A - 0 Kasselänsche Kramaddik

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Auf dieser Seite sollen allgemeine Besonderheiten erkennbarer Regelhaftigkeit unserer Kasseler Mundart gesammelt werden, die über die lexikalische Sammlung hinausgehen. Jeder ist eingeladen, diese Sammlung zu ergänzen !

--Nächels Ärrer

- 1 - Das Füllwörtchen "en"

Beispiel: "Honn se dann diss Johr öh Erwessen gehadd?" (Hatten sie denn in diesem Jahr auch Erbsen?) "Joh, se honnsEN sohd." (Ja,sie haben genug=[satt]) "Mäh kunnsEN enn joh welche gegähn." (Wir können ihnen ja welche geben)

Vielleicht bedeutet dieses "en" soviel wie "davon" .Oder ist das Füllsel nur zur Verbesserung des Sprachflusses eingefügt ?

Nein, es beutet "ihnen", in den Beispielen: Sie haben es ihnen satt '("sie haben es satt" "es ist ihnen genug" und beim zweiten Beispiel:enn als Verstärkung und Betonung des kunnsEN "können ihnen". (Man denke auch an den Spruch "Mä honns, mä konns" wir haben es, wir können es))

- 2 - Die Füll-Silbe "ge-"

(nicht zu verwechseln mit der Perfekt – Vorsilbe „ge-„ !)

Beispiel:

"Diss kannsde GEschprehn" (Das kannst du (wohl) sagen!) "Me well's kümme GEglöhwen" (Man möchte es kaum glauben.) "Me sillde GEdööcht honn...) (Man sollte gedacht haben..) "Äss hätte deffen GEkummen sinn." (Sie hätte [ruhig] gekommen sein dürfen) „Lossed’s blohs kinn’ GEwissen“ (Lasst das bloß niemanden wissen) Auffällig der Gebrauch dieses Einschubs nach Hilfsverben. Das könnte auf die Bedeutung hinweisen, dass "GE" einen Infinitiv (wie "zu") einleitet. Jedenfalls findet dadurch eine besondere Betonung des Verbs statt.

- 3 - Umkehrung der Wort-Satz-Stellung

Beispiel:

"Mäh hädden inns sillen heem gemahn." (Wir hätten heimgehen sollen.) Die Umkehrung der Satzglieder (hier: Hilfsverb vor Verb) kommt regelmäßig vor. "Däh häddet können angepacket honn" (Ihr hättet angepackt haben können.)

Vergleiche im Englischen die Inversion von Verb zu Hilfsverb [You should have returned.]

- 4 -

Man kann feststellen,dass selbst unter den reinen Mundartsprechenden ältere Leute zahlreiche Wörter anders aussprachen als die jüngere Dialekt-Generation.

Eine Art "Lautumwandlung" einer Starkform zu einer Schwachform, die sich dem Hochdeutschen annähert.

Beispiele : (Alt > Jung)

4.1."-rr-" wird "-ss-"

"Mäh murren heem" > " Mä missen heem."

"Däh lorret diss izze sinn." > " Däh losset diss jezze sinn"

"Ärres dann wohr ?" > " Ässes dann wohr?"

4.2. "-ö-" wird zu "-au-"

"Mahd däh dann öh Ohmaren diss Johr?" > "Mached däh dann au Omahden diss Johr ?"

"Ämme äss woss ins Öhje geflochchen." > "Ämme äss woss ins Auche geflochchen"

4.3. "-ü-" wird zu "-u-"

"Hüss" > "Huss"  ; "Kardüffel" > "Kaduffel"

"'nüss" > "'nuss"

4.4 "-r-" wird zu "-d-"

"Liehre" > "Liehde" (Leute)  ; "miehre" > "miehde" (müde)

"Siehre" > "Siehde" (Seite)  ; "schnieren" > "schnieden" (schneiden)


--Nächels Ärrer 12:49, 22. Jan. 2011 (CET)