Ackerbürgermuseum Grebenstein

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Ackerbürgermuseum in Grebenstein

Sehenswert in der Grebensteiner Altstadt ist das Ackerbürgermuseum in einem restaurierten diemelsächsischen Fachwerkhaus aus dem frühen 15. Jahrhundert (Schachtener Str. 11).

Im Museumsgebäude "Haus Leck" erhalten Besucher in Deele, Stallungen, Küche, Wohn- und Schlafstube zahlreiche Informationen über das Wohnen und Arbeiten der Ackerbürger im 19. Jahrhundert.

Gegenüber befindet sich das weitere Museumsgebäude "Alte Meierei" im ehemaligen Hofgut des Landgrafen von Hessen.

Museumsleiter ist Wolfgang Tölle.

Bauwerk und Geschichte

Museumsgebäude sind das "Haus Leck" (im Jahre 1431 erbaut und eines der ältesten Fachwerkhäuser in Hessen) und die "Alte Meierei".

Im Jahre 1966 wurde in "Haus Leck" erstmals ein Museum eingerichtet, das wieder geschlossen wurde. Im Jahre 1980 übernahm die Stadt Grebenstein das Haus mit der Museumseinrichtung, bevor das Haus im Jahre 1984 als " Ackerbürgermuseum Grebenstein" nach umfangreichen Dachsanierungen eröffnet wurde. Ab September 1999 standen erneut Sanierungsarbeiten und eine vorübergehende Schließung an, bevor das Ackerbürgermuseum zum Internationalen Museumstag am 12. Mai 2002 wieder eröffnet wurde.

Im Gebäude "Alte Meierei" (erbaut um 1780) ist ein ehemaliges Hofgut der Landgrafen von Hessen und wurde erstmals 1370 erwähnt. In seiner heutigen Form wurde das Haus im Jahre 1780 errichtet und dient nach Übernahme im Jahre 1982 durch die Stadt Grebenstein für Sonderausstellungen und Dauerausstellungen zur Stadtgeschichte.

Dauerausstellung

Ständige Ausstellung in "Haus Leck"

Wohnen und Arbeiten der Ackerbürger im 19. Jahrhundert: Deele, Stallungen, Küche, Wohn-Schlafstube, Gute Stube, Schuhmacherei, Flachsverarbeitung, Grebensteiner Zünfte, Stube des Oberzunftmeisters, Dokumentation über Fachwerkhäuser in Grebenstein, Puppenstube von 1880.

Ständige Ausstellung in der "Alten Meierei" (Eingang Schachtener Str. 4)

  • Burg Grebenstein
  • Garnisonsstadt Grebenstein
  • Zünfte in Grebenstein
  • 1. Kurh. Eisenbahn 1848
  • 600-Jahr-Feier 1924
  • Amt Grebenstein

Sonderausstellungen und Veröffentlichungen

(eine Auswahl)

Ausstellungen im Ackerbürgermuseum

9500 Liter Bier für Krieg

Volker Fiedler spendet alte Biergläser fürs Museum - Früher zwei Brauereien in der Stadt

Grebenstein. "Ein Großes oder ein Kleines?" Wer heute in Gaststätten ein Bier bestellt, hat, wenn denn überhaupt, nur die Auswahl zwischen zwei Größen.

Vor 100 Jahren war dies noch ganz anders. Da konnten die weniger Durstigen Gerstensaft aus einem Glas mit der Aufschrift 3/20 Liter trinken, während sich die Durstigen ein 7/20-Glas oder eine noch größere Einheit genehmigten. Einige dieser Gläser sind nun im Grebensteiner Ackerbürgermuseum zu sehen.

Volker Fiedler schenkte seine einmalige, private Sammlung Grebensteiner Biergläser dem Museum. Es sind elf Gläser, die aus der Zeit von 1890 bis etwa 1920 stammen - alle aus Grebensteiner Gastwirtschaften.

Einige Gläser tragen den Eindruck von W. Jeppe, L. Raacke, Jean Schmidt und C. Suchier, alles Grebensteiner Gastwirtschaften. Denn gastronomisch ging es Grebenstein einst gut, wie Museumsleiter Wolfgang Tölle weiß. Um 1900 gab es zwölf Gastwirtschaften und mit Raacke und Jeppe zwei Brauhäuser.

Doch die Geschichte des Grebensteiner Bieres ist wesentlich älter. Vermutlich seit Gründung der Stadt wurde eigenes Bier gebraut. Bereits 1340 wird berichtet, dass jedes Jahr vom Breitenborn (Kressenbrunnen ) auf die Burgküche Kresse als Geschenk abzuliefern ist. Die Überbringer bekamen als Wegzehrung einen "Humpen Bier".

Nicht als Geschenk, sondern als Abgabe diente das Getränk 100 Jahre später. 1476 beim Kriegszug des Landgrafen von Hessen gegen Volkmarsen mussten die Grebensteiner zum Feldzugsproviant zehn Fuder Bier (etwa 9500 Liter) zur Verfügung stellen. Das Grebensteiner Getränk hatte übrigens einen guten Ruf. 1697 schrieb beispielsweise J. J. Winckelmann: "Das Grebensteiner Bier ist wegen der Brunnenkrässen ein gesundes Bier und von dergleichen Wirkung."

Gesund war es wohl auch für die private Haushaltskasse manch landgräflicher Beamten. Zumindest gab es 1731 Beschwerden vom Rat der Stadt Grebenstein bei der Regierung in Kassel: Die Beamten würden sich Braurecht erschleichen und den Bierverkauf auf eigene Rechnung machen, so der Inhalt.

Die Folge: Die Beamten traten verbotenerweise als Konkurrenz zu den örtlichen Brauern auf. Und das konnte der Stadt nicht recht sein, zahlten die Brauer doch für die Erlaubnis Bier herstellen zu dürfen, Pacht an die Stadt.

Zwischen einer und zwei Brauereien gab es in den folgenden Jahrzehnten in der Stadt. Die eine hatte ab 1855 Friedrich Raacke in der Untersten Marktgasse (ehemalige Getreide Kontor Rödding, Bahnhofstraße) gepachtet. Auch die Gastwirtschaft am Marktplatz gehörte der Brauerei Raacke. Der Standort des zweiten städtischen Brauhauses war wohl in der ehemaligen Brauerei Jeppe in der Oberen Schnurstraße 26. 1903 war es vorbei mit dem Bierbrauen. Die Gastwirtschaft wurde an Friedrich Werner verpachtet, und es wird etwas später eine Niederlassung der Herkules Brauerei Kassel mit Eiskeller. 1934 wird hier der Bierverlag Kramm gegründet. (eg/mrß)

Artikel aus HNA-online vom 23.9.09

Die 1930-er Jahre in Grebenstein

Die Sonderausstellung "Die 1930-er Jahre in Grebenstein" zur Zeit des Nationalsozialismus in Grebenstein wird in der Alten Meierei vom 15. November 2012 bis 15. März 2014 gezeigt (geöffnet: sonntags 15 - 17 Uhr).

Die Ausstellung zeigt mit zahlreichen Fotos, Dokumenten und Gegenständen, wie sich die Ideologie des Nationalsozialismus damals in den Alltag einschlich und sich kaum jemand gegen diese politische Vereinnahmung wehrte.

45 Besucher besichtigten nach einem Artikel in HNA-online vom 21.11.2012 [1] die Ausstellung in der Alten Meierei bereits am Eröffnungstag. Dabei gab es großes Lob, dass der Förderverein des Museums den Mut gehabt habe, das Thema anzugehen. Gleichzeitig war das Museum schon bei der Materialsammlung und Recherche für die Ausstellung mit Ablehnung konfrontiert. Denn jede Familie war irgendwie betroffen.

Die Ausstellung dokumentiert, wie der Machtapparat der Hitler-Diktatur sich bis ins kleinste Dorf, in jede Familie vorarbeitete, von der Schule über die Vereine bis zu Festen und Veranstaltungen das Verhalten der Menschen beeinflusste und regelte.

Aufschlussreich ist die Ausstellung übrigens nicht nur für Grebensteiner. Denn die Fotos und Schicksale stehen symbolisch auch für manch andere Stadt und Gemeinde.

(siehe dazu auch den Artikel Jüdische Gemeinde Grebenstein)

Zur Eisenbahn-Geschichte

Eine weitere sehenswerte Ausstellung gab es in der Zeit vom 24.10.1982 bis 15.2.1983 im Grebensteiner Ackerbürgermuseum mit dem Titel: "Friedrich-Wilhelms-Nordbahn: 1. Kurhessische Eisenbahn 1848, Carlshafen-Grebenstein-Cassel" mit einer Darstellung zur Geschichte der Eisenbahn in Grebenstein in den Jahren 1848-1875 und zum Grebensteiner Bahnhof.

(siehe dazu auch den Artikel Bahnhof Grebenstein)

Veröffentlichungen zur Grebensteiner Stadtgeschichte

Der Förderkreis des Ackerbürgermuseums Grebenstein e. V. ist Herausgeber verschiedener Veröffentlichungen zur Grebensteiner Stadtgeschichte, darunter:

  • Dragoner und Husaren in Grebenstein 1763 - 1870
  • Fachwerkhäuser in Grebenstein
  • Die Erste Kurhessische Eisenbahn 1848 Cassel – Grebenstein "Friedrich-Wilhelms-Nordbahn"
  • Grebensteiner Stadtgeschichte mit Beilage

Lied: Mein Grebenstein im Hessenland von 1924

  • Festplakat zur 600 Jahrfeier von 1924 ( Nachdruck )

Weitere Informationen zur Stadtgeschichte

Sehr ausführliche Darstellungen und Informationen präsentiert Achim Hähnert auf seiner Website unter dem Titel: Meine Stadt Grebenstein und ihre Geschichte.

siehe auch

Weblinks und Quellen


  1. HNA-online vom 21.11.12: Ausstellung sorgt für Debatten