50 Jahre Berliner Mauer

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Darstellung der Mauer in Berlin Quelle: DPA u. HNA SonntagsZeit spezial 7./8. November 2009

Vor 50 Jahren in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 wurde die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland in Berlin errichtet und trennte das Land die Stadt und die Menschen voneinander. Die politische Führung des SED-Regimes riegelte die Westsektoren Berlins vom Ostteil der Stadt und der DDR ab und errichtete ein Grenzbefestigungssystem, das Deutschland für 28 Jahre teilen sollte.

Die Mauer ist weg

  • HNA Bericht von Andreas Heimann am 21.05.2011

Die Mauer ist weg – aber alle wollen sie sehen.[1]

  • Mehr als 20 Jahre nach der Friedlichen Revolution, die sie zu Fall gebracht hat, und 50 Jahre, nachdem sie am 13. August 1961 gebaut wurde, ist von ihr fast nichts mehr übrig. An den wenigen Resten drängeln sich die Touristen. Die Mauer, die Berlin 28 Jahre lang auf einer Länge von 160 Kilometern abgeriegelt hat, ist zur Sehenswürdigkeit geworden. Der „Mauerweg“ folgt ihren Spuren.
  • Die Mauer trennte Nachbarn und Familien
Gedänkstätte Berliner Mauer Bernauer Str. in Berlin

Ein guter Startpunkt ist die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße 111. Hier waren die Folgen des Mauerbaus besonders drastisch. Die Mauer trennte Nachbarn und Familien, die nur wenige Häuserblöcke voneinander entfernt wohnten. Heute ist in dem Dokumentationszentrum unter anderem eine Ausstellung mit historischen Fotos zu sehen. Sie zeigen, wie das Brandenburger Tor im August 1961 mit Stacheldraht verschlossen wurde, wie Berliner gegen den Mauerbau protestierten oder wie sich Bekannte verzweifelt über die Absperrungen hinweg die Hand reichten.
Dass die Grenzanlagen schon bald viel mehr als nur eine Mauer waren, lässt sich eindrucksvoll beim Blick von der Aussichtsplattform über das Außengelände erkennen.
In Friedrichshain ist die Mauer bunt: Nicht weit entfernt vom Ostbahnhof steht entlang der Spree das mit 1,3 Kilometern längste erhaltene Mauerstück. East Side Gallery heißt es, weil hier die östliche Seite der Mauer von 118 Künstlern aus 21 Ländern bemalt wurde. Vom Februar bis September 1990 durften sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Viele Besucher lassen sich davor fotografieren.
Die Mauer hat hier ihren Schrecken verloren, weil sie zum Kunstwerk geworden ist. Die Motive spiegeln die Euphorie und Aufbruchstimmung der Zeit wieder, als die Mauer gefallen und der Kalte Krieg zu Ende war: Ein Bild zeigt Stacheldraht, über dem die Sonne aufgeht, ein anderes die Friedenstaube, die die Kette eines Häftlings hält. Manche Bilder sind weltberühmt geworden – wie der Bruderkuss zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker des russischen Künstlers Dmitri Wladimirowitsch Wrubel mit dem Titel „Mein Gott, hilf mir diese tödliche Liebe zu überleben“.
Der Mauerweg führt auch am Reichstag vorbei: In der Ebertstraße, Ecke Scheidemannstraße, ist eine Reihe von weißen Kreuzen zu sehen, die an die Opfer der menschenverachtenden Grenze in Berlin erinnern. Noch immer stehen brennende Kerzen und Blumen vor den Kreuzen.
Touristischer Hotspot für Mauertouristen ist der Checkpoint Charlie in Kreuzberg, der ehemalige Kontrollpunkt von West- nach Ostberlin. Hier standen sich Ende Oktober 1961 russische und amerikanische Panzer direkt gegenüber – 16 Stunden hatte die Welt Angst vor einem neuen Krieg.
Vor dem 1962 gegründeten Mauermuseum, 100 Meter weiter, ist ein kleinen Stück Original-Mauer ausgestellt – und auch ein Original-Grenzpfahl. Das weiße Häuschen des Kontrollpunktes auf der westlichen Seite ist wieder aufgebaut worden. Davor schwenken Junge Männer in US-Uniform dekorativ die amerikanische Flagge. (tmn) Von Andreas Heimann

14. Juli 1961 in der Berliner Morgenpost

Presseberich am 14. Juli 1961 in der Berliner Morgenpost

Endlich sagen dürfen was man wirklich denkt.

Original-Laufzettel Notaufnahmeverfahren Lager Berlin-Marienfelde in der Zeit von 07.Juli bis 18.07. 1961.

Fast jeder hat einen anderen Anlaß zur Flucht

Mit einem Packen weißer und blauer Zettel in der Hand stehen sie an den Schaltern, laufen sie über Flure, klopfen sie an Bürotüren. Sie gehen zu Schirmbildaufnahmen und zur ärztlichen Untersuchung, sie holen ihre Mahlzeiten. Und den Rest des Tages sitzen sie irgendwo auf einer Bank im Notaufnahmelager Berlin Marienfelde und warten: Männer, Frauen und Kinder aus der Sowjetzone, die in diesen Tagen zu Tausenden nach Berlin gekommen sind.

Vor dem Eingang an der Marienfelder Allee stehen sie in langen Schlangen. Im Warteraum gibt es keinen freien Stuhl. Hochbetrieb bei den Lagerärzten, dauerndes Telefongeklingel beim Lagerleiter. Das Notaufnahmelager ist eine kleine Stadt für sich. Es wird aber auch Ausgangspunkt für ein neues Leben, einen neuen Anfang. Arbeiter, Angestellte, Akademiker, Studenten und Hausfrauen sind es, die - oft nur mit einem Koffer oder einer Tasche – nach Berlin gekommen sind. Babys in Kinderwagen, die neugierig in die neue Umgebung sehen, Jungen, die sich auf den Straßen des Lagers mit Gleichaltrigen um einen Fußball balgen, Ältere, die schon ein wenig nachdenklich die Sorgen der Eltern teilen.


Fast jeder hat einen anderen Anlaß zur Flucht – doch der Grund ist überall der gleiche: „Mal sagen dürfen, was man denkt ohne daß gleich ein Spitzel in der Nähe ist“.


Der angekündigte Friedensvertrag Chruschtschews mit der Sowjetzone hat vielen letzten Anstoß zur Flucht gegeben. „Man munkelt drüben, daß der Vertrag schon am 1. August unterzeichnet werden soll. Dann kommen wir nicht mehr ´ raus. „Deshalb haben wir schnell gemacht, dass wir wegkamen“


„Ich sollte in die Armee“


Da ist der 18jährige Zimmermann aus einem kleinen Ort bei Cottbus, Ich soll in die Armee. Da habe ich nicht mehr mitgemacht. Mit einem Freund bin ich einfach getürmt“. Und die Eltern die noch drüben sind ? „Denen wird hoffentlich nichts passieren.


„Ich will meine Kinder religiös erziehen“, sagt ein Arbeiter aus Güstrow, „Sie sollen an Gott glauben und keine Kommunisten werden. Das dürfen sie drüben nicht – deshalb mussten wir weg“.


Hunger hatte der 19 Jahre alte Tischler aus dem Harz.


„Wenn man in Urlaub fährt, muss man Margarine essen. Butter gibt´s nur in den Geschäften am Heimatort, in denen man eingetragen ist.“


Der junge Mann fuhr in den Ferien an die Ostsee. Er löste eine Rückfahrkarte über Berlin. Drei Tage ist er jetzt hier.


Parteilos ohne Chancen


„Wenn man nicht in die Partei geht, kommt man drüben zu nichts“ sagt ein anderer junger Mann. „Deshalb konnte ich nicht studieren.“

Endlich frei zu sein – das genießen die vielen tausend Menschen aus der Zone in Marienfelde schon in den ersten Stunden. Gewiss, sie müssen bis zum Abflug warten und tausend Formalitäten erledigen. Doch sie haben Geduld. „Es wird schon werden“, sagen sie zuversichtlich. „Das Schlimmste haben wir jedenfalls überstanden.“ (Chris)

Grenzdurchgangslager Friedland

Ganz wesentlich wurde die Nachkriegsgeschichte der Gemeinde Friedland von Flüchtlingen aus Osteuropa geprägt. An das Grenzdurchgangslager Friedland, das heutige Integrationszentrum und die Nachkriegsjahre erinnert das Friedland-Mahnmal, das auch im Wappen der Gemeinde symbolisiert wird.

siehe auch

Weblink

  1. Die Mauer ist weg – aber alle wollen sie sehen.
Geschichte Deutschland bis zum Mauerbau – Der Weg zum Mauerfall

14. Juli 1961 Berliner Morgenpost | Mauerbau 1961 | Die Mauer | Geschichte 1961 - 1988 | 9. November 1989 | Mauerfall - ab nach Kassel | 50 Jahre Berliner Mauer |