1992

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  • 24. Januar wurde auf dem Weinberg das bundesweit einzige Museum für Sepulkralkultur eröffnet.

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Kunstschau der Publikumslieblinge

"man walking to the sky" von Jonathan Borofsky zur documenta 1992 auf dem Friedrichsplatz in Kassel
"Signalturm der Hoffnung" von Mo Edoga zur documenta 1992 auf dem Friedrichsplatz in Kassel
Jan Hoet begeistert mit seiner d 9 nicht nur die Kunstwelt, sondern auch viele Kasseler.

"Das Kunstwerk ist nicht einfach eine stabile Tatsache auf einem Sockel, sondern es tastet den Raum ab", sagt Jan Hoet. Der aus den Niederlanden stammende Leiter der documenta 9, Hoet tastet, in diesem Jahr nicht nur den Raum ab, sondern er fegt wie ein Wirbelwind durch ihn - in diesem Fall die Stadt - hindurch. Als geheimes Motto hat der Kunstmanager aus Gent für seine Kunstschau "Action in the world" gewählt.

Mit Box- und Langlaufveranstaltungen, die parallel zur documenta stattfinden und "Marathon-Gesprächen" im Vorfeld gestaltet er in der Tat die sportlicheste und populärste Kunstschau in der documenta-Geschichte. Jan Hoet bürstet die Stadt gegen den Strich und hat damit großen Erfolg.

Seine documenta 9 hat etwas, was vielen anderen Kunstschauen völlig abgegangen ist:

Es gibt gleich mehrere gefeierte Publikumslieblinge. Favoriten, nicht etwa von den hunderttausendfach angereisten Kunstliebhabern, sondern solche, die die Kasseler Bevölkerung euphorisch begeistern.

Jonathan Borofsky

Da ist zum einen der so optimistisch in die Höhe kletternde "Man walking to the sky" des Amerikaners Jonathan Borofsky.

In der Nacht vom 1. zum 2. Mai 1992 mit großem technischen Aufwand vor dem Fridericianum aufgestellt, schließen ihn die Kasseler so sehr in ihr Herz, daß sie ihn nach Ende der documenta gar nicht mehr weggeben und partout in der Stadt behalten wollen.

Eine große Spendenkampagne machte es später möglich, daß der bunte Mann auf der 25 Meter langen Metallröhre auf dem Weg nach oben - nach langem Hin und Her um einen endgültigen Standort jetzt vor dem Kulturbahnhof seinen Platz gefunden hat.

Inzwischen ist er längst gut im Rennen unter den Top-Ten der städtischen Wahrzeichen.

Mo Edoga

An einen weiteren Mann erinnern sich die Kasseler gerne: Tag für Tag steht er im Sommer 1992 - die typischen gelben Gummihandschuhe übergestülpt - während der 100 Tage am Rande des Friedrichsplatzes und baute aus Schwemmholz seinen immer weiter wachsenden "Signalturm der Hoffnung". Mo Edoga, in Deutschland lebender Nigerianer, nahm sich geduldig Zeit für die Menschen vor Ort, genauso wie weiland documenta-Künstler Joseph Beuys.

Jan Hoet

Auch Jan Hoet selbst wurde nach anfänglicher Skepsis später von den Kasselern begeistert gefeiert. Seine documenta hatte alle Erwartungen übertroffen, stellte Besucher- und Einnahmenrekorde auf und war sowohl internationales Medienspektakel als auch Party für die Kasseler Bevölkerung.

Rückblickend schreibt HNA-Kulturchef Dirk Schwarze über die Kunstschau: "In einer Zeit, in der sich alle möglichen Kräfte der Kunst und Kultur bemächtigen, in der Kunst immer wieder Gefahr läuft, zum unverbindlichen Unterhaltungsprodukt zu werden, führte die d 9 in zahlreichen Bereichen vor, daß Kunst direkt etwas mit unserer Zeit und unserem Leben zu tun hat, daß Kunst helfen kann, Einsichten in die Zusammenhänge der Welt zu vermitteln, auch dort, wo Künstler wie Jan Fabre und Jonathan Borofsky den Rückgriff auf die ganz banale menschliche Figur wagten."

Treppe und Lollis - Dornen im Auge

In zwei Punkten lassen die Kasseler nicht mit sich spaßen. Erstes Murren über ein Bauwerk, das später zum Kunstwerk geadelt wird, sowie über eine rot-weiß-gestreifte Verkehrsbake wird laut.

Die Stadt putzt sich für die documenta heraus. Bei Bauvorhaben wird auf die Tube gedrückt, damit am 13. Juni alles fertiggestellt ist. Tatsächlich eröffnen sie alle noch vor dem großen Ereignis, das Museum für Sepulkralkultur ebenso wie das Museum für Technikgeschichte in der Orangerie und die Tiefgarage unter dem Friedrichsplatz. Auch die Königsplatztreppe, ein Projekt, das Stadtbaurätin Christine Thalgott bis zu ihrem letzten Arbeitstag in Kassel, am 16. Januar, noch persönlich betreut, soll Kassel eigentlich nur ein Glanzlicht aufsetzen. Das zunehmend lauter werdende Murren der Kasseler angesichts dieses von Architekt Gustav Lange entworfenen Kunstwerks - im Februar tritt urplötzlich die documenta GmbH als Bauherr auf und adelt damit das umstrittene Bauwerk zum Kunstwerk - wurde nicht ernst genommen. Zusammen mit der Verkehrspolitk des SPD-Rathauses, die ihr Symbol in einer rot-weißen Verkehrsbake, dem Lolli, findet, bahnen sich Dinge an, deren Tragweite keiner in diesem Ausmaß abschätzt.

In der Nacht zum 23. Mai wird die Treppe aufgebaut. Ein Großteil der Kasseler reagiert mit unverholenem Entsetzen. Und diese Ablehnung soll nicht mehr abflauen. Einziger Pluspunkt für die Treppe: Sie wird in Zukunft nicht selten als Tribüne bei Veranstaltungen auf dem Königsplatz genutzt.

Bei den Kommunalwahlen im Jahr darauf wurden nicht nur die Lollis, sondern auch die Treppe zu Wahlkampfthemen der CDU. Der politische Erdrutsch in Kassel hat seine Wurzeln im Jahr 1992. In den Gazetten wurde Kassel landauf landab als Stadt verhöhnt, in der rot-weiße Lollies und eine Treppe, die nirgendwo hinführt, Wahlen entscheiden.

Absage an den Rassismus

Die ausländerfeindlichen Übergriffe, die in diesem Jahr die Republik erschütterten, haben in Kassel großen Protest ausgelöst. Gegen Jahresende gingen weit über 20 000 Menschen auf die Straßen und demonstrierten für ein friedliches Zusammenleben von Menschen aller Nationen. Höhepunkt war ein Protestzug von 10 000 Schülern am 8. Dezember mit einer Kundgebung vor dem Rathaus.

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