Ahlberg

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bushaltestelle Ahlberg

Etwa zwei Kilometer östlich der Ortsmitte Mariendorfs erhebt sich der 394,6 Meter hohe Ahlberg, an dessen Westflanke die kleine Ahlberg-Siedlung liegt.

Der Ahlberg liegt am Westrand des großen Waldgebietes des Gutsbezirkes Reinhardswald. Das Plateau des Basaltkegels hat eine Größe von 1,25 Hektar und ist nach allen Seiten befestigt.

Die kulturgeschichtliche Bedeutung

Das Areal ist besonders wegen seiner kulturgeschichtlichen Bedeutung und einer mehr als 2000-jährigen Siedlungsgeschichte über die Region hinaus bekannt. Und die hier vorhandenen Naturressourcen wie Ton, Sand, Steine oder Braunkohle dienten vielen Generationen in den angrenzenden Dörfern als Lebensgrundlage.

Das Plateau des Ahlbergs wird von einem Wall mit vor gelagertem Graben umschlossen, der an der Nord- und Ostseite fast gradlinig, an der Süd- und Westseite jedoch leicht bogenförmig verläuft. An der Südwestseite befand sich früher eine Tongrube, deren Zufahrt Graben und Wall unterbricht. Einige andere muldenförmige Vertiefungen im Bereich um das Plateau sind ebenfalls auf diese Materialgewinnung zurückzuführen. Im Südost- und Ostverlauf sind Wall und Graben gut sichtbar erhalten.

Ringmauer auf dem Ahlberg

Als ursprünglicher Aufbau der heute als Wälle sichtbaren Befestigung ist Mauerwerk anzunehmen, da an einigen Stellen der Außenseite des Walls erkennbare Steine auf eine Mauerfront hin deuten. Form und Ausführung der Gräben und Wälle lassen auf Reste einer frühmittelalterlichen Befestigung schließen, die eine ältere eisenzeitliche Anlage überlagert, was Funde aus dieser Zeit bezeugen. Inmitten der frühmittelalterlichen Wehranlage wurde im Spätmittelalter an der höchsten Stelle ein Wartturm, wahrscheinlich als Pendant zur in Sichtweite befindlichen Udenhausener Warte, errichtet. Vom Ahlberger Wartturm sind noch Teile eines mächtigen Mauerfundaments erhalten. Reste einer Ringmauer, die um den Turm herum eine Fläche mit einem Durchmesser von etwa 15 Metern umschloss, sind im Gelände erkennbar.

Am Ahlberg wurde, ähnlich dem Gahrenberg, vom 18. Jahrhundert an bis 1925 Braunkohle untertage mit Hilfe eines Schrägstollens abgebaut. Von diesen Aktivitäten zeugen nur noch wenige Relikte, so ein Natursteinfundament mit vier eingelassenen Gewindestangen und der aus Backstein errichtete, etwa sieben Meter hohe Be- und Entlüftungsschacht an der Hauptstraße der Ahlberg-Siedlung.

Zu den wenigen älteren Häusern, die noch in der Ahlberg-Siedlung vorhanden waren, gehörte das im Jahre 1920 errichtete Steigerhaus, das zunächst als Wohnsitz des preußischen Forstbeamten Heinrich Paul und seiner Familie dienen sollte. Als dieser den begonnenen Rohbau nicht zu Ende führen konnte, kaufte ihn die "Gewerkschaft Ahlberg" bei der Wiederaufnahme der Braunkohlenförderung ab dem Jahre 1920 und richtete hier - anstelle des alten Steigerhauses am Förderschacht von 1789 - das Wohnhaus für den Betriebsleiter der Zeche (den Steiger) ein, offenbar aber auch die Verwaltung der Zeche. Bereits im Jahre 1925 wurde der Zechenbetrieb wieder eingestellt und das Steigerhaus gehörte danach verschiedenen Eigentümern. Die Pläne, das inzwischen eingestürzte Steigerhaus wieder zu errichten, wurden inzwischen zu den Akten gelegt.

EcoPfad Archäologie

Seit Herbst 2007 führt ein weiterer Rundweg des EcoMuseums Reinhardswald unter der Bezeichnung „Eco-Pfad Ahlberg-Mariendorf“ über den Ahlberg.

Der Weg ist von der Bushaltestelle Ahlberg aus gut beschildert und bei trockener Witterung problemlos begehbar.

Galerie

Verlauf

Der Rundweg beginnt am Parkplatz an der Reithalle am Nordrand von Mariendorf. Er führt durch die Siedlung am Ahlberg, über eine 394 m hohe Basaltkuppe, ins „Bärenloch“ und durch einen Hohlweg - vorbei an einem Hutestein - zurück nach Mariendorf.

Mehrere Schautafeln an verschiedenen Stationen erläutern die geologischen und archäologischen Besonderheiten des Ahlbergs, darunter den Ringwall und die Warte (8. - 10. Jahrhundert), die Wüstung Reinersen (11. - 16. Jahrhundert), die Tongruben und Ziegelhütte (13. - 15. Jahrhundert) oder die Bergbaustätten (1755 - 1925).

Die Kohle wurde am Ahlberg in geringer Tiefe unter Tage abgebaut. Mit der Kohle belieferte man seinerzeit auch die Garnison in Hofgeismar, Branntweinbrennereien oder die Ziegelhütte am Ahlberg.

Neben dem noch vorhandenen Pyramidenstumpf des ehemaligen Schüttelwerkes befand sich der 29 m tiefe Förderschacht. Daneben ist eine Lore aufgestellt, die einst dem unterirdischen Transport der Kohle diente. Erhalten geblieben ist auch das Steigerhaus, ein Fachwerkhaus mit wechselvoller Geschichte, das heute unter Denkmalschutz steht.

HNA – online vom 11.3.2008:

Steigerhaus bleibt erhalten

Das Steigerhaus im Reinhardswald bei Holzhausen bleibt erhalten und soll künftig als Jagdhaus genutzt werden. Dies sagte der Leiter des Forstamtes Gahrenberg, Dr. Norbert Teuwsen.

... Bei einem Ortstermin mit der Denkmalpflege wurde die künftige Nutzung des etwa 150 Jahre alten Gebäudes festgezurrt. Das Steigerhaus ist, nach dem Abriss des Kesselhauses, das letzte Zeugnis, das an den Braunkohleabbau der Zeche Gahrenberg erinnert. (mrß)

HNA – online vom 17.8.2010:

Investor und Hessen-Forst ziehen sich aus Plänen zurück
Steigerhaus wird nicht wieder aufgebaut

Reinhardshagen/ Holzhausen. Das Projekt Steigerhaus ist gestorben. Das vor zwei Jahren bei Renovierungsarbeiten eingestürzte Gebäude am Gahrenberg im Reinhardswald wird nicht wieder aufgebaut.

Wie der Leiter des Forstamtes Reinhardshagen, Dr. Norbert Teuwsen sagte, habe sich der Investor aus dem Vorhaben zurückgezogen. Strenge baubehördliche Auflagen, nicht akzeptable Forderungen des Landes Hessen als Eigentümer des Baugrundes und die Ansprüche der politischen Parteien aus Reinhardshagen hätten den privaten Geldgeber dazu bewogen, vom Wiederaufbau des Steigerhauses Abstand zu nehmen.

Nach dem Einsturz des etwa 150 Jahre alten Hauses hatte sich Hessen-Forst als Bauherr und der Kasseler Investor für einen Neubau eingesetzt, der dem originalen Steigerhaus nachempfunden sein sollte.

Als Betriebsstützpunkt des Forstamtes Reinhardshagen und Jagdhaus hatte das Gebäude ausgebaut werden sollen. Zudem hatte der Investor die Immobilie privat nutzen wollen. (ant)

Zu den Bodenschätzen am Ahlberg gehörte auch der hochwertige Ton, der in früherer Zeit zur Gebrauchstöpferei und Ziegelherstellung benötigt wurde. Eine weitere Station des Eco-Pfads verweist auf die im Gelände sichtbaren vielen Vertiefungen (Pottkaulen) und erinnert an die Töpfereien des im Mittelalter nahe gelegenen Töpferdorfs Reinersen.

Ebenso informiert eine weitere Station des Eco-Pfads über den Ringwall und die ehemalige Warte am Ahlberg. Bereits aus der Eisenzeit (Hallstatt- und Latènezeit) ist die Wallanlage auf dem Ahlberg im Reinhardswald als Siedlung bekannt.

In späterer Zeit entstand im späten Mittelalter auf dem Gipfelplateau eine Warte, deren Turm 1686 abgebrochen wurde und dessen Steine als Baumaterial bei der Anlage von Mariendorf gebraucht wurden.

Literatur

Ahlberg - Relikt aus dem Bergbau
  • Rolf Gensen, „Die Ringwallanlage auf dem Ahlberg bei Immenhausen-Mariendorf“ in: Stadt und Landkreis Kassel. Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland 7, Stuttgart 1986, S.129ff.
  • Jörg Lindenthal, „Kulturelle Endeckungen - Archäologische Denkmäler in Hessen“, Darmstadt 2004, S.95, ISBN 3-934377-734
  • Nobert Lippenmeier, Das Steigerhaus am Ahlberg, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2006, S. 11 ff.
  • Norbert Lippenmeier, "Rund um den Ahlberg" Kulturhistorischer Bildband - elf Autoren beschreiben viele Einzelaspekte der zweieinhalbtausendjährigen Siedlungsgeschichte rund um den Ahlberg, Geiger- Verlag, Horb am Neckar 2004, ISBN 3-89570-978-6, 128 Seiten
  • Region Kassel Land e.V. (Hrsg.), Unterwegs im Reinhardswald - 52 Wege und Ziele, Wolfhagen 2011

Sage

Der Ahlberg ist auch der Ort, um den sich die Sage von der „Weißen Frau auf dem Ahlberg“ rankt, die in mondhellen Nächten ihrem Grabe entsteigen soll.

siehe auch

Weblinks