Albert-Leiß-Straße (Korbach)

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Seine Aufgabe waren verstaubte Akten

Er ordnete vor einem Jahrhundert die Akten und Urkunden der Stadt Korbach: Professor Albert Leiß. Dafür wurde er zum Ehrenbürger ernannt. Eine Straße im östlichen Neubaugebiet trägt seinen Namen.

Ehrenbürger der Stadt Korbach, Professor Albert Leiß

Nach ihm ist die Albert-Leiß-Straße in der Kreisstadt benannt, die an der Pestalozzistraße beginnt und in einem weiten Bogen zu ihr zurückführt.

Albert Leiß, 1852 in Kassel geboren, lehrte von 1878 bis 1891 am Korbacher Gymnasium. Von 1925 bis zu seinem Tode lebte er in seinem von den Schwiegereltern übernommenen Haus in Korbach.

1890 beauftragte Bürgermeister Meineke den damaligen Gymnasiallehrer Professor Albert Leiß mit der Aufgabe, die städtischen Akten und Urkunden zu ordnen. Diese lagen zu dieser Zeit ungeordnet und verstaubt auf dem Boden des Rathauses. Beim Stadtbrand von 1664 waren viele alte Bestände des Stadtarchivs vernichtet worden. Den Rest brachte man damals im Turm von St. Kilian unter. Der waldeckische Heimatforscher Varnhagen fand sie dort, als er 1780 begann, die Altbestände zu bearbeiten. Sie kehrten um 1850 ins Rathaus zurück. In langjähriger Arbeit säuberte und ordnete Leiß die vorgefundenen Akten und Urkunden. Er fertigte Übersetzungen, Abschriften und Verzeichnisse an. Diese für die Stadt so verdienstvolle Arbeit wurde 1899 durch Leiß Versetzung nach Wiesbaden unterbrochen.

In den Schulferien kehrte der Professor jedoch regelmäßig nach Korbach zurück, um die begonnene Arbeit fortzusetzen. So entstanden im Laufe der Jahre Abschriften von 1500 Urkunden und anderen Schriftstücken. Es war das Verdienst von Albert Leiß, die 1589 von Ditmar Münch und Tilman Leußmann aufgesetzten Corbacher Statuten, das Corbachische Stadtbuch, das Corbacher Stadtprotokollbuch von 1413, die Bürgerbücher und zahlreiche andere Schriftstücke aus Korbachs Vergangenheit wieder entdeckt zu haben. Die Stadt Korbach ehrte ihn für seine Verdienste, indem sie ihn 1926 zum Ehrenbürger ernannte. Professor Albert Leiß starb 1929. Auf dem alten Friedhof, zwischen den Stadtmauern, wurde er begraben.

Die Serie

Straßennamen sind wichtig. Nicht nur, weil durch sie dem Ortsunkundigen, der Post, dem Paketzusteller, dem Arzt, dem Rettungsdienst und Lieferanten das Auffinden bestimmter Personen erleichtert wird. Sie ermöglichen den Anwohnern auch eine gewisse Identifikation. Mögen sich Nachbarn noch so sehr von einander unterscheiden, eins verbindet sie: Sie alle sind Bewohner der gleichen Straße. Straßennamen hat es nicht immer gegeben. Offiziell wurden sie in Korbach erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin gab es viele namenlose Straßen. Natürlich hatte man Standortbezeichnungen schon früher. Sie waren aber recht allgemeiner Art: An der Neustädter Kirche etwa, oder Am Markt. Andere bezeichneten ein ganzes Stadtviertel. Flurname oder Zielort Bei der Namengebung griff man zurück auf Flurbezeichnungen (Am Waldecker Berg) oder auf die Lage der Straße (Oberstraße). Die Ausfallstraßen bezeichnete man nach ihren Zielorten (Wildunger Landstraße). Viele Straßen tragen aber auch den Namen einer bekannten oder bedeutenden Persönlichkeit, von Stadtältesten oder Ehrenbürgern. Bei Vergabe von Namen aus Politik und Regierung ist man heute in Korbach vorsichtig geworden, um späteren Umbenennungen aus dem Weg zu gehen. So wurde aus dem Adolf-Hitler-Platz nach 1945 wieder der Berndorfer Torplatz, aus der Litzmannstraße die Friedrichstraße, aus der Hindenburgstraße wieder wie früher die Bahnhofstraße. Zur Diskussion standen nach 1945 auch die an Kriegsschauplätze des Ersten Weltkrieges erinnernden Skagerrakstraße, Langemarckweg und Flandernweg. Neue Namen mussten her Die enorme Entwicklung der Stadtbebauung nach dem Zweiten. Weltkrieg brachte es mit sich, dass zahlreiche neue Straßen entstanden. Sie alle brauchten neue Namen. So entstand ein Blumenviertel, in jüngster Zeit auch ein Dichterviertel. Zahlreiche westdeutsche Städte, in die es einst Korbacher verschlagen hatte, standen Pate, aber auch mitteldeutsche Städte. Auch ehemalige ostdeutsche Städte und Gebiete, aus denen viele Korbacher Neubürger vertrieben worden waren, gaben neuen Straßen ihre Namen.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer eine Serie über die Namen Korbacher Straßen verfasst. diese ist ab April 2001 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen.