Abendmahlsgerät

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Christliche Tradition eines ganzen Dorfes

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Wenn man hinter die Tür der Kirche in Dankelshausen blickt, warten dort gleich drei kleine Schätze, auf die der Gottesdienstbesucher vielleicht gar nicht so sehr achtet. Dabei spielen sie bei jedem Abendmahl eine zentrale Rolle. Die Oblatendose, der Kelch und die Patene, eine Art Teller für Oblaten, sind in der Kirche schon seit dem frühen 18. Jahrhundert als liturgische Geräte im Einsatz. Die Oblatendose aus Silber ist vermutlich das älteste Stück. Angefertigt wurde sie 1705 von Christian Kretzer in Hildesheim, sechs Jahre später war sie dann in der Gemeinde Dankelshausen in Gebrauch. Sie war ein Geschenk von Catharina Lucia Oppermann - eine schmale Inschrift zeugt noch heute von der wohltätigen Stifterin. Auf der Dose ranken sich üppig Blätter und Blüten. „Genauso wie die Blüten für die Fülle des Lebens stehen, repräsentieren die Hostien, die in der kleinen Dose gelagert werden, das Brot des Lebens“, erläutert Pastor Horst Metje. Der Kelch, zweites Stück des „Abendmahlensembles“, stammt aus dem Jahre 1735, war ursprünglich für eine Garnison in Hannover angefertigt worden und unter Pastor O. A. Wöhrmann in dieser Militärkirchengemeinde im Einsatz. Gefertigt wurde der Kelch in Frankfurt am Main von Philipp Heinrich Schönling. Wie er dann nach Dankelshausen gelangte, ist nicht klar. Fest steht nur: Seit dem 18. Jahrhundert trinkt die Dankelshäuser Gemeinschaft aus diesem vergoldeten Gefäß. Von der Patene empfängt das Dorf ebenfalls seit dieser Zeit Oblaten, den symbolischen Leib Christi. Der vergoldete Teller wurde in Kassel von Johann Hermann Riese angefertigt. „Dadurch, dass schon so viele Generationen von Gemeindemitgliedern das Abendmahl mit diesen Geräten gefeiert haben, stiftet das Abendmahl nicht nur unter den jetzigen Gottesdienstbesuchern Gemeinschaft, sondern versinnbildlicht diese Gemeinschaft über die Jahrhunderte hinweg“, sagt Horst Metje. Außerdem zeugten die wertvollen Gerätschaften davon, welchen hohen Stellenwert das Abendmahl einst für die Gottesdienstbesucher gehabt habe. Wer weiß: Vielleicht wird jetzt dem einen oder anderen Gottesdienstbesucher bewusst, dass schon seine Vorfahren aus demselben Kelch tranken. Und dass dereinst seine Nachfahren ihre Oblate aus der alten Dose empfangen werden. (yvz)