Albert Leiß

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Professor Albert Leiß, Ehrenbürger der Stadt Korbach

Albert Leiß wurde am 4. Oktober 1852 als Sohn des Rentmeisters Karl Leiß aus Kleinheßlingen in Kassel geboren. Seine Mutter Luise stammte aus Rinteln. Durch seine Tätigkeit am damaligen Landesgymnasium kam er 1878 nach Korbach.

Als Lehrer für alte Sprachen und Geschichte wirkte er in dieser Schule bis zu seiner 1891 erfolgten Versetzung an das Realgymnasium in Wiesbaden. Zehn Jahre zuvor hatte er Meta Waldeck, eine Tochter des Justizrats Julius Waldeck, geheiratet.

Professor Albert Leiß erwarb sich große Verdienste bei der Erforschung der Korbacher Stadtgeschichte. Ab 1890 begann er, die städtischen Urkunden, Akten und Handschriften, die 1664 vom großen Brand verschont geblieben waren und verstaubt und ungeordnet auf dem Boden des Rathauses lagerten, zu erfassen und zu ordnen. In jahrelanger Arbeit, die er auch nach seiner Versetzung nach Wiesbaden fortsetzte, schrieb er hunderte von alten Urkunden ab, übersetzte sie und erstellte zahlreiche Regesten (Urkundsverzeichnisse). Dabei entdeckte er viele wichtige und kostbare alte Handschriften.

1890 beauftragte Bürgermeister Meineke den damaligen Gymnasiallehrer Professor Albert Leiß mit der Aufgabe, die städtischen Akten und Urkunden zu ordnen. Diese lagen zu dieser Zeit ungeordnet und verstaubt auf dem Boden des Rathauses. Beim Stadtbrand von 1664 waren viele alte Bestände des Stadtarchivs vernichtet worden. Den Rest brachte man damals im Turm von St. Kilian unter. Der waldeckische Heimatforscher Varnhagen fand sie dort, als er 1780 begann, die Altbestände zu bearbeiten. Sie kehrten um 1850 ins Rathaus zurück. In langjähriger Arbeit säuberte und ordnete Leiß die vorgefundenen Akten und Urkunden. Er fertigte Übersetzungen, Abschriften und Verzeichnisse an. Diese für die Stadt so verdienstvolle Arbeit wurde 1899 durch Leiß Versetzung nach Wiesbaden unterbrochen.

In den Schulferien kehrte der Professor jedoch regelmäßig nach Korbach zurück, um die begonnene Arbeit fortzusetzen. So entstanden im Laufe der Jahre Abschriften von 1500 Urkunden und anderen Schriftstücken. Es war das Verdienst von Albert Leiß, die 1589 von Ditmar Münch und Tilman Leußmann aufgesetzten Corbacher Statuten, das Corbachische Stadtbuch, das Corbacher Stadtprotokollbuch von 1413, die Bürgerbücher und zahlreiche andere Schriftstücke aus Korbachs Vergangenheit wieder entdeckt zu haben. Die Stadt Korbach ehrte ihn für seine Verdienste, indem sie ihn 1926 zum Ehrenbürger ernannte. Professor Albert Leiß starb 1929.

Nachdem er 1917 in den Ruhestand versetzt worden war, verlegte er 1925 seinen Wohnsitz wieder nach Korbach. Von 1925 bis zu seinem Tode lebte er in seinem von den Schwiegereltern übernommenen Haus in Korbach.

Wegen seiner Verdienste um die Korbacher Stadtgeschichte, seiner Arbeit für das Heimatmuseum und die Richard-Waldeck-Bibliothek wurde er 1926 zum Ehrenbürger ernannt. Er starb am 4. Februar 1929. Auf dem alten Friedhof, zwischen den Stadtmauern, wurde er begraben.

Bürgermeister Dr. Zimmermann schrieb in seinem Nachruf: „Mit Herrn Professor Dr. Leiß ist nicht nur ein vorbildlicher Forscher und Lehrer, der mit großer Liebe und Ehrfurcht dem Kleinsten begegnete, von uns gegangen, sondern auch ein guter Mensch mit tiefsten Herzensgaben, mit treuem Gemüt”. Studiendirektor Dieterich würdigte im Nachruf des Landesgymnasiums besonders die Tatsache, dass der Heimgegangene „auch nach seiner Rückkehr in die ihm zur zweiten Heimat gewordenen Stadt Corbach dem Landesgymnasium und seinem Lehrkörper durch Rat und Tat treue Anhänglichkeit bewiesen hat."

Nach Professor Leiß ist die Albert-Leiß-Straße in Korbach benannt, die an der Pestalozzistraße beginnt und in einem weiten Bogen zu ihr zurückführt.

Der Autor Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serien geschrieben.

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