Albernhausen

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Albernhausen wurde im 19. Jahrhundert im Volksmund ein Kasseler Stadtteil genannt, der sich nordöstlich vom Hauptbahnhof erstreckte. Die Lage des Viertels entspricht etwa dem heutigen Schillerviertel.

Lage

Ausgangspunkt für den Bau des Viertels war der Hauptbahnhof, der 1852 vom kurhessischen Oberbaumeister Gottlob Engelhard gebaut wurde. Von dort entstanden viele Häuser an der Bahnhofstraße (heute Werner-Hilpert-Straße), am Unteren Grünen Weg (heute Grüner Weg) und der Orleansstraße (heute Erzbergerstraße).

Uneinheitliches Straßenbild

Weil Kurfürst Wilhelm I. sich nicht um die Bearbeitung der Bauanträge kümmerte, wartete viele Bauherren nicht auf die Genehmigung des Kurfürsten. Sie begannen zu bauen, ohne sich um stadtplanerische Vorgaben zu kümmern. Deshalb entstand eine Siedlung ohne gerade Straßenfluchten, mit unterschiedlichen Häuserhöhen und einer wilden Mischung verschiedener Baustile. Deshalb sprachen Zeitgenossen liebevoll-spöttisch von "Albernhausen".

Einer der Hingucker war die gotisch verzierte Weinhandlung "Gundelach" an der Bahnhofstraße (heute Club A.R.M. / Lolita Bar), die wegen ihres Aussehens auch "Weinkirche" genannt wurde.[1]

Gedicht über Albernhausen

Im Jahr 1870 erschien ein Gedicht über „Albernhausen“ in einer Druckschrift, die aus Anlass einer Industrie-Ausstellung neben der Orangerie erschien:

„Grad aus dem Weinhaus doch kam ich heraus, Straße, wie wunderlich siehst du mir aus“ Rechter Hand, linker Hand alles vertauscht; Straße, dein Bauherr, war sichtlich berauscht.

Könnten die Häuser hier - was ist geschehen? - in einer Flucht, wie andere nicht stehen? Eines steht grade, das Andere steht quer; Scheinen betrunken mir allesammt schwer.

Eines ist groß und das andere ist klein; Sollt’s mit dem Baumeister richtig wohl sein? Ihm zu begegnen schein ein Wagestück - Da geh ich lieber zu Bohné zurück.“

Mit dem Weinhaus war die Weinhandlung Gundelach in der damaligen Bahnhofsstraße gemeint. Bohné war ein anderer Weinhändler in der Oberen Königsstraße 28. [2]

Das Viertel heute

"Albernhausen", heute als Schiller-Viertel bekannt, ist inzwischen ein angesagte Szene-Viertel. Nachdem der Hauptbahnhof 1991 zum Regionalbahnhof degradiert wurde, schienen das Viertel aufgegeben zu werden. Doch mit dem Einzug der Lolita-Bar, der Discothek A.R.M. und der Galerie Loyal erfolgte eine Aufwertung der Werner-Hilpert-Straße. [3]

Im ehemaligen Hauptbahnhof entstand die Galerie Caricatura, in der ehemaligen Nachrichtenmeisterei wurden Räumlichkeiten für Existenzgründer geschaffen. Mit dem Einzug von Grafikern, Designern, Foto- und Videostudios begann die Entwicklung vom Quartier Kulturbahnhof.

Weblinks und Quellen

  1. Aus HNA.de vom 11.10.2012: Stadtviertel am Hauptbahnhof hieß im Volksmund "Albernhausen"
  2. Aus HNA.de vom 11.10.2012: Stadtviertel am Hauptbahnhof hieß im Volksmund "Albernhausen"
  3. Aus mydocumenta.de vom 27. März 2012: Szene-Viertel Schiller-Quartier