AEG

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Am 13. Dezember 2002 stellt das AEG-Hausgerätewerk in Bettenhausen nach über 50 Jahren die Produktion ein.

Gründung

In der Schrift von Kurt Klehm aus dem Jahr 1956 zum Jahrestag der 50-jährigen Eingemeindung Bettenhausens ist folgendes nachzulesen:

"Die AEG gründete im August 1948 auf dem Gelände der ehemaligen Junkers-Flugzeug- und Motorenwerke in der Lilienthalstraße eine Fabrik, die zunächst Hochspannungs-Schaltgeräte herstellte. Im Laufe der nächsten Jahre wurde außerdem die Produktion von Fahrkartendruckern, technischen Isolierstoffen und Kühlschränken aufgenommen. Der Beginn des Großschalterbaus machte die Errichtung einer Versuchsanstalt erforderlich, die unter dem Namen "AEG- Hochspannungsinstitut" im Jahre 1952 fertiggestellt und eingeweiht wurde. Das Hochspannungsinstitut gilt als eines der modernsten und größten Versuchsfelder dieser Art in der Welt. Heute (1952) beschäftigt die AEG-Fabrik in Kassel-Bettenhausen über 3000 Menschen, von denen eine erhebliche Anzahl in Bettenhausen ansässig ist. Die AEG hat mit ihrem Aufbau und ihrer Entwicklung in den Jahren seit der Währungsreform zweifellos maßgeblich zum wirtschaftlichen Aufschwung des Stadtteils Bettenhausen beigetragen".

Fahrkartendrucker-Produktion

Anfang der 50er Jahre wurde die Produktion von Fahrkartendruckern aufgenommen und 1983 eingestellt, da die Computer-Technik diese mechanischen Drucker ersetzte.

Hochspannungstechnik

Die Hochspannungstechnik wird heute von dem weltweit arbeitenden Konzern AREVA betrieben.

Isolierstoff-Produktion

Die ehemalige Isolierstofffabrik (IF) wurde in den 60er Jahren in die Leipziger Straße (ehemalige Wollwäscherei) ausgelagert, 1972 als Tochterunternehmen AIK (AEG Isolier-und Kunststoffe)nach Waldau verlegt, nach mehreren Eigentümerwechseln wurde sie 2003 geschlossen.

Kühlschrank-Produktion

Zusammenfassung

Die Geschichte des AEG-Hausgerätewerks in Kassel währte gut 50 Jahre. Rund 16 Millionen Kühlschränke wurden in dieser Zeit gebaut. Hier einige Schlaglichter:

  • 1950 wird die Produktion vom schwäbischen Backnang auf das Gelände der früheren Junkers Flugmotoren-Werke an der Kasseler Lilienthalstraße verlagert.
  • 1952 erfinden Kasseler AEG-Ingenieure das Einbau-Kühlgerät.
  • 1960 wird die Kapazität des Werkes erweitert. Eine 8500 Quadratmeter große Produktionshalle entsteht.
  • ab 1968 wird am Standort Kassel eine neue Kühlschrank-Isolierung entwickelt. Als Isoliermaterial löst Styropor die Stein- und Glaswolle ab.
  • 1975 entstehen weitere Produktionshallen.
  • 1982 erleben die AEG-Beschäftigten ihre bis dato schwärzeste Stunde. Das Unternehmen muss Vergleich anmelden.
  • 1991/92 beschert die deutsche Wiedervereinigung dem Werk einen Auftragsboom. Über 600000 Geräte werden hergestellt. Das Fließband wird durch ein fahrerloses Transportsystem ersetzt.
  • 1995 übernimmt der schwedische Electrolux-Konzern das Werk. Es folgt eine Rosskur: Von den 1200 Beschäftigten im Jahre 1991 bleiben nur rund 400 übrig.
  • 14.Dezember 2001 Electrolux verkündet das Aus für das AEG-Werk.

Entwicklung

Hausgeräte werden von der AEG bereits seit 1889 produziert. Begonnen mit der Kühlschrankproduktion wurde im Jahre 1927 in den AEG-Fabriken Henningsdorf mit der Fertigung der ersten Kompressoren, die dann in Schränke einer anderen AEG-Tochter – SANTO – eingebaut wurden. Kurz vor dem Kriege 1938/39 wurde erstmalig ein hermetisch gekapselter Kompressor auf den Markt gebracht, bei dem Kompressor und Motor eine eng verbundene Einheit bilden, so wie wir es auch heute noch bei Haushaltskühlschränken kennen. Die Schrankgehäuse waren im Vergleich zu heute noch ausgesprochene "Geldschränke". Sie bestanden aus Stahlblech, hatten Emaille-Innenbehälter und die Isolation bestand aus mit Bitumen vernetztem Korkschrott oder Stein- oder Glaswolle.

Nach Verlegung der Produktion nach Radeberg in Sachsen im Jahr 1942, der vollständigen Demontage 1945, wurde 1946 in bescheidenem Rahmen wieder mit der Reparatur von Kühlschränken in Helmbrechts begonnen. Als eigentlicher Wiederbeginn der Kühlschrankfertigung kann das Jahr 1949 mit dem Start in Backnang bei Stuttgart angesehen werden.

Im Jahre 1950 erfolgte dann die Verlagerung der Fertigung nach Kassel, wo die AEG das Gelände der früheren Junkers-Flugmotoren GmbH übernommen hatte. Im Bau 5, in dem sich heute noch Lager-, Verwaltungs- und Labor-Räume befinden, begann der Ausbau der mechanischen Fertigung, die Montage von Kompressoren und Kühlmaschinen. Der Einbau dieser Kühlaggregate erfolgte zunächst in fremdbezogene Gehäuse.

Die 50-er Jahre zeichneten sich durch eine stürmische technische Entwicklung und Programm-Erweiterung aus. Im Jahr 1952 wurde in Kassel die Idee geboren, Hausgeräte in einer Einbauversion anzubieten. Die ersten auf dem Markt erschienenen Einbaugeräte waren also Kühlschränke aus Kassel. Sie waren der Grundstein für den ganz besonderen Erfolg auf diesem Sektor.

1953 wurde vom bis dahin üblichen Kältemittel SO2 (Schwefeldioxid) auf die physiologisch ungefährlichen Frigene umgestellt. Die Anfänge einer eigenen Gehäusefertigung fallen in die Jahre 1957/58. Diese Fertigung wurde beeinflusst durch die immer stärkere Ausbreitung von thermo-plastischen Kunststoffen. So war die AEG der erste Hersteller in Deutschland, der Kühlschränke mit Styropor isolierte. Die Wiege des modernen kunststoffisolierten Kühlschrankes stand daher bei AEG-TELEFUNKEN in Kassel.

Damit verbunden war die Umstellung der Innenbehälter von Stahl, emailliert, auf vakuumgezogene Kunststoff-Teile. Der Anfang war mit 7.500 Stück im Jahr recht bescheiden. Die ständig steigenden Stückzahlen erforderten den Bau einer neuen Halle in der Größe 100 x 85 m und 8 m Höhe, die nach ihrer Fertigstellung 1960 in Betrieb genommen wurde. In diese Zeit fällt auch die Umstellung auf moderne Fertigungsmethoden, Transfer-Straßen und verkettete Einzweckmaschinen sowie Montage-Fließbänder, mit dem Ziel eines möglichst schnellen Materialdurchflusses unter Ausschaltung unnötiger Transporte.

Die Weiterentwicklung der Isolierstoffe führte im Jahre 1968 zur Umstellung auf Hartmoltopren. Sie ergab durch ihren höheren Isolationswert größere Nutzvolumen bei gleichen Außenmaßen. Weiterhin wurde eine Blechfertigung mit modernsten Fertigungsstraßen und elektrostatischer Lackieranlage für Seitenbleche und Türen geplant. Der notwendige Erweiterungsbau mit einer Fläche von ca. 5.000 m 2 wurde in 1970 erstellt und 1971 in Betrieb genommen. Neben der Schaffung neuer Lagerflächen werden schließlich 1974 noch weitere 3800 m2 Fertigungsflächen für die mechanische Fertigung erstellt, so dass die Fabrik 1977 eine gesamte Fertigungsfläche von 28.000 m2 und 1988 eine solche von 45.000 m2 auf einem Werksgelände von ca. 100.000 m2 verfügte. 1985 war noch ein neues Versandlager mit 6.000 m2 errichtet worden.

Intensiv arbeitete die AEG nach der Ölkrise an energieeinsparenden Maßnahmen, so konnte der Energieverbrauch eines Gerätes von 1976 bis 1988 auf ein Drittel reduziert werden. 1988 arbeiteten hier 950 Menschen, knapp die Hälfte davon waren Frauen, ein Viertel waren Ausländer. 1982 hatte das Unternehmen Vergleich angemeldet und wurde vorübergehend saniert.

Durch die deutsche Wiedervereinigung erlebte das Werk noch einmal einen Auftragsboom, es wurden 600000 Geräte produziert, das Fließband wird durch ein fahrerloses Transportsystem ersetzt.

1994 wird die AEG-Hausgeräte-AG verkauft, Elektrolux übernimmt 1995 die Fertigungsstätte für Kühl– und Gefriergeräte in Kassel, es werden 800 Arbeitnehmer entlassen, die Produktion wird in ein Land mit niedrigerem Lohnniveau verlagert. Am 13. Dezember 2002 wird das Werk endgültig geschlossen und weitere 400 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit.

--Falk D. Urlen 17:46, 5. Feb 2008 (CET)