro beziffert.

Im Mai 2011 wurde bekannt, dass der Umbau insgesamt über vier Millionen Euro kosten wird. Eine Million davon zahlen Stadtwerke und Entwässerungsbetrieb. Stadtbaurat Dr. Joachim Lohse spricht von einer Kostensteigerung von 50 Prozent.

Am 20. Juni 2011 wird klar: Das Land Hessen zahlt eine halbe Millionen Euro weniger Zuschuss, weil nur ein Teil der Kosten als förderungsfähig gilt. Lohse verhandelt nach - jetzt fehlen noch 300.000 Euro. Gestern zog die Stadt die Notbremse und stoppte das Umbauprojekt.

Trinkraum

Der erste Anlauf, einen Trinkraum für alkoholabhängige Menschen in der Stadt einzurichten, scheiterte im März 2012. Dabei hatte es zunächst geheißen, dass der Raum ab Mai zur Verfügen stehe. Dann aber stellte sich heraus: Der Vermieter wusste davon nichts. Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD) hatte bei einer Pressekonferenz im Rathaus noch gesagt, dass die Stadt solch einen Raum ab Mai 2012 im Erdgeschoss des Hochhauses an der Altmarktkreuzung eröffnen werde. Die Adresse des Aufenthaltsraums für die Kasseler Trinkerszene sollte die Weserstraße 1 b sein. Nicht einmal zwei Stunden später löste sich dieses Vorhaben in Luft auf. Jeannette Fritzsche, Mitarbeiterin der Vermögensverwaltung Greta 4 GmbH in Liebenwalde bei Berlin, Eigentümer der Kasseler Immobilie, erklärte, dass es nicht zu einem Mietvertrag mit der Stadt Kassel kommen wird.[4]

siehe auch

Netzverweise

Quellen und Links

  1. Aus HNA.de vom 22. Juni: Altmarkt: Durch Finanzierungslücke droht das Scheitern
  2. Aus HNA.de vom 6. Mai 2011: Altmarkt-Baustelle sorgt für lange Staus - auch auf den Umleitungsstrecken
  3. Aus HNA.de vom 30. Juni 2011: Stadt stoppt Umbau der Altmarkt-Kreuzung wegen Finanzierungslücke
  4. Aus HNA.de vom 27. März 2012: Doch kein Trinkraum ab Mai in Kassel - Eigentümer gab Stadt einen Korb