1964

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Rekorde im Feiern und Ausstellen

Im Sommer 1964 jagen sich die Großereignisse: Kaum ist die documenta III eröffnet, findet in Kassel der Hessentag statt

Der Sommer 1964 verwandelt Kassel in eine Feststadt und die Innenstadt in ein gigantisches Museum. Auch die Besucherströme fließen - denn die Großereignisse gehen fast nahtlos ineinander über. Den Anfang macht am 3. Juni der Mitteldeutsche Sängerbund, der mit einer Festwoche in Kassel sein 125jähriges Bestehen feiert. Kaum haben die 15 000 Sänger die Stadt verlassen, startet auch schon der Zissel. Zwei Wochen später, am 27. Juni, öffnet die documenta III ihre Pforten, und noch eine Woche später findet der Hessentag statt.

Zu allem Überfluß feiert das Land Hessen parallel zum Hessentag sein 700jähriges Bestehen. Ministerpräsident Georg August Zinn betont, der Schauplatz für dieses Ereignis sei nicht zufällig gewählt worden - denn Kassel sei ein sichtbares Symbol für die Stadt von morgen.

Dementsprechend stolz präsentiert sich Kassel mit einer Ausstellung im Rathaus unter dem Titel "Eine Stadt ist wieder aufgebaut". Noch sind die Spuren des Krieges zwar nicht alle beseitigt - die Orangerie und Schloß Wilhelmshöhe sind noch Ruinen, auch die Abrißarbeiten sind längst nicht beendet - aber der Wiederaufbau der zerstörten Innenstadt gilt als abgeschlossen.

Des 700jährigen Bestehens Hessens wird mit einem feierlichen Festakt im Großen Haus des Staatstheaters gedacht. Die Bevölkerung locken jedoch andere Hessentags-Veranstaltungen: Am Samstag, 4. Juli, findet im Auestadion im Beisein des hessischen Ministerpräsidenten das Musikfest der "Gemeinschaft der Vier Nationen" mit fünf Musikkorps aus Belgien, Frankreich, den USA und Deutschland statt - ein Fest von gigantischen Ausmaßen mit allein 2 500 Mitwirkenden. Im Stadion ist mit zusätzlichen Stühlen für 40 000 Zuschauer Platz geschaffen worden - dennoch müssen Tausende vor den Toren bleiben. Doch anderthalb Stunden nach Beginn gibt es auch für die Zuspätgekommenen kein Halten mehr: Sie stürmen die Ränge und besetzen die Aschenbahn. Auf 50 000 wird die Zuschauerzahl schließlich geschätzt.

Übertroffen wird das Ereignis vom vier Kilometer langen Festzug am darauffolgenden Sonntag. 150 Wagen aus allen Landkreisen zeigen die geschichtliche Entwicklung Hessens, und 200 000 Schaulustige säumen die Straßen der Kasseler Innenstadt.

Wer tiefer eindringen will in die Historie, besucht das Ständehaus. Hier ist ab dem 4. Juli für vier Wochen die erste umfassende Ausstellung über die Landesgeschichte zu sehen - mit Originalurkunden aus dem 13. Jahrhundert und Kostbarkeiten wie dem Teilungsvertrag Philipps des Großmütigen oder dem Protokoll des Marburger Religionsgesprächs.

Doch damit nicht genug. Ebenfalls am 4. Juli eröffnet Kultusminister Prof. Dr. Ernst Schütte im Landesmuseum die Ausstellung "Rembrandt und sein Kreis". Herzstück sind die Kasseler "Rembrandts", Hessens "kostbarster Kunstbesitz", wie Schütte betont. Hinzu kommen als Leihgaben unter anderem "Susanna im Bade", etliche Zeichnungen und Radierungen sowie Werke von Rembrandt nahestehenden Künstlern.

Doch dies alles sind nur Nebenschauplätze für die Kunstkenner, die in diesen Wochen nach Kassel strömen, um das "Museum für 100 Tage" zu besuchen, die documenta III. Vor und in den Mauern der Orangerie-Ruine ist ein Skulpturen-Park errichtet, dessen bewunderten Mittelpunkt die Liegende Figur Nr. 5 von Henry Moore bildet. Der schon damals legendäre Bildhauer wird als "Kassel-Gast Nr. 1" gehandelt. Im Fridericianum sind Gemälde, Plastiken und Installationen untergebracht, und die Alte Galerie (die heutige Neue Galerie) beherbergt neben "Meisterkabinetten" eine Sammlung von Handzeichnungen. Während am übrigen Konzept der Documenta-III-Macher viel herumgemäkelt wird - statt Richtungen zu zeigen, setzten sie auf Künstlerpersönlichkeiten - findet die Ausstellung der Handzeichnungen einhelligen Beifall. Rekord auch für die documenta: 200 000 Besucher schauen sich die Kunstausstellung an.

Am Ende des Jahres zieht Oberbürgermeister Karl Branner ein begeistertes Fazit: "Das Jahr 1964 hat alle Besucherrekorde geschlagen. Wir schätzen, daß über eine Million kamen." Er ist überzeugt, daß Kassel auch als Fremdenverkehrsstadt attraktiv geworden ist. "Ab nach Kassel" sei wieder in aller Munde.

Affäre Goergen: Henschel-Chef gerät unter Betrugs-Verdacht

Am Morgen des 22. April fährt vor der Henschelei eine Reihe von Fahrzeugen vor, denen etwa 50 Polizisten in Zivil entsteigen - Mitglieder einer Sonderkommission, die auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Koblenz bei Henschel ermitteln soll. Das gesamte Personal des Bürogebäudes wird aus dem Haus gewiesen und spaziert auf dem Gelände herum, während die Beamten Berge von Akten sicherstellen.

Die Aktion ist Auftakt eines Wirtschaftskrimis, der in den folgenden Wochen nicht nur die Kasseler Öffentlichkeit in Atem hält: Der Generaldirektor der Henschel-Werke AG, Dr. Fritz Aurel Goergen, wird verdächtigt, Rechnungen an die Bundeswehr manipuliert und Gewinne von 400 000 Mark eingestrichen zu haben.

Wegen Verdunkelungsgefahr wird Goergen am 27. April verhaftet. Während der Henschel-Chef in Wehlheiden einsitzt, bangt die Öffentlichkeit um das Ansehen des traditionsreichen Unternehmens. Mit 13 500 Beschäftigten und 500 Millionen Mark Jahresumsatz gehört es zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren Nordhessens.

Wenige Tage nach seiner Verhaftung erkrankt Goergen. Als sein Zustand sich im Mai verschlechtert, wird er nach Hohenapserg bei Stuttgart, später in ein Koblenzer Krankenhaus verlegt.

Anfang Juni ist Goergens Gesundheitszustand so alarmierend, daß die Staatsanwaltschaft die Haft aufhebt. Wenige Wochen später wird bekannt, daß Goergen bei Henschel aussteigen will. Das Bundesverteidigungsministerium hat das Ausscheiden des 54jährigen zur Bedingung für einen neuen Großauftrag gemacht. Goergen, mit 54 Prozent am Aktienkapital der Henschel-Werke beteiligt, verhandelt mit der Essener Rheinstahl AG. Auch der amerikanische Anteilseigner, der Morgan Guarantee Trust, will seine Beteiligung abstoßen.

Anfang August hat man sich geeinigt. Für einen Kaufpreis von 110 Millionen Mark gehen die Henschelwerke an die Rheinstahl AG über - für das Kasseler Unternehmen der endgültige Schritt zum Konzern-Werk. Die Ermittlungen gegen Goergen laufen weiter. Er wird erst 1975 rehabilitiert.

Wiedersehen nach zwei Jahren

Ab dem 3. November dürfen erstmals seit der Grenzschließung Rentner aus der DDR für vier Wochen in den Westen ausreisen, um ihre Angehörigen zu besuchen. Im Kasseler Hauptbahnhof kommt es zu herzzerreißenden Szenen. Manche Großmutter sieht zum ersten Mal ihr Enkelkind, andere sind glücklich, ihre hochbetagten Eltern wieder in die Arme schließen zu dürfen. Sorgen macht in den darauffolgenden Tagen die schlechte Versorgung der alten Menschen bei ihrer Ankunft. Das Schulamt in Kassel leitet deshalb einen Schülereinsatz zum Koffertragen und Kaffeeholen in die Wege.

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