1957

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Inhaltsverzeichnis

Ereignisse

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Amateure-ksv-hessen.JPG
Amateurfußballer des KSV Hessen Kassel, 1957

Obere Reihe von links: Karl-Heinz Mainz ( 1955-1956 u. 1957-1960), Hellner, Schwarz,Gerhard Pilz, Heitmann, Obmann Walter Koch, Trainer, Günter Heppe (1957-1958)

Mitte: Grimm, Sengler, Corell

Vorn: Franz Pavel (1956-1957), Naewie

Juli

August

September

Oktober

November

Am Vorabend der 38. Internationalen Automobilausstellung erklärte VW-Chef Nordhoff vor der Presse, daß eine Erweiterung der Produktion des Volkswagenwerkes vorgesehen ist. Diese Fabrik werde auf das Henschel-Grundstück in Altenbauna bei Kassel kommen.

(Quelle: Frankfurt a. Main, 18.9.1957, vwd-Wirtschaftsspiegel Nr. 217)

Die Henschel-Werke, die sich in einer Krise befanden, verkauften das gesamte Werksgelände der früheren Henschel-Flugmotoren-Fabrik, zwischen Altenbauna und Rengershausen.

Am 5. Oktober 1957 kam es zur Vertragsunterzeichnung in Frankfurt am Oberlandesgericht durch Vertreter der Henschel & Sohn GmbH als Eigentümer und Vertretern der Volkswagenwerk GmbH als Käufer. VW kaufte damals ein Grundstück von 1,08 Millionen Quadratmetern.

Dezember

Sonstige

Marktromantik und leichte Eleganz

Auch zwölf Jahre nach dem Krieg fehlen in Kassel noch Wohnungen - trotz aller Neubauanstrengungen. Fertig werden einige der herausragenden Verwaltungsbauten.

Trotz erheblicher Bemühungen im Wohnungsbau - allein 1956 waren fast 1600 Neubauwohnungen entstanden - warten zu Jahresbeginn noch immer 25 000 Menschen in Kassel "auf ein gemütliches eigenes Heim", wie die Hessischen Nachrichten (HN) am 17. April titeln. 10 500 von ihnen stehen auf der Dringlichkeitsliste, 953 Familien gelten im Wohnungsamt als "krasse Notfälle", gefolgt von 750 Familien, die mit mehr als drei Personen in einem Zimmer leben müssen.

Licht, Luft, Sonne

Licht, Luft und Sonne ist das Motto des Wohnungsbaus in den Fünfzigern, nachdem allein in der engen Altstadt im Krieg 8000 Wohnungen zerstört worden sind, die diese Kriterien selten erfüllten. Jetzt wird gebaut im Auefeld und in Helleböhn, am Lindenberg, aber auch in Wilhelmshöhe, wo die Bundesbahn-Wohnungsbaugesellschaft ein Wohnhochhaus errichtet. Auch 1957 verursacht Bauen nicht nur eitel Freude, denn die Anlieger der Virchowstraße - Senatspräsidenten und Bundesrichter - sehen sich um ihre Aussicht auf den Habichtswald gebracht.

Proteste

Heftig protestieren auch 150 alte Damen im Januar 1957, ihr Adressat ist jedoch nicht Oberbürgermeister Dr. Lauritz Lauritzen, sondern der amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower. Die 76jährige Gabriele Schmidt fordert in einem Telegramm ans Weiße Haus, die Amerikaner sollten endlich aus den Räumen des Aschrott-Altenheimes abziehen, um den Frauen wieder ein Dach über dem Kopf zu geben in dem von Otto Haeseler 1930/31 erbauten, für seine moderne Architektur weithin gerühmten Haus. Die Kasseler Frauen - auf der Warteliste stehen mehr als 500 - müssen sich allerdings noch bis zum 27. März 1958 gedulden, erst dann geben die Amerikaner das Gebäude zurück.

Doch nicht nur Wohnhäuser werden gebaut, 1957 entstehen auch einige der beispielhaften Verwaltungsgebäude dieser Zeit, so das Haus der AOK an der Schönen Aussicht, das Wintershall-Verwaltungsgebäude mit seinen 1088 Fenstern an der Friedrich-Ebert-Straße, die Kinderklinik an den Städtischen Kliniken, mehrere Schulen und Kindergärten, die heute noch von der oft so leichten Eleganz guter Architektur dieses Jahrzehnts zeugen. Dazu gehört auch die von Josef Bieling geplante Bonifatiuskirche an der Ihringshäuser Straße, die als markantestes Kasseler Bauwerk der Nachkriegszeit in den Brockhaus aufgenommen wird. Und das CVJM-Gebäude an der Wolfsschlucht, das im Rahmen einer internationalen Tagung im Juni eingeweiht wird, zu der 200 Leute aus 38 Nationen nach Kassel kommen.

Schwieriges Projekt

Eingeweiht wird auch die nach den Plänen von Walter Seidler wiederaufgebaute Karlskirche, ein äußerst schwieriges Projekt. Unter den 30 Einsendungen eines Wettbewerbes 1952 hat man sich für nicht einen einzigen Entwurf entscheiden können. Und von geradezu beklemmender Aktualität ist das Urteil der Zeitung über diesen Bau (siehe Rubrik "Es stand in der Zeitung").

Daß der Königsplatz quasi zu jeder Zeit die Gemüter erhitzt, zeigt eine Diskussion aus dem Sommer: "Speckkuchenduft über dem Königsplatz: Insel der Romantik im flutenden Verkehr" lautet die HN-Schlagzeile am 15. Juni über Probleme mit dem Wochenmarkt. Die einen wollen, daß alles bleibt, wie es ist (immerhin kommen noch 150 Kötzenfrauen auf den Markt!), andere träumen von einer Markthalle, und Stadtrat Dr. Karl Branner denkt über den Markt auf dem Entenanger nach - nur Obst und Blumen sollen auf dem Königsplatz bleiben. Der Grund für die Diskussion? Natürlich der Autoverkehr rund um den Platz, der sich durch das muntere Treiben schlicht gestört fühlt. . .

Heftige Kritik

Jener Karl Branner wird Anfang Dezember Bürgermeister der Stadt - nach einer heftigen Debatte im Stadtparlament: Die Tatsache, daß nicht nur SPD-Mann Branner Bürgermeister wird, sondern auch sein Parteigenosse Herbert Redl Stadtschulrat, veranlaßt den sonst so moderaten CDU-Fraktionschef Dr. Rolf Lucas zu einer herben Abrechnung mit der Mehrheitsfraktion. Sie zeige mit diesen Wahlvorschlägen, daß sie auf die Mitarbeit der anderen Fraktionen keinen Wert lege. Seine heftige Kritik überrascht sogar die anderen Oppositionsfraktionen, schließlich hat man keine Gegenkandidaten aufgestellt.

Aber eigentlich ist es wie so häufig in der Politik: Laut HN wäre Dr. Lucas selbst gerne Bürgermeister geworden. . . Trotz allen Ärgers findet Dr. Lucas noch versöhnliche Worte. Beeindruckt hat ihn ein 26jähriger, der im Laufe der Debatte flugs einen Vortrag gebastelt und in blendender, freier Rede vorgetragen hat: "Der Börner war aber Klasse", attestiert Freiredner Lucas dem jungen Mann, der seit September als jüngster Abgeordneter im dritten Bundestag sitzt.


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