Altenbaunaer Straße

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Ganz im Süden von Kassel zieht sich eine Straße von der Stadtgrenze am Rand von Oberzwehren bis zur Frankfurter Straße in Niederzwehren, die wohl zu den ältesten Straßenzügen unserer Region zählt: die Altenbaunaer Straße. In alten Adressbüchern ist von einem schlichten Örtlichkeitsnamen die Rede, weil sie „nach dem Dorfe Altenbauna südlich von Kassel hin“ führt.

Doch weit gefehlt: Chronisten der Dorfgeschichte von Oberzwehren wissen, dass vermutlich schon der heilige Bonifatius auf seinen Reisen zur Verbreitung der christlichen Lehre durchs „Altenbäuner Feld“ wandelte. Das müsste dann so um 700 nach Christus gewesen sein. Und es lag daran, dass sich hier in einem Eselsgraben die alte Poststraße von Frankfurt am Main über Gudensberg und Besse nach Kassel mit dem Straßenzug von Kassel über Korbach nach Köln kreuzte. An eben dieser Straßengabel, der „alten Straße“ oder auch „Eselsstraße“, soll auch eine vorgeschichtliche Siedlung gelegen haben - also der Steinzeit-Vorgänger des alten Dorfs Oberzwehren.

Der frühe Ruhm eines Hauptverkehrswegs verblasste über die Jahrhunderte. Die Altenbaunaer Straße blieb aber immer Hauptzugangsweg zu den südwestlich von Kassel gelegenen Dörfern. Ursprünglich ein Schotterweg, wurde sie etwa 1928 gepflastert, ehe 1962 aus den inzwischen geteerten 2,8 Kilometern eine Schnellstraße zum VW-Werk wurde - sehr zum Leidwesen der Anwohner. Das Tempo wird heute durch Rückbauten, Ampeln und Verkehrsinseln zwar wieder etwas gebremst, doch die Hauptstraße des Stadtteils bleibt stark befahren.

Innerhalb von Oberzwehren war die Altenbaunaer Straße früher zu beiden Seiten mit Obstbäumen bepflanzt, die von den Anwohnern gepachtet werden konnten. Von Westen her war das auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch so. Auf der anderen Seite steht seit 1905 ein stadtteilprägendes Gebäude: das Auguste Förster-Haus.

Die Patriziertochter aus Braunschweig ließ es als wirtschaftliche Frauenschule für junge Mädchen errichten. 1921 hieß das Haus dann Haushaltungsschule, unter den Nazis ab 1934 Landfrauenschule, von 1951 bis 1980 war es Volksschule, 1984 diente es der Awo für die Schulsozialarbeit, heute ist ein Kinderhaus dort untergebracht. Doch im Volksmund ist und bleibt der im Denkmalbuch des Landes Hessen als Kulturdenkmal ausgewiesene Bau die Kochschule.

Hier noch einige Hinweise zu einzelnen Häusern:

Nr. 70: Hof Rüdiger. Das Hoftor trägt die Jahreszahl 1721. 1911 wurde die Landwirtschaft aufgegeben und die Wirtschaftsgebäude abgerissen. Das im Jahr 1804 erbaute Wohnhaus ist noch erhalten. Heinrich Rüdiger war von 1876 - 1888 Bürgermeister von Oberzwehren.

Nr. 72: Gasthaus „Zum Lindenhof“. Vermutlich gab es die Gaststätte schon im 18. Jahrhundert. Im Jahr 1750 wurde das „Gasthaus zur grünen Linde“ in Oberzwehren gebaut. 1805 wird der Metzgermeister Johann Hermann Arendt als Besitzer genannt. 1890 wird das Gasthaus „Zur grünen Linde“ genannt. Jacob Höhmann wurde um die Jahrhundertwende Pächter. Ab 1908 pachten nacheinander Johannes Waßmuth, Georg und Lina Damm mit Schwiegersohn Knepperges das Gasthaus. 1929 kaufte Johannes Waßmut den „Lindenhof“ von der Traditionsbrauerei Keim auf der Knallhütte und übergab in 1949 an seinen Sohn Georg. Seit 1961 ist das Gasthaus im Besitz der Familie Hoffesommer.

Nr. 85: Der Hof wurde von der Familie Hose aus Niederzwehren errichtet. Später wird er als Sinning'scher Hof bezeichnet. Die Gebäude - zwischenzeitlich von der Stadt Kassel erworben - wurden 1984 im Zuge der Entstehung der Bundesbahnschnellstrecke abgebrochen.

Nr. 86: Das Haus wurde von der Familie Weineck erbaut, später von den Familien Pierson und Jautz bewohnt und 1933 durch Richard Striebig erworben, der es in ein Geschäftshaus für Elektroartikel umbaute. Das Gebäude befindet sich noch heute im Besitz der Nachfahren. Im Untergeschoss ist ein Sonnenstudio und eine Änderungsschneiderei untergebracht.

Nr. 87 – 97: Fachwerkhäuser. Nur 87 wurde vermutlich 1838 von Conrad Credé gekauft. Er öffnete dort eine kleine Schreinerei. Seine Söhne Adam und Conrad gründeten 1897 in Niederzwehren die berühmte Waggonfabrik. 1911 wurde das Gebäude durch ein Feuer vernichtet und wiederaufgebaut. Elisabeth Wild eröffnete dort ein Textilgeschäft. Nach dem 1. Weltkrieg befand sich dort ein Frisörgeschäft und seit 1928 wird hier von der Familie Siebert eine Metzgerei betrieben.

Nr. 109: Schulhaus. 1885 erbaut. Nach der Verlegung des Schulbetriebes in die neue Schule in der Mattenbergstraße diente es zunächst zu Wohnzwecken. Heute Kommunikationszentrum für Oberzwehrener Vereine und Verbände.

Nr. 138: Stiftung Auguste Förster / Landfrauenschule. 1905 von Auguste Förster, eine Braunschweiger Patriziertochter, als Stiftung einer wirtschaftlichen Frauenschule errichtet. Junge Mädchen wurden hier auf ihr späteres Leben vorbereitet und wurden zu Selbständigkeit erzogen. 1915 übernahm der Reifensteiner Verband die Stiftung. 1921 kaufte die Landwirtschaftskammer sie auf und führte in dem Haus eine Haushaltungsschule, 1934 wurde sie als „Landfrauenschule“ bezeichnet. Die Schülerinnen erhielten ihre Ausbildung in den Bereichen Küche, Handarbeit, Weberei, Tierzucht, Garten und Geflügelhaltung. Nach dem schweren Bombenangriff am 22. Oktober 1943 verließen die letzten Schülerinnen die „Landfrauenschule“. Das Haus diente danach der Unterbringung von Arbeitern der Henschel - Flugmotorenwerk Altenbauna. Nach dem Krieg vorübergehend in der Hand der Besatzungstruppen. 1951 Oberzwehrener Volksschule bis 1980. 1984 diente es der Arbeiterwohlfahrt für die Schulsozial-arbeit. Heute gehört das Gebäude zur Georg-August-Zinn-Schule. – In dem daneben sich befindlichen Kindergarten-Pavillon befindet sich ein Mosaikrelief von Rolf Weber (1961).

Bei Bauarbeiten in der Altenbaunaer Straße wurde im September 2002 ein provisorischer Bunker entdeckt und abgerissen. Er wurde Anfang der 40er Jahre des 20. Jh. auf Veranlassung der NS-Gauleitung errichtet und diente den Anwohnern als Luftschutzbunker.

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