Adolph-Varnhagen-Straße

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Die Adolph-Varnhagen-Straße in Korbach

Ein Ehrenbürger, den die Korbacher als Seelsorger nicht haben wollten

Er trug einen langen Namen und war der erste bedeutende Historiker Waldecks: Johann Adolph Theodor Ludwig Varnhagen. Der gebürtige Korbacher war schon mit 28 Ehrenbürger seiner Heimatstadt, die ihn als Pfarrer erst nicht haben wollte.

Die Adolph-Varnhagen-Straße hinter dem Krankenhaus bewahrt das Andenken an den ersten bedeutenden Historiker Waldecks. Johann Adolph Theodor Ludwig Varnhagen wurde am 9. Juli 1753 in Korbach geboren. Sein Vater war der Arzt Dr. Henrich Gottfried Justus Varnhagen, der aus der Engel-Apotheke in Korbach stammte.

Er war es zweifellos, der in dem Jungen das Interesse an waldeckischer Geschichte weckte: durch seine Sammlungen zur Korbacher Geschichte, die später durch den Sohn der Nachwelt überliefert wurden. Die Biografie Varnhagens vermittelt uns einen Eindruck vom bewegten Leben und unermüdlichen Schaffen des Gelehrten. Von 1765 bis 1772 besucht er das Korbacher Gymnasium. Es folgt ein Studium der Theologie, der orientalischen Sprachen, der Kirchengeschichte, der Geschichte und der Diplomatik an der Universität Göttingen. 1775 wird er Hauslehrer bei Konsistorialrat und Hofprediger J. Fr. Chr. Steinmetz in Arolsen. Eine Berufung ans Gymnasium Dortmund muss er allerdings ausschlagen, da Fürst und Konsistorium ihn nicht freigeben. Stattdessen erhält Varnhagen 1777 eine Stelle als Pfarrer in Berich und Niederwerbe und wird gleichzeitig Rektor der Stadtschule in Waldeck.

Im gleichen Jahr heiratet er und wird bald Vater von vier Kindern. 1780 erfolgt eine Versetzung als Pfarrer nach Wetterburg und Braunsen. Von hier aus erhält er Zugang zum fürstlichen Archiv in Arolsen. Im gleichen Jahr lässt er den ersten Teil der Sammlungen zur Waldeckischen Geschichte erscheinen, mit den Chroniken von Klüppel und Knipschild. Schon 1781, also mit nur 28 Jahren, wird er wegen seiner lobwürdigen patriotischen Bemühung um die vaterländische und hiesige Städtische Geschichte Ehrenbürger der Stadt Korbach. Das vielseitige Interesse Varnhagens wird beispielhaft deutlich an einem Aufsatz mit dem Titel Ist der Vorwurf gegründet, dass der übermäßige Kartoffelanbau den Verfall des Ackerbaues und den Ruin der Mühlen nach sich ziehe?, der in den Hessischen Beiträgen zur Gelehrsamkeit und Kunst in Frankfurt am Main erschien. 1786 stirbt seine erste Frau. Varnhagen heiratet erneut. 1793 hält er am Neujahrstag Abschiedspredigten in Wetterburg und Braunsen, da er einer Berufung nach Nieder-Wildungen folgt. 1805 wird er Pfarrer in Helsen. 1815 soll er zur St. Kilianskirche nach Korbach wechseln. Kurioserweise stellt sich heraus, dass die Korbacher ihren Ehrenbürger als Seelsorger nicht haben wollen.

Erst nach einem Machtwort des Fürsten ernennt ihn das Konsistorium gegen den Willen der Bürger zum Pfarrer an St. Kilian und gleichzeitig zum Scholarchen des Landesgymnasiums. 1816 wird Varnhagen Kircheninspektor der Diözese Eisenberg-Lichtenfels. Im August 1822 erfolgt seine Ernennung zum Kirchen- und Schulrat und im gleichen Jahr die Promotion zum Doktor der Theologie an der Universität Marburg. Am 28. Juni 1829 stirbt Adolph Varnhagen im Alter von 72 Jahren in Korbach. Seine umfangreichen Sammlungen sind noch heute unerschöpfliche Quellen für die regionale Geschichtsforschung.

Die Serie

Straßennamen sind wichtig. Nicht nur, weil durch sie dem Ortsunkundigen, der Post, dem Paketzusteller, dem Arzt, dem Rettungsdienst und Lieferanten das Auffinden bestimmter Personen erleichtert wird. Sie ermöglichen den Anwohnern auch eine gewisse Identifikation. Mögen sich Nachbarn noch so sehr von einander unterscheiden, eins verbindet sie: Sie alle sind Bewohner der gleichen Straße. Straßennamen hat es nicht immer gegeben. Offiziell wurden sie in Korbach erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin gab es viele namenlose Straßen. Natürlich hatte man Standortbezeichnungen schon früher. Sie waren aber recht allgemeiner Art: An der Neustädter Kirche etwa, oder Am Markt. Andere bezeichneten ein ganzes Stadtviertel. Flurname oder Zielort Bei der Namengebung griff man zurück auf Flurbezeichnungen (Am Waldecker Berg) oder auf die Lage der Straße (Oberstraße).

Die Ausfallstraßen bezeichnete man nach ihren Zielorten (Wildunger Landstraße). Viele Straßen tragen aber auch den Namen einer bekannten oder bedeutenden Persönlichkeit, von Stadtältesten oder Ehrenbürgern. Bei Vergabe von Namen aus Politik und Regierung ist man heute in Korbach vorsichtig geworden, um späteren Umbenennungen aus dem Weg zu gehen. So wurde aus dem Adolf-Hitler-Platz nach 1945 wieder der Berndorfer Torplatz, aus der Litzmannstraße die Friedrichstraße, aus der Hindenburgstraße wieder wie früher die Bahnhofstraße. Zur Diskussion standen nach 1945 auch die an Kriegsschauplätze des Ersten Weltkrieges erinnernden Skagerrakstraße, Langemarckweg und Flandernweg. Neue Namen mussten her Die enorme Entwicklung der Stadtbebauung nach dem Zweiten. Weltkrieg brachte es mit sich, dass zahlreiche neue Straßen entstanden. Sie alle brauchten neue Namen. So entstand ein Blumenviertel, in jüngster Zeit auch ein Dichterviertel. Zahlreiche westdeutsche Städte, in die es einst Korbacher verschlagen hatte, standen Pate, aber auch mitteldeutsche Städte. Auch ehemalige ostdeutsche Städte und Gebiete, aus denen viele Korbacher Neubürger vertrieben worden waren, gaben neuen Straßen ihre Namen.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer eine Serie über die Namen Korbacher Straßen verfasst. Diese ist ab April 2001 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen.