1971

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Sonstige

Start der Gesamthochschule

Jahrelange Bemühungen führten zum Erfolg. Zum Wintersemester 1971/72 startete die neu gegründete Gesamthochschule Kassel (GhK), in der bestehende Hochschuleinrichtungen aufgingen.

Es herrschte Aufbruchstimmung. Alles, so schien es, konnte nur besser werden. Über die Parteigrenzen hinweg waren sich alle einig, daß mehr Geld in die Bildungseinrichtungen gesteckt werden müsse, daß Deutschland mehr Hochschulen und neue Schulformen brauche und daß insgesamt Reformen gewagt werden müßten. Im Universitätsbereich hieß das Zauberwort Gesamthochschule. In ihr sollten die in den 60er Jahren von den Studenten kritisierten Hochschulstrukturen vermieden werden, sie sollte fließende Übergänge ermöglichen und getrennte Fachbereiche zusammenführen. Bildungspolitiker der unterschiedlichsten Parteizugehörigkeit glaubten zu der Zeit, daß irgendwann alle deutschen Unis in Gesamthochschulen umgewandelt werden würden.

Dazu kam es nicht. Noch schlimmer: Die bildungspolitische Parteienkonsens, der um 1970 geherrscht hatte, zerbrach sehr rasch. So wurde bald die als Modellversuch „Integrierte Gesamthochschule” auf den Weg gebrachte Kasseler Neugründung zum Gegenstand heftiger konservativer Kritik. Bis Ende der 70er Jahre gehörte es zum Ritual hessischer Landtagswahlkämpfe, daß die CDU die Auflösung der Gesamthochschule und eine Universitätsneugründung forderte. Einige wirtschafts- und wehrkritische Forschungsprojekte der GhK ließen auch die regionale Wirtschaft auf Distanz gehen. Und schließlich hätten sich Teile der Bevölkerung lieber eine richtige („seriöse”) Uni gewünscht als eine Gesamthochschule; ganz ähnlicher Ansicht waren etliche Professoren, die auf ihre Kollegen herunterschauten, die als Fachhochschuldozenten hochgestuft worden waren, und die bedauerten, daß die GhK keinen wissenschaftlichen Mittelbau (Assistenten) hatte.

Zukunftsfähigkeit
Das waren fürwahr keine guten Startbedingungen. Der wissenschaftliche Ruf der GhK stand auf dem Spiel und damit ihre Zukunftsfähigkeit. Um so erstaunlicher ist, daß es der GhK in 25 Jahren gelang, zu einer gut funktionierenden und wissenschaftlich anerkannten Hochschule (die Mitgliedschaft in der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist das Gütesiegel) zu werden. Diesen Erfolg erzielte sie allerdings auch dadurch, daß sie einige der radikalen Reformziele aufgab. Sie ist zwar weiterhin Gesamthochschule mit wegweisenden gestuften Studiengängen und besonderen Integrationsangeboten, aber sie ist jetzt auch dem Namen nach Universität.

Ganz wesentlich ist, daß die früheren Kritiker in Politik und Wirtschaft mit ihr und ihren Strukturen Frieden geschlossen haben und die GhK für die Stadt- und Regionalplaner sowie Teile der Wirtschaft zum festen Partner geworden ist.Während die Stadt Kassel ihre Chancen bei der Neugliederung der Kreise verpaßte (siehe nebenstehender Bericht), ist es vor allem der Hartnäckigkeit der Stadt und einer Gruppe ihrer Bürger zu danken, daß 1971 die Uni-Pläne Wirklichkeit wurden.

Mit unglaublicher Zähigkeit hatte ab 1969 der „Arbeitskreis Universität Kassel” für seine Ziele gestritten. Dabei gingen die Meinungen zeitweise sehr auseinander, welche Fachbereiche einbezogen oder ausgespart werden sollten. Mit Blick auf die zahlreichen Gerichte war die Juristen-Ausbildung ebenso im Gespräch wie - im Gedanken an die Städtischen Kliniken - die Medizin-Fachrichtung. Doch genau diese beiden klassischen Uni-Bereiche wurden für Kassel nicht vorgesehen. Statt dessen gewann die GhK eine Besonderheit dadurch, daß ihr die drei künstlerischen Fachbereiche zugeordnet wurden, die aus der Hochschule für bildende Künste (Menzelstraße) übernommen wurden, die schon vorher bestanden hatte. Andere wichtige Vorgängerinstitutionen der GhK waren die Ingenieurschule, die Höhere Wirtschaftsfachschule und die landwirtschaftliche Hochschule in Witzenhausen.

Standortfrage

Für eine Uni-Gründung in Kassel gab es viele gute Gründe. Der naheliegendste war, das Bildungsangebot für die Schulabsolventen in Nordhessen zu verbessern. Nicht weniger wichtig war angesichts der Zonengrenzlage Kassels der wirtschaftliche Gesichtspunkt. In der Tat hat die Uni-Entwicklung wesentlich zur wirtschaftlichen Umstrukturierung Kassels beigetragen.

Der GhK-Ausbau war und ist aber auch ein wichtiger Motor der Stadtentwicklung. 1971 war das längst nicht absehbar. Als es damals darum ging, jenseits der vorhandenen Standorte festzulegen, wo der eigentliche Campus entstehen sollte, dachten alle nur an die Grüne Wiese - an die Dönche, an die Giesewiesen oder an Flächen, die noch weiter draußen lagen.Auch als in aller Schnelle ein erster Neubau aus dem Boden gestampft wurde, ging man nach draußen, nach Oberzwehren, wo das AVZ, das Aufbau- und Verfügungszentrum, entstand. Erst drei Jahre später fiel die kluge Entscheidung, das neue Zentrum der Uni in der Stadt, am Holländischen Platz entstehen zu lassen.

Eröffnung des Heimatmuseums in Geismar

Das einzige volkskundliche Museum der Region wird von Ehrenamtlichen seit 1971 betrieben und zeigt bäuerliche Haus- und Arbeitsgeräte, sowie dörfliche Handwerke des 18. und 19. Jahrhunderts. [2]

Zukunfts-Projekte: Die verpaßte Neugliederung

Anfang der 70er Jahre wurden für die Zukunftsentwicklung wichtige Weichen gestellt. 1971 hoffte die Stadt noch, Teile des Kreises eingliedern zu können.

Eigentlich war die Neugliederung schon längst beschlossen. Auch zeichnete sich bereits ab, daß der neue Großkreis, der rund um Kassel entstehen sollte, zwar den Namen der Stadt tragen, ihr die Pfründe der aufstrebenden Landkreisgemeinden aber weiterhin verweigern sollte. Selbst der neue Landrat des Großkreises, der ebensoviel Einwohner wie die Stadt haben würde, war bereits ausgeguckt: Dr. Herbert Günther.

Trotzdem glaubten die Vertreter Kassels im Dezember 1971, bei einem Gespräch beim hessischen Innenminister Bielefeld alle Beschlüsse und Zusagen wegschieben zu können und den Landkreiskuchen zu ihren Gunsten verteilen zu können. Das Stadt-Umland-Problem sollte gelöst werden, indem entweder praktisch alle Altkreisgemeinden eingegliedert oder zumindest Vellmar, Ihringshausen, Simmershausen, Sandershausen, Lohfelden und Bergshausen der Stadt zugeschlagen werden sollten. Gute Argumente für solche Wünsche gab es zur Genüge. Allerdings gaben sich die die Vertreter Kassels zu diesem Zeitpunkt unverantwortlichen Illusionen hin. Denn die Karten der neuen Kreise waren schon gezeichnet, am 1. August 1972 wurde der große Landkreis Kassel Wirklichkeit.

Die Tatsache, daß zu dieser Zeit in der Stadt und in allen Landkreisgemeinden die SPD unangefochten ihre Mehrheit hatte, bremste eher die Einigungsbestrebungen von Stadt und Land, als daß sie sie vorangebracht hätten. Daß aus Gemeinden wie Vellmar und Baunatal richtige Städte mit wirtschaftlichem Eigengewicht und sogar kulturellen Akzenten werden sollten, war kaum zu erahnen. Noch schmerzlicher für Kassel war, daß sich diese Städte Freizeit- und Sporteinrichtungen leisten konnten, von denen die defizitäre Großstadt damals nicht mal mehr träumen konnte. Ganz zu schweigen davon, daß die Streitfrage, inwieweit das Umland sich an den Kosten für das Theater beteiligen müsse, immer noch so unbeantwortet ist wie vor nahezu 30 Jahren.

Zusammenwachsen

Die Stadt hat sich damals zu spät als Hort für die Landkreisgemeinden ins Spiel gebracht. Damit ist allerdings nicht gesagt, daß unter städtischer Regie die Stadt-Umlandplanung sehr viel besser und zentrierter verlaufen wäre. Immerhin holt die Wirklichkeit die Politik ein: An vielen Ecken der Stadtgrenze ist zu beobachten, wie Stadtteile und Kreisgemeinden unaufhaltsam zusammenwachsen.


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Weblinks und Quellen

  1. Artikel auf HNA.de: 40 Jahre Uni Kassel: Ein Motor für die Region
  2. Das Museum in Geismar