1968

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
| 19. Jahrhundert | 20. Jahrhundert | 21. Jahrhundert | ► Portal: Geschichte

◄◄ | | 1964 | 1965 | 1966 | 1967 | 1968 | 1969 | 1970 | 1971 | 1972 | | ►►

Ereignisse

Januar

  • noch kein Eintrag

Februar

  • noch kein Eintrag

März

  • noch kein Eintrag

April

  • noch kein Eintrag

Mai

  • noch kein Eintrag

Juni

  • noch kein Eintrag

Juli

  • noch kein Eintrag

August

  • noch kein Eintrag

September

  • noch kein Eintrag

Oktober

  • noch kein Eintrag

November

  • noch kein Eintrag

Dezember

  • noch kein Eintrag

Sonstige

Der Tag, an dem der Verstand aussetzte

1968 war das Jahr der Studentenproteste. Die 68er demonstrierten gegen Notstandsgesetze und Bildungsnotstand, kritisierten den als miefig empfundenen Staat. Auch in Kassel ging die Jugend auf die Straße.

Die Welle des Protests überschlug sich 200 Kilometer weiter südlich von Kassel: Innenminister Heinrich Schneider (SPD) bezifferte den Schaden, der dem Land Hessen durch Ausschreitungen auf Frankfurts Straßen an Ostern und Pfingsten entstanden war, auf 11.000 Mark. Ein Kleckerbetrag verglichen mit den Verwüstungen an der Johann Wolfgang-Goethe-Universität in der Main-Metropole. Als Reaktion auf den militanten Belagerungszustand der Frankfurter Universität durch den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) hätte Rektor Walter Rüegg am liebsten alles hingeschmissen, um gegen diese, wie er sagte, "Untergrabung der Demokratie" zu kämpfen.

Welche Paradoxie! War es denn nicht gerade die drohende Einschränkung demokratischer Grundrechte durch die Notstandsgesetze, welche die Studenten auf die Straßen trieb? Und in Kassel? Den Nimbus einer Universitätsstadt besaß die Stadt an der Fulda damals freilich nicht. Der Lehrbetrieb an der GhK wurde erst zum Wintersemester 1971/72 aufgenommen. So formierte sich Widerstand gegen die Notstandsgesetzgebung der Großen Koalition an keinem zentralen Ort, sondern an den vielen bereits bestehenden Bildungseinrichtungen der Stadt: an der Hochschule für bildende Künste, der Werkkunstschule, den Ingenieurschulen, dem Pädagogischen Fachinstitut sowie den Schulen und Fachschulen.Charismatische Rädelsführer machten sich in Kassel keinen Namen. Agitatoren des SDS wurden aus Frankfurt, Göttingen oder Marburg eingeflogen. Dennoch lassen sich die Ereignisse in der Fuldastadt zwischen Mitte April und Ende Mai als Zeugnisse des wachsenden Widerstands gegen einen als bevormundend empfundenen Staat interpretieren.

Tausend auf der Straße

Am Ostersamstag war die Innenstadt Austragungsort einer der ersten größeren Demonstrationen des Jahres. Rund 1000 junge Leute schoben sich durch die Obere Königsstraße, hielten Transparente hoch mit großen Lettern des Namens "Dutschke", trugen das Konterfei des zur Ikone der Studentenbewegung stilisierten SDS-Frontmanns vor sich her. Flugblätter wirbelten durch die Luft. Das Berliner Attentat vom 11. April, bei dem Dutschke lebensgefährlich verletzt wurde, setzte auch in Kassel eine Protestbewegung in Gang, die sechs Wochen später eskalieren sollte. Doch noch blieb alles friedlich, und die Polizei war im Gegenteil stolz auf die gute Zusammenarbeit zwischen Demonstranten und Exekutive. Anders als in Berlin oder Frankfurt flogen in Kassel keine Steine, brannten weder Autos noch wurden Fensterscheiben eingeworfen. Als subversiv galt da schon das Befestigen roter Fahnen am Spohr-Denkmal, die man unter dem Beifall des Publikums jedoch schnell wieder entfernte. Die Presse kommentierte: "Statt der Faust wie anderorts wurde der Verstand gebraucht."

Vorbildliches Kassel, das an jenem 14. April ein Bild der Harmonie bot; ein Ort, wo Demonstranten mit Polizisten über die moralische Rechtfertigung von Gewalt diskutierten, ohne selbst gewalttätig zu werden.Aber auch die Rechtschaffenheit Kasseler Protestler kannte Grenzen. Am 15. Mai, dem Tag, an dem die Notstandsgesetze in zweiter Lesung im Bundestag behandelt wurden, marschierten rund 300 Studenten von der Werkkunstschule in der Menzelstraße zum "Sit-in" auf der Rathaustreppe.

Hilfsbereite Polizei

In einer Resolution wurden die Kommunalpolitiker dazu aufgerufen, zu dem "verfassungswidrigen" Gesetz Stellung zu nehmen. Die spontane Demonstration war nicht genehmigt. Dennoch kannte die Hilfsbereitschaft der Polizei keine Grenzen – sehr zum Unmut der Berufstätigen übrigens, die auf die nachmittägliche Verkehrsbehinderung an der "Trompete" mit einem lauten Hupkonzert reagierten. In der Presse las sich das abermals geglückte Zusammenspiel zwischen der Staatsmacht und ihren Kritikern so: "Als sich die Kolonne dem Opernplatz näherte, fragte der leitende Polizeibeamte: Wo möchten Sie jetzt hin? Antwort: Zum Rathaus! Und schon war der Weg frei. Eine Straßenbahn kam noch gerade durch."

Zwei Wochen später war allerdings Schluss mit so viel Rücksichtnahme. Zum ersten Mal kam es in der Stadt zu Handgreiflichkeiten zwischen Ordnungshütern und Protestlern. Es war der 29. Mai. Einen Tag später sollte die Notstandsverfassung das Bonner Parlament passieren, und in der Kasseler Stadthalle traf sich die Führungsspitze der Bundeswehr zur 14. Kommandeurstagung. Blauäugigkeit oder Provokation? Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Ulrich de Maiziere, entschuldigte den Fauxpas und sagte, man habe nicht voraussehen können, daß die Tagung mit der 3. Lesung der Notstandsgesetze zeitlich zusammenfalle. Zu spät! Von 12 Uhr bis in die Abendstunden hinein belagerten rund 1.000 Schüler und Studenten die Stadthalle. Um 12.50 Uhr setzten sie die Deutschlandflagge auf Halbmast. Dann wurde im Chor die Melodie des Deutschlandliedes angestimmt: "Notstand, Notstand über alles!"

Gefordert wurde eine "Stellungnahme der Offiziere. Wie stehen sie zum Einsatz der Soldaten im Falle des inneren Notstands gegen Zivilisten?" Zum Showdown kam es gegen 17 Uhr: Als die ersten Ehrengäste zu einem Empfang eintrafen, plazierten sich Demonstranten zu einem Sitzstreik auf der Stadthallentreppe. Polizeibeamte zerrten sie zur Seite. Ohne Erfolg. Prominente Tagungsgäste wie der damalige Wissenschaftsminister Gerhard Stoltenberg mußten per Hubschrauber in den Innenhof geflogen werden. Kurz nach 18 Uhr eskalierte die Lage. Es kam zum Schlagabtausch zwischen Demonstranten, Polzisten und Feldjägern, nachdem die Störenfriede jetzt auch die Ein- und Ausfahrt an der Rückseite der Stadthalle blockierten. Busse und Wagen der Bundeswehr kamen weder vor noch zurück. Trotz Verstärkung schafften es die Beamten nicht, die Jugendlichen zurückzudrängen. Motorradfahrer der Bundeswehr, die als Begleitschutz des Offizier-Konvois dienten, stürzten mit ihren Maschinen. Demonstranten hämmerten mit Fäusten auf die Dächer der Limousinen. Auf beiden Seiten gab es Leichtverletzte.

Kurzes Nachspiel

Den Ereignissen dieses Mai-Tages folgte ein kurzes Nachspiel. Am 8. Juli fragte die CDU-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung an, wie hoch der durch die Ausschreitungen angerichtete Schaden eigentlich sei. Bürgermeister Karl Branner bezifferte die Kosten für Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten auf 1.400 Mark. Man sei zu dem Ergebnis gekommen, daß es sich um eine "einheitlich geplante Aktion" gehandelt habe, "für die mit großer Wahrscheinlichkeit schulfremde Elemente, vor allem auswärtige Studenten verantwortlich sind." Protest als Import? Ein verlockender Gedanke – zumindest in den Köpfen Kasseler Rathauspolitiker.

Documenta IV: Christos "Wurst" schwebt

So lange mussten die Kasseler noch nie auf ein documenta-"Wahrzeichen" warten: Im vierten und letzten Anlauf gelang es Javacheff Christo am Morgen des 3. August, seine verpackte Luft vor der Orangerie aufzurichten. Sechs Kräne und Dutzende von Helfern waren sieben Stunden lang im Einsatz, um die im Volksmund liebevoll "Bockwurst" genannte Plastik emporzuziehen.

Überraschungen gab es viele auf der documenta IV. Bereits auf der Pressekonferenz am 26. Juni, also einen Tag bevor die Kunstschau offiziell eröffnet wurde, kam es zum Eklat. Eine Gruppe um den deutschen Aktionskünstler Wolf Vostell nutzte die Veranstaltung zu einem Happening, schmiss dem documenta-Rat einen Sack mit Pfennigen auf den Tisch, entleerte ein Glas Honig darauf und streute Zucker auf die Rats-Stühle. Mit welchem Recht, wollte Vostell von dem Gremium wissen, die documenta den Anspruch erhebe, die Kunst der Gegenwart zu zeigen, wenn drei so entscheidende Bewegungen wie Fluxus, Happening und Environment fehlten?

Die Ausstellung hinke inhaltlich hinter den Entwicklungen in der aktuellen Kunstszene hinterher, lautete der Vorwurf auch während einer öffentlichen Diskussion in der Stadthalle, womit zugleich die starke Repräsentanz von insgesamt 57 US-amerikanischen Künstlern, darunter Roy Lichtenstein, Andy Warhol und Tom Wesselmanns kritisiert wurde. Erich Kuby schließlich schrieb in der Süddeutschen Zeitung, daß manches Kunstwerk an einen "grandiosen Scherzartikel" erinnere.

Geboren

Januar

  • noch kein Eintrag

Februar

  • noch kein Eintrag

März

  • noch kein Eintrag

April

  • noch kein Eintrag

Mai

  • noch kein Eintrag

Juni

  • noch kein Eintrag

Juli

  • noch kein Eintrag

August

  • noch kein Eintrag

September

  • noch kein Eintrag

Oktober

  • noch kein Eintrag

November

  • noch kein Eintrag

Dezember

  • noch kein Eintrag

Gestorben

Januar

  • noch kein Eintrag

Februar

  • noch kein Eintrag

März

  • noch kein Eintrag

April

Mai

  • noch kein Eintrag

Juni

  • noch kein Eintrag

Juli

  • noch kein Eintrag

August

  • noch kein Eintrag

September

  • noch kein Eintrag

Oktober

  • noch kein Eintrag

November

  • noch kein Eintrag

Dezember

  • noch kein Eintrag