Alfred Hesse (1889 - 1955)

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Ein Leben für das Fachwerk

Vorspann: Alfred Hesse - Kunstmaler, Grafiker, Heraldiker und Ortsheimatpfleger

Alfred Hesse in seinem Atelier im Mündener Steinweg 1. FOTO: NH

Es war kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges: Mündener Bürger, die sich gerade unter der schweren Last von menschlicher Tragödie, Elend und Not befreit hatten, lauschten aufmerksam den Worten eines Mannes. Er wollte im Gegensatz zu manchem Vertreter nichts verkaufen. Überzeugen, das war seine Zielsetzung. Und die Botschaft, die der damals 57-Jährige verbreitete, war aus heutiger Sicht Gold wert: Die Erhaltung des Stadtbildes muss als Kulturaufgabe angesehen werden. Fünf Jahre später zeigten seine Bemühungen bereits sichtbare Erfolge: Bei 106 sanierten Fachwerkhäusern wurde Alfred Hesse zur treibenden Kraft. Wie schaffte er es, in einer Zeit, in der die Menschen ganz andere Sorgen hatten, auf sie derart einzuwirken? Die einen schrieben ihm sein hohes fachliches Wissen zu, mit dem er zu überzeugen wusste. Für andere war seine menschliche Ausstrahlung der entscheidende Faktor. Es lag ihm nicht, sich trotz seiner vielen Talente in den Vordergrund zu rücken. Alfred Hesse war fast überall präsent, wenn es um die Bewahrung von Kultur in Münden ging. Meist wirkte er im Hintergrund in beratender Funktion. Seine Stimme hatte Gewicht, sein Worte fanden Akzeptanz. Einfach war das Leben des 65 Jahre alt gewordenen Mannes keineswegs. Am 5. Oktober 1889 im alten Patrizierhaus in der Ziegelstraße (Kohlen Hesse) geboren, verlor er im Alter von zwölf Jahren seine Eltern. Er kam zu Verwandten seiner Mutter nach Zürich, wo er seine Schulzeit verbrachte. Danach kehrte er zurück in seine Heimatstadt und hatte nur einen Wunsch: Er wollte in einer Kunstakademie ausgebildet werden. Sein Vormund schickte ihn für zwei Monate zu Malermeister Friedrich Tetzer in die Lehre. Dort lernte er das Handwerkliche, insbesondere die Dekorationsmalerei. Es folgten drei Jahre Kunstgewerbeschule in Kassel, an deren Ende er seine ersten drei Bildmappen vorlegen konnte. Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges war es ihm noch vergönnt, die Kunstakademie in Köln zu besuchen. Es folgte 1917 ein Job als Grafiker in einer Druckerei, bevor er ab 1920 als freischaffender Künstler nach Hannover umsiedelte. Dort heiratete er Ellen Seggebruch. Der Zweite Weltkrieg forderte auch von ihm Tribut. Er verlor nach einem Bombenangriff sein Haus in Hannover und kehrte nach Münden zurück. Hier arbeitete er fortan als Kunstmaler, Grafiker und Heraldiker und engagierte sich als Ortsheimatpfleger von Münden. In dieser Zeit hat er das Gesicht der Mündener Altstadt nachhaltig geprägt. Ohne den Einsatz von Hesse hätte die Stadt wahrscheinlich 1979 nicht die Goldmedaille für gut sanierte Fachwerkhäuser erhalten. Diese Zeit prägte aber auch den späteren Stadtbildpfleger Heinz Hartung, der nach dem Tod von Hesse in seine Fußstapfen trat. 1954 reiste Alfred Hesse nochmals in seine zweite Heimat, die Schweiz. Ein Jahr später, am 13. April 1955, erlag er in einer Göttinger Klinik einem schweren Leiden. Zum 100. Geburtstag von Alfred Hesse im Jahre 1989 enthüllte der damalige Bürgermeister Albert Fiege an dessen Geburtshaus die erste personenbezogene Gedenktafel in Münden. Vier Jahre zuvor hatte Martin Czichelski die Alfred-Hesse-Stiftung ins Leben gerufen, die seitdem den Nachlass des Malers betreut. Seit Weihnachten 2002 unterhält sie in der Sydekumstraße eine eigene Galerie, die einen Querschnitt des Schaffens von Alfred Hesse zeigt. Und davon gibt es vor allem Stadtansichten, meist Lithographien. Aber auch Aquarelle und Ölbilder zeigen, welch unerschöpfliche Talentvielfalt in diesem Manne schlummerte. (TIL) Quelle: Dr. Karl Brethauer anlässlich der Gedenkausstellung Alfred Hesse 1889 - 1955