1960

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  • 12. Oktober: Die Kasseler Lebenshilfe wird gegründet. Der Verein setzt sich für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ein.
  • Im Oktober wird die Reservistenkameradschaft Kassel gegründet.

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Sonstige

Der Traum von romanischer Leichtigkeit

Das neue Jahrzehnt hat begonnen. Die Nachkriegszeit ist endgültig passé. Auch Kassel gerät in einen Sog von Modernität, gewagten Projektierungen und utopischen Perspektiven. Bevorzugtes Ziel: das Stadtbild.

Pläne, Pläne, Pläne. Die Kriegszerstörung hat eine Tabula rasa für die Stadtplanung hinterlassen. Mit den 60er Jahren wird nicht nur die Hochzeit des Wirtschaftswunders eingeläutet, die Menschen wollen endgültig den Muff der Nachkriegszeit über Bord werfen. Wo der Krieg schon genug zerstört hat, wird zusätzlich abgerissen. "Im städtischen Tiefbauamt wurde das Signal für ein Großreinemachen gegeben", meldet die Hessische Allgemeine (HA). Gleich an drei Stellen im Stadtgebiet werden an einem Tag Gebäude abgebrochen, "um Engpässe zu beseitigen und dem Verkehr Platz zu schaffen". Es sind Blocks der ehemaligen Polizeikaserne an der Friedrich-Ebert-Straße, ein historisches Haus in Kirchditmold, im Schnittpunkt von Schanzen- und Brunnenstraße, das ehemalige Pausewang'sche Haus Ecke Fünffensterstraße/ Obere Königsstraße sowie das Haus Leipziger Straße 20 im Bereich des Platz der Deutschen Einheit. Das Jahr 1960 zählt Dutzende von zum Teil markanten Abbrüchen. "Und wieder verschwindet ein unangenehmer Engpaß", frohlockt die Presse.

Gleichzeitig wird gebaut, was das Zeug hält. Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft zieht über 1000 Heime für rund 4000 Menschen in Helleböhn, am Goldbach und im Eichwald hoch und stellt den Bau auf Stelzen über dem Fußgängertunnel am Altmarkt fertig; die Städtischen Werke ziehen in ihr neues Gebäude am Königstor; die Knipping-Schule wird eingeweiht, das "Textilkaufhaus" C&A an der Oberen Königsstraße feiert Richtfest, und an der Trompete schießen die Gerichtsgebäude wie hohe Mauern empor. Alles im Baustil: quadratisch, schlicht, funktional.

Die Städte sollen in der neuen, urbanen Zeitgeist-Optik erstrahlen. Platz und Möglichkeiten gibt es in Kassel genug. Modernistische, gar utopische Visionen ebenfalls. "Kassel erhält in den nächsten Jahren eine Seilschwebebahn", verkündet Oberbürgermeister Lauritz Lauritzen während einer Bürgerversamlung. Im Bereich des Wundersamen gehört auch die Schlagzeile "Rutengänger behaupten: Heilquellen in Wilhelmshöhe". Mehrere Stunden lang war Rutengänger Martin Weber aus Kassel unter Ausschluß der Öffentlichkeit durch Park und Habichtswald gelaufen, um schließlich festzustellen: "Man könnte Wilhelmshöhe nach mit einer Heilquelle durchaus bereichern." Diese Bereicherung in Form einer Therme wird indes erst Jahrzehnte später realisiert. Größtes Augenmerk legen die Verantwortlichen auf die Gestaltung des Friedrichsplatzes sowie der Gelände, wo ehemals das Rote und das Weiße Palais standen. Die vorgelegten Pläne sehen für das hier vorgesehene Bilka-Kaufhaus vor, daß Reste des Roten Palais' in die Fassade integriert werden.

Besonders Professor Arnold Bode tut sich bei der Friedrichsplatz-Planung hervor. Er hatte das Wunder vollbracht, mit seiner documenta, die er in die Kriegstrümmer der Stadt gesetzt hatte, der Kasseler Bevölkerung einen Hoffnungsschimmer auf Modernität und Mondänität, nach Vorwärtsbewegung und internationaler Beachtung einzupflanzen.

Manche Idee Bodes mag aus heutiger Sicht abwegig klingen, etwa das Ansinnen, den denkmalgeschützten Platz oberirdisch komplett neu zu gestalten. Anderes ist längst Realität geworden: beispielsweise der Plan, unter dem Platz Parkplätze zu schaffen. "Modern aufgebaute Städte haben nicht immer den ihnen gebührenden Mittelpunkt. Kassel hätte die Chance, ihn zu schaffen", beginnt ein Artikel am 16. April in der Hessischen Allgemeinen euphorisch.

Forum Friedrichsplatz

Bode stellt sich den Friedrichsplatz als Forum vor, "daß entgegen mitteleuropäischer Strenge ein wenig von der Leichtigkeit ähnlicher Terrains romanischer Plätze besitzen müßte".

Drei Ebenen, durch Treppen ineinander übergehend, sollen nach seiner Vorstellung das Gesicht des Friedrichsplatzes formen. Die erste Ebene bilde sich von selbst an der Oberen Königsstraße mit angrenzender Allee, heißt es.

Das zweite Plateau sollte vor dem neuen Bilka-Kaufhaus hin zur Karlsstraße entstehen. Eine dritte Ebene sollte noch weiter hinabführen: "Den Rest wieder durch Freitreppen ein Stück tiefer plaziert, könnte der Fußgänger sich den Friedrichsplatz zwischen Karlsstraße und Steinweg erschließen."

Voraussetzung des Bode-Plans ist, daß der Steinweg an dieser Stelle tiefer gelegt wird, denn der Friedrichsplatz soll nach seiner Planung zweistöckig werden.

Unten drunter sollten Autos parken, die vom Steinweg aus einfahren und sich unterirdisch in Richtung der untertunnelten Karlsstraße und damit zum Innenring oder zum Königsplatz bewegen können.

Das sei alles gar nicht so teuer wie man befürchten könnte, so Bode: Das Projekt ließe sich für insgesamt 2,5 Millionen Mark verwirklichen. Zwischen der Oberen Königsstraße und dem Theater würde ein Höhenunterschied von etwa neun Metern zu überbrücken sein. Bode schlägt vor, den Fußgängern über den Steinweg zwei Brücken zu bauen, damit sie bequem zum Theater gelangen können.

Unter dem Friedrichsplatz sollte Parkraum für 800 Wagen entstehen. Oberirdisch gehört der Friedrichsplatz nach Bodes Wunsch ausschließlich den Fußgängern.

Auf dem oberen Teil sollen im Sommer bunte Stühle stehen. Zwischen Oberer Königsstraße und Unterer Karlsstraße ließe sich nach seinen Plänen der Platz in Steinquadrate auflösen: Anthrazitfarbener Basalt und heller Marmor waren vorgesehen.

Doch nicht genug der erlebnisreichen Neugestaltung: In der Mitte sollten dünne Wasserfontänen in die Höhe spritzen. Ein Stück tiefer würde sich die nächste Terrasse in kaskadenartige Wasserbassins gliedern. Dazwischen, so Bode, sollten Fußwege entstehen. Als Abschluß und Höhepunkt der Gestaltung war eine Wasserwand gedacht, die zwischen Pylonen am Rand zum Steinweg zwei bis drei Meter hoch springt.

Übrigens hätte Bode den Platz vor dem Staatstheater, der in Steinparkett gestaltet werden soll, lieber als Fortsetzung der Karlsaue in Form einer Grünfläche gesehen.

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