1993

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Wähler fegen die Genossen weg

Epochenbruch in der Kasseler Kommunalgeschichte: Die Wähler wenden sich in Scharen von der SPD ab und machen den Christdemokraten Georg Lewandowski zum neuen Oberbürgermeister.

Kommunalwahlsonntag, 7. März 1993: Um 18.16 Uhr fließen im Kasseler Rathaus bei den Genossen die ersten Tränen. Die Ergebnisse aus den Stadtteilen signalisieren den Epochenbruch. Fast atemlose Stille. Schock. Was in den nächsten Minuten passiert, werden Kassels Sozialdemokraten wohl nie vergessen. Sie sind Zeugen der eigenen hemmungslosen Demontage. "Ich weiß nicht mehr, was ich sagen soll", meint Stadtverordnetenvorsteher Günter Kestner. Oberbürgermeister Wolfram Bremeier (SPD) wartet in seinem Dienstzimmer auf den Zwischenstand.

Dann ist klar: ein politischer Erdrutsch hat die SPD hinweggefegt. Erstmals nach dem Krieg ist sie nicht mehr regierungsfähig. Die SPD verliert 20,7 Prozentpunkte. Stürzt von ihrer absoluten 50,5-Prozent-Mehrheit auf Platz zwei im Rathaus: 29,8 Prozent. Die CDU wird mit 36,9 stärkste Partei, die Grünen landen mit 14 Prozent auf Rang drei, 7,7 Prozent votierten für die FDP und die auf die rechtsextremen Republikaner entfallen 5,4 Prozent der Stimmen.

Wolfram Bremeier spricht an diesem Abend wie in Trance in die Mikrophone. Gratuliert den Gewinnern. Bremeier lehnt erste Rücktrittsforderungen ab, geht dann unter dem hämischen Gelächter seiner politischen Gegner.

Neuer gefragter Mann ist Georg Lewandowski. Der CDU-Spitzenkandidat gewinnt schnell an Profil. Er wird in den nächsten Wochen zu Höchstform auflaufen und ein zweites Mal siegen.

Seit dem Wahlsonntag ist Wolfram Bremeier ein Gejagter. Klar, er war es irgendwie auch schon vorher. Oberlehrerhaft sah er mit massiver Brille von den Wahlplakaten auf seine Kasseler nieder. Keine Chance für inhaltliche Argumente.

Warum mußten die Genossen auch wenige Wochen vor dem Wahltermin ihren Bürgermeister Ludolf Wurbs für weitere sechs Jahre im Amt bestätigen? Warum haben Bremeier und Genossen zugelassen, daß Straßen und Plätze der Nordhessenmetropole mit so unendlich vielen weiß-roten Blech-Lollis drapiert wurden, und Autofahrer aggressive Platzangst bekommen konnten? Und die Getränkesteuer. In diesem Kommunalwahljahr zeichneten sich erhebliche Haushaltslöcher ab. Da zogen der Oberbürgermeister und sein Stadtkämmerer schon Monate zuvor die Notbremse: die Getränkesteuer wird eingeführt. Und damit dem Stammtisch der Krieg erklärt.

Königsplatz-Barrikade

Ach ja: die Treppe auf dem Königsplatz. Um formale Hürden zu nehmen, war sie einfach im Jahr zuvor zum documenta-Kunstwerk erklärt worden. Das hat sie nicht beliebter gemacht. Aber die Genossen verteidigten Professor Langes Holzskulptur wie eine Barrikade in dem kleinen Königsplatzkrieg. Die Wähler nehmen die Barrikade.

Am Tag nach der Niederlage ist alles anders. Im Rathaus will sich Georg Lewandowski schon mal seinen neuen Arbeitsplatz ansehen. Noch freut er sich ein wenig zu früh. Doch schon am Wahlabend war klar: CDU, FDP, Republikaner und auch die Grünen werden Wolfram Bremeier, gerade erst zwei Jahre im Amt, schon in der ersten Sitzung der neuen Legislaturperiode abwählen.

Das Duell

Bremeier unterstützt die Forderung. Er will das direkte Duell mit Lewandowski in der ersten OB-Direktwahl Kassels. Er glaubt noch immer, seine Genossenpartei liege nur im landesweiten Trend. Haben die Sozialdemokraten doch auch in anderen hessischen Großstädten massive Stimmenverluste hinnehmen müssen. Glaubt an einen Amtsbonus. Und klaren Vorteilen gegenüber dem bis dahin eher blassen Herausforderer Lewandowski. Also signalisiert Bremeier den Kasselern per neuem Plakat: Ich habe verstanden.

SPD-Parteichef Breidenbach tritt ab, Fraktionschef Ingo Groß gibt auf. Wolfram Bremeier aber steht: "Ich bin bereit, zu kämpfen. Die SPD zeigt Flagge", ruft er den Parteitagsdelegierten Ende März zu. Der Oberbürgermeister wird von den eigenen Genossen zum Kandidaten gemacht - eine Woche, bevor die Kasseler Stadtverordnetenversammlung ihn ein erstes Mal abwählt. Vier Wochen später ist Bremeier per Parlamentsbeschluß endgültig die Amtskette los. Auch Ludolf Wurbs muß gehen.

Lewandowskis Sieg

Im Mai schon wieder Wahlkampf in Kassel. Zwei Monate lang. Dabei ist längst alles entschieden. Man spürt es. Die Woge des Erfolges trägt den Christdemokraten Georg Lewandowski an die Rathausspitze. 60,2 Prozent der Wähler geben dem Mann aus Oberzwehren am 4. Juli ihre Stimme. Bremeier kommt gerade mal auf 38 Prozent. Kassels Sozialdemokraten sind vorerst am Ende.

Dann geht alles Schlag auf Schlag. CDU, FDP und Republikaner setzen im Stadtparlament den Abbau der Lollis und den Abriß der Königsplatztreppe durch. Ende August scheitert ein erster Versuch, zwischen SPD und CDU eine große Koalition im Rathaus zu vereinbaren. Ein SPD-Parteitag ist dagegen. So arbeiten die Christdemokraten mit der FDP zusammen.

Und auch mit den Republikanern? Absprachen mit den Rechtsextremisten gibt es offiziell keine. Man setzt eher auf stillschweigende Zustimmung. Am 1. September die große Panne: die bürgerliche Koalition will die SPD-Stadträte Uli Hellweg, Christine Schmarsow und Irmgard Schleier abwählen. Doch CDU und FDP alleine haben keine ausreichende Mehrheit. Sie brauchen die Republikaner. Doch die enthalten sich, beleidigt, weil nicht vorab gefragt, der Stimme. Die drei Dezernenten bleiben im Amt.

So kann die Union nur einen hauptamtlichen Posten im Magistrat neu besetzen. Dr. Jürgen Gehb, ein bis dahin in der Kommunalpolitik weitgehend unbekannter Richter am Verwaltungsgerichtshof, wird am 18. Oktober zum neuen Bürgermeister gewählt. Am Morgen danach fallen die ersten Lollis.

Die Wartenden

Merkwürdig, da sitzen neun Menschen auf dem Opernplatz herum und rühren sich nicht - stundenlang. Erst bei genauem Hinsehen entdecken die Passanten Anfang September, dass da lebensgroße Bronzefiguren auf Bänken und Treppchen dem Nachbarn über die Schulter schauen, nachdenklich den Kopf auf die Hand stützen, oder einfach eingeschlafen sind. Zweieinhalb Jahre haben die GhK-Studenten Martina Ide und Sven Schöning Passanten beobachtet und ihre neun Kunstfiguren lebensecht geformt. Titel der Kunstaktion: Die Wartenden. Die Kasseler sind begeistert. Doch nach zwei Monaten sind die Wartenden wieder verschwunden. Um die Figuren zu kaufen, hatte die Stadt kein Geld.

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