Alfred Heilbrunn

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Alfred Heilbrunn (1908 - 1994) aus Hofgeismar war der Sohn des in der NS-Zeit verfolgten jüdischen Textilkaufmanns Hermann Heilbrunn und seiner Ehefrau Lydia (ehemals Bahnhofstraße 21 - bis 1936). Die jüdische Familie war seit 1684 in Hofgeismar ansässig. [1] Er emigrierte während der NS-Zeit im Jahre 1938 und wurde zum „Weltbürger wider Willen“ (so der Titel des Nachrufs von Michael Dohrs).

Abschied von Hofgeismar

aus "Abschied und Wiedersehen - Ein jüdisches Schicksal" (Jahrbuch des Landkreises Kassel 1975, S. 97 ff.):

"... Und heute, im April 1938 sitze ich oben [auf dem Schanzen] auf der Bank um Abschied zu nehmen. Da unten liegt die Stadt meiner Kindheit und Jugend mit den vertrauten Häusern und Straßen, in den Ferne umkränzt von Heuberg, Westberg, Schöneberg und Reinhardswald. Da habe ich nun beinahe 30 Jahre lang gelebt und Freude und Glück, Enttäuschung und Leid, genau in dieser Reihenfolge kennen gelernt. [...]

Schluss mit Allem. Morgen verlasse ich die Heimat. Noch länger hier zu leben ist unmöglich. Meine nichtjüdischen Altersgenossen sind in Amt und Würden. Ich habe studiert, habe alle Examen bestanden, aber ich erhalte keine Approbation. "Herr Heilbrunn erfüllt alle Bedingungen - mit Ausnahme des Nachweises seiner arischen Abstammung - zur Niederlassung als Arzt", so hieß es in den Schreiben. [...]

Geschichte

Alfred Heilbrunn überlebte die NS-Zeit und wurde zum „Weltbürger wider Willen“ (so der Titel des Nachrufs von Michael Dohrs). Er emigrierte im Jahre 1938 nach dem damaligen Niederländisch-Indien (heute Indonesien), arbeitete dort unter schwierigsten Bedingungen als Chirurg und wurde später niederländischer Staatsbürger.

Im Jahrbuch des Landkreises Kassel erschienen von ihm die Beiträge „Aus der Geschichte der Synagogengemeinden des Altkreises Hofgeismar“ (Jahrbuch des Landkreises Kassel 1978, S. 86) und "Abschied und Wiedersehen - Ein jüdisches Schicksal" (Jahrbuch des Landkreises Kassel 1975, S. 97).

Literatur

  • Julia Drinnenberg, Stätten der Erinnerung - Gedächtnis einer Stadt, Die Opfer des Nationalsozialismus in Hofgeismar, 1. Auflage, Hofgeismar 2010
  • Michael Dorhs, Weltbürger wider Willen - Ein Nachruf auf Alfred Heilbrunn aus Hofgeismar (1908-1994), in: Das achte Licht - Beiträge zur Kultur- und Sozialgeschichte der Juden in Nordhessen, Hrsg. von Helmut Burmeister und Michael Dorhs aus der Reihe: Die Geschichte unserer Heimat, Band 39, Hofgeismar 2002, S. 288-292
  • Spurensicherung in Hofgeismar - Geschichte(n) unserer Stadt, Hofgeismar 1984 (mit einer Aufstellung über die jüdische Bevölkerung in Hofgeismar im Jahr 1933 - S. 123 ff.)

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Haus der Familie Heilbrunn in Hofgeismar

Weblinks