1982

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Wohnschlange an der Dönche

Willy Brandt 1982 im Gespräch mit Bürgern der Stadt Kassel und Baunatal.

1982 wurde erstmals ein Bauprojekt in Kassel fertiggestellt, das in architektonischer Hinsicht den Weltmaßstäben der documenta entsprechen sollte.

Arnold Bode, der unermüdliche Motor der documenta, hatte stets über den engen Rahmen der Kunst hinausgedacht. Schon bei der Vorbereitung der ersten documenta arbeitete er daran, die Architektur als Teil des bildnerischen Schaffens einzubeziehen. Als er dann in Anlehnung an die 1955 geschaffene Ausstellung den Begriff "documenta urbana" prägte, dachte er kaum an eine losgelöste Bauausstellung, sondern eher wohl im Sinne von Beuys an eine Durchdringung der Stadt und Architektur mit Kunst und umgekehrt an eine Erweiterung der Kunst durch gebaute Werke.

Fünf Jahre nach seinem Tod wurde zum ersten und vorläufig letzten Mal umgesetzt, wovon Bode geträumt hatte: Zur Weltkunstschau documenta (in Fridericianum, Orangerie und Neuer Galerie) wurde parallel eine "documenta urbana" geplant. Aber was dann geschah, war alles andere als die Erfüllung von Bodes Traum. Das fing damit an, dass weit vom Schauplatz der documenta entfernt, am Rand der Dönche, eine Mustersiedlung aus Ein- und Mehrfamilienhäusern geplant wurde. Mit diesem Bauprojekt wollte documenta-Chef Rudi Fuchs nichts zu tun haben, also wurde es inhaltlich abgekoppelt. Dann mussten die Auslober Abstriche bei den Qualitätsansprüchen machen, und schließlich geriet das Vorhaben in Verzug. So waren die Kritiker der Welt längst abgereist, als Mitte August der "gebaute Beitrag zur documenta urbana" fertiggestellt und der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Von Begeisterung gab es keine Spur mehr. Das Projekt "Schöne Aussicht" am Dönche-Rand mit seinen 137 Wohneinheiten kündete zwar von neuen Architekturvorstellungen, war aber weit davon entfernt, eine Architekturdiskussion in Gang zu setzen, die Rückwirkungen auf die Gespräche haben konnte, die rund um die documenta geführt wurden.

Ein Grundwiderspruch lag darin, dass die Planer ein Modell urbanen Wohnens genau an dem Platz verwirklichen wollten, an dem sich die Stadt in der Weitläufigkeit der Landschaft verlor. So wirkte die documenta urbana-Siedlung mit ihren Wohnschlangen und ihrer dichten Mischung aus Reihen- und Mehrfamilienhäusern über Jahre wie ein Stadtteil, der im Brutkasten zum Leben gebracht werden sollte. Mittlerweile ist dieser Stadtteil gewachsen. Doch erinnert er trotz der dichten Bebauung eher an eine zusammengeschrumpfte Gartenstadt als an ein Stück beispielhaften urbanen Wohnens.

Pionierhaft

Trotzdem hatte das Dönche-Projekt pionierhafte Züge. Bei der Gestaltung der Häuser wurde auf intensive Flächennutzung geachtet. Außerdem kann man studieren, dass ein langes Gebilde aus Mehrfamilienhäusern nicht ein architektonisches Einerlei sein muss, sondern in seiner Vielfalt spielerische Züge erhalten kann.

Modell dokumenta urbana 1981
Foto: R. Stiehl

Die verspielten Elemente triumphierten überhaupt. Vor allem die Wohnschlange war ein frühes Denkmal der postmodernen Architektur. Zum Kennzeichen dieser dreistöckigen Bauten wurden die Flachdächer, auf denen Tonnengewölbe und Gewächshäuser Platz fanden. Die in den Neunziger Jahren in Mode gekommenen Runddächer feierten hier ihre Kasseler Premiere.

Ein Erfolg im Sinne der Urheber war die "documenta urbana" nicht. Arnold Bode, der Stichwortgeber, wäre erst recht unzufrieden gewesen. Gleichwohl war das Projekt für Kassel ein wichtiger städtebaulicher Impuls - zur Erschließung des Dönche-Rands und zur Erprobung neuer Bauformen.

7000 Eichen: Eine Skulptur, die wächst

Stadtverwaldung Kassel:
z.B. Ludwig-Mond-Straße im Oktober 2006
Foto: R. Stiehl

Das größte Geschenk, das Kassel zur documenta 7 erhielt, war das Projekt von Joseph Beuys: Er ließ 7000 Bäume, flankiert von je einer Basaltstele, im Stadtgebiet pflanzen.

Was hatte das mit Kunst zu tun? Viele stellten sich die Frage, als Joseph Beuys im Winter 1981/82 ankündigte, er werde zur nächsten documenta 7000 Bäume pflanzen. Wer konnte auch schon erahnen, was es heißt, dort in der Stadt Bäume in die Erde zu setzen, wo das Grün nicht eingeplant war? Und wer konnte abschätzen, welchen Arbeits- und Finanzaufwand die Aktion "7000 Eichen" erfordern würde? Und schließlich: Wer dachte schon daran, dass in dem Augenblick, in dem der letzte Baum gepflanzt sein würde, die Probleme richtig losgehen sollten?

Heute wissen wir, dass die Aktion "7000 Eichen" eines der Projekte ist, die am konsequentesten für Beuys‚ Idee von der Erweiterung des Kunstbegriffs stehen. Mit dieser Pflanzaktion gewann die Vorstellung der sozialen Plastik auch für die Öffentlichkeit greifbare Gestalt: Der Künstler hatte seine kreativen Kräfte dazu eingesetzt, die Stadtgestalt zu verändern und zu verbessern. Er nutzte den schützenden Kunstraum als Energiequelle, um an der Formung der Wirklichkeit mitzuarbeiten, und fand dabei Wege, jeder Phase der Aktion eine eigene skulpturale Form zu geben. So gab er den 7000 Steinen, die zum documenta-Start auf dem Friedrichsplatz gelagert wurden, die Form eines Keils.

Beuys-Steine Friedrichsplatz für 7000 Eichen Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung

Aber gerade dieser Basaltberg erregte die Gemüter. Zu einer Zeit, in der die Folgen der Pflanzaktion noch nicht erkennbar waren, gab es relativ große Vorbehalte gegenüber dem Projekt. Die wichtigsten finanziellen Förderer für seine Aktion, die mehr als drei Millionen Mark verschlang, fand Beuys außerhalb Kassels, auch wenn natürlich auch viele Bürger zur Übernahme einer Patenschaft bereit waren.

Den erfolgreichen Abschluss der Pflanzaktion zur documenta 8 erlebte Beuys nicht mehr. Mittlerweile sind die Bäume mit der Stadt verwachsen. Aber dafür, dass sie Teil einer wachsenden Skulptur sind, für deren Fortbestand alle mitverantwortlich sind, muß noch geworben werden.


Homepage:7000eichen
Standorte der Beuys-Bäume im Stadtplan Kassel

documenta 7: Neues Wahrzeichen

Granitblock von Ulrich Rückriem
Spitzhacke am Fuldaufer von Claes Oldenburg

Der Holländer Rudi Fuchs hatte für die Kunst zum Rückzug ins Museum geblasen. Nicht auf den Straßen und Plätzen sei das Aktionsfeld der Künstler. Sie würden vielmehr für ihre Werke die Ruhe und Klarheit musealer Räume brauchen. Es war die Zeit der neuen und heftigen Malerei. Sie triumphierte in der documenta 7.

Trotzdem bescherte die documenta des Jahres 1982 dem Publikum und den Kasseler Bürgern einige spektakuläre Werke im Außenraum, die dauernd das Stadtbild bereichern sollten. Die größte und wichtigste Arbeit in dieser Beziehung war natürlich das Projekt "7000 Eichen", von dem an anderer Stelle die Rede ist. Ebenfalls eine Errungenschaft dieser documenta ist die Skulptur von Ulrich Rückriem, die neben der Neuen Galerie ihren Platz fand.

Die Skulptur aber, die sofort viele ins Herz schlossen und die zu einem neuen Wahrzeichen Kassels werden sollte, ist die Spitzhacke, die Claes Oldenburg am Fuldaufer aufstellen ließ.

Oldenburg ist dadurch bekannt geworden, dass er gewöhnliche Alltagsobjekte wie Wäsche- und Büroklammern, Krawatten oder Zahnpastatuben als Vorbilder für überdimensional vergrößerte Skulpturen wählte. Auf die Spitzhacke als ein Objekt für Kassel verfiel er, weil es in der Vorbereitungszeit zur documenta 7 viele Baustellen gab. So stellte er sich vor, der über Kassel thronende Herkules habe eine Spitzhacke ans Fuldaufer geschleudert.

Der ausgewählte Standpunkt markiert den Bezug: Er liegt genau auf der Verlängerung der Achse Herkules-Schloß-Wilhelmshöher Allee.

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