Als auf der Weser noch Dampfer fuhren

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die „Vereinte Weser-Dampfschifffahrt“ war Mitte des 19.Jahrhunderts der schärfster Konkurrent der Eisenbahn in Münden

Abbildungslegende: Häuserzeile am nördlichen Kirchplatz vor etwa 100 Jahren. Die Agentur des Norddeutschen Lloyd befand sich im Eckhaus zur Lotzestraße.
Repro: von Pezold

Von Dr Johann Dietrich von Pezold

Ein dampfgetriebenes Verkehrsmittel erreichte Münden schon zwölf Jahre vor der 1856 vollendeten Hannoverschen Südbahn. In Hameln wurde 1842 die „Vereinte Weser-Dampfschifffahrt“ gegründet, die auch in Bremen, Minden und Münden Geschäftsstellen einrichtete. Im Frühjahr 1844 nahm sie mit zwei Passagierdampfern den vollen Betrieb zwischen Bremen und Münden auf.

Ein Dampfer verkehrte zwischen Hameln und Münden, ein zweiter zwischen Bremen und Hameln. In Hameln musste das Schiff gewechselt werden, weil dort die 1732 gebaute enge Schleuse einen durchgehenden Verkehr der breiten Raddampfer nicht zuließ. Nachdem Mitte August 1844 zwei weitere Schiffe in Dienst gestellt worden waren, konnten beide Streckenabschnitte viermal in der Woche befahren werden.

Die Fahrzeit zwischen Münden und Hameln dauerte in beide Richtungen nur einen Tag - stromabwärts achteinhalb Stunden, stromaufwärts fünzehneinhalb Stunden.

Die Gesamtfahrtzeit von Bremen nach Hameln nahm fast 24 Stunden in Anspruch, weshalb die Reisenden in Minden übernachten mussten. Stromabwärts dauerte die Fahrt von Hameln nach Bremen ohne Zwischenaufenthalt in Minden fast 14 Stunden. Damit wurde die Reisezeit auf der Weser gegenüber der althergebrachten Flussschifffahrt ganz erheblich verkürzt.

Zudem konnte man von Hameln auf dem Landwege in relativ kurzer Zeit nach Hannover gelangen und dort mit der Eisenbahn auf den zwischen 1838 und 1844 fertiggestellten Strecken schnell Magdeburg, Halle, Leipzig, Dresden und Berlin erreichen.

Mit dem rasch fortschreitenden Ausbau des Eisenbahnnetzes in Deutschland ergaben sich immer bequemere Verkehrsverbindungen. Entsprechend wurden die Fahrpläne der Dampfschiffe auf die neuen Verkehrsverbindungen abgestimmt. Mit Beginn der Schifffahrtsperiode Ende Februar 1848 verließ ein Schiff Münden schon um vier Uhr morgens. Dadurch kam man so rechtzeitig nach Minden, dass noch am gleichen Tage die Reise mit dem letzten Zug nach Bremen oder Hannover fortgesetzt werden konnte. Berlin oder Hamburg wurden am folgenden Tag erreicht. Als 1848 die Eisenbahnlinie von Kassel nach Karlshafen eröffnet wurde und in den beiden folgenden Jahren auch die Eisenbahnen von Eisenach und von Marburg nach Kassel vollendet waren, verlagerten sich die bisherigen Reisewege von Süden über Münden auf den direkten Weg nach Karlshafen.

Mit dem weiteren Ausbau des Schienennetzes erlag die Passagierschifffahrt auf der Weser der Konkurrenz der Eisenbahnen. Als 1857 in Bremen der Norddeutsche Lloyd gegründet wurde übernahm er die „Vereinte Weser-Dampfschifffahrt“, aber auch er konnte sich gegenüber den Eisenbahnen nicht behaupten und stellte die Personenschifffahrt auf der Weser 1873 ein. Seine Agentur in Münden zur Vermittlung von Seereisen und –transporten blieb aber bestehen.

siehe auch