1956

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  • 21. Februar: Die letzten Heimkehrer aus russischer Gefangenschaft werden vom Magistrat der Stadt Kassel empfangen.

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1. Juli: Heeresmusikkorps 2 Gründung.

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  • Eine Auswahl des Staatstheaters Kassel spielte gegen den Hessischen Rundfunk Fußball.
    Kasseler Staatstheater spielte 1956 gegen den Hessischen Rundfunk Fußball

"Das Leben in Freiheit ist schwer"

Erschöpft, aber glücklich über den Familienzusammenschluß: So kehren die letzten Kriegsgefangenen und Zwangsverschleppten aus Rußland 1956 auch nach Kassel zurück.

Konteradmiral a.D. Wolf von Arnswaldt betritt im Januar 1956 am Grenzübergang Herleshausen wieder deutschen Boden. Elf Jahre lang war er Kriegsgefangener in Rußland. Nach einem kurzen Aufenthalt im Lager Friedland, wo alle Spätheimkehrer aufgenommen werden, kommt er nach Kassel. 1926 hatte er dort seine Frau Elisabeth geheiratet. Nach Jahren der Trennung schließt sie ihn in ihre Arme.

"Es bedarf vieler Behördengänge, um wieder zu einem freien Menschen zu werden", zititieren die Hessischen Nachrichten (HN) den Mann am 25. Februar. Lob zollt der Spätheimkehrer den Behörden: "Wir brauchen nicht anzustehen, werden bevorzugt abgefertigt."

"In den russischen Lagern hatten wir die Beziehung zum Leben verloren", sagt der ehemalige Kommandant der Seeverteidigung. Und: "Als freier Mensch zu leben, ist doch nicht so einfach für einen Mann, der elf Jahre hinter Stacheldraht saß."

450 Kriegsgefangene treffen Mitte Januar in Herleshausen ein. Die Männer tragen Watteblusen und wattierte oder pelzbesetzte Mützen. Die Frauen haben dicke Röcke und Jacken oder kurze Mäntel an und echt russische Tücher auf dem Kopf.

Der Raum der Grenzkontrollstelle ist mit Blumen geschmückt. Für die ausgezehrten Menschen gibt es Kaffee, Kuchen, Schokolade. Die Männer freuen sich nach Jahren der Entbehrungen über eine gute Zigarre oder Zigarette. "Alle Waggons waren seitlich und von unten beleuchtet. Auf den vorderen Güterwagen hielten jeweils zwei Sowjetarmisten mit Karabinern und aufgepflanztem Seitengewehr Wache." (HN, 16. Januar)

Die Heimkehrer erhalten ihre Bescheinigung nur unter Vorbehalt, erklärt Friedland-Lagerleiter Dr. Frehsen. Denn sollte sich herausstellen, daß sie während der NS-Zeit Verbrechen begangen oder falsche Angaben gemacht haben, entfallen die Rechte eines Heimkehrers.

Die Männer werden in Bussen nach Kassel gefahren. In Bettenhausen bleiben viele Menschen am Straßenrand stehen und winken den Spätheimkehrern fröhlich zu.

Zwei Tage später steht am Grenzbahnhof Herleshausen wieder das Rote Kreuz mit vielen Krankenwagen bereit. Im Schein schwankender Bahnhofslampen werden Blinde, Tuberkulöse, Querschnittsgelähmte, Amputierte in die schneeweißen Krankenwagen getragen. Unter den ausgemergelten Männern befinden sich auch Kasseler. Zum Beispiel der 27 Jahre alte Harry Heusel, der im Alter von 17 festgenommen worden war. Seine Gefangenschaft verbrachte er in einem Lager an der Eismeerküste.

Anfang Januar trifft bereits Manfred Huch (25) (früher Fiedlerstraße 36) in dem Grenzort ein. Er berichtet, daß er im Januar 1950 von einer Bekannten nach Ost-Berlin eingeladen worden war. "Warum ich dort verhaftet wurde? Ich weiß es nicht." Er arbeitete fünf Jahre in einem Bergwerk. Der gelernte Dreher, der zu seinen Pflegeeltern Wienecke zurückkehrt, will nun "so schnell wie möglich Arbeit finden." (HN, 13. Januar)

Schnell Arbeit finden, das war für die ausgezehrten Männer das A und O. Glück haben die beiden Spätheimkehrer Julius Rose (43) und Heinrich Iske (45): Sie werden auf ihre alten Posten als Polizei-Hauptwachtmeister eingesetzt. Rose sagt: "Ich hatte in den ersten Tagen das Gefühl, in diesem irrsinnigen Verkehr unterzugehen". Iske bekennt: "Als ich zum ersten Mal wieder die Uniform trug, war ich doch merklich unsicher." (HN, 5. Mai)

"Denn solche starken Ellenbogen haben wir noch nicht"

68 Rußland-Heimkehrer kamen seit 1955 nach Kassel Stadt und Land, melden die HN im Oktober 1956. Drei von ihnen hätten den Bund fürs Leben geschlossen, einer "rüste gar zur Kindstaufe", drei andere hätten sich selbständig gemacht. Leider seien zwei von ihnen schwer erkrankt. Fast alle hätten im Laufe des Sommers Arbeit gefunden: teils bei ihrem alten Arbeitgeber, teils als Aushilfskräfte.

Die Heimkehrer seien wegen ihrer jahrelangen Trennung von der Familie besonderen Problemen ausgesetzt. So habe einer berichtet: "Als ich schon einige Wochen zu Hause war, hörte ich, wie mein Mädchen die Mutter in der Küche fragt: Ist das denn nun wirklich unser Vati?"

Vom deutschen Wirtschaftswunder hielten die Heimkehrer nichts. Die Angst um die Existenz, die Sorge um immer mehr Geld stünden im Vordergrund. "Wo bleibt die Sorge um den Menschen nebenan?", hieße ihre Frage. Sie könnten sich nicht durchsetzen. "Denn solche starken Ellenbogen haben wir noch nicht", sagt ein Betroffener.

Ein Strauß Nelken und lakonische Worte

"Da sitzen Sie nun fünf Minuten neben mir und haben kein Wort gesprochen." Die Kamera fährt auf Gleitschienen dicht an das berühmte Paar heran. Klappe. In Großaufnahme sieht man die Schauspielerin Eva Bartok mit schwarzem Topfhut und den noch wenig hünenhaft wirkenden Regisseur und Schauspieler Curd Jürgens. Was Eva Bartok in dem Film "Ohne dich wird es Nacht" eher lakonisch zu ihrem bekannten Partner sagt, lassen sich Hunderte Kasseler Einwohner im Mai nicht entgehen. Just die Treppenstraße (oberhalb der Wolfsschlucht) hat sich der smarte Jürgens für diesen Teil des Ehedramas ausgesucht. Etwas später richten sich die Scheinwerfer aufs Rathaus: Jürgens hat dort an einem extra aufgebauten Blumenstand einen Strauß Nelken zu kaufen. Als die Szene im Kasten ist, starten vor allem die Teenies zum Großangriff: Die Stars werden mit Autogrammwünschen überschüttet. Trockenes Fazit der Hessischen Narichten: Ein Blumenstand im Rathaus-Vorhof wäre auch sonst sehr nett.

Protest gegen die Bundeswehr

Am Anfang stand ein Proteststurm. Ausgelöst wurde er durch die Frage, ob Kassel wieder Standort für bundesdeutsche Soldaten werden sollte.

Im Stadtparlament tobte eine dramatische Redeschlacht. Oberbürgermeister Dr. Lauritz Lauritzen erinnerte an den friedlichen Kassel-Auftakt mit der Bundesgartenschau 1955 und forderte, die Stadt solle nicht wieder Garnisonstadt werden, "den Jahrhunderte alten Traum von der Residenzstadt austräumen". Mit 33 (PWG/BHE und SPD) gegen 21 Stimmen (CDU, FDP) lehnte das Stadtparlament ein Belegen Kassels "mit Truppen oder militärischen Einrichtungen" ab. Dies geschah am 05. März 1956. Doch es kam alles ganz anders. Am Sonntag, 01. Juli 1956,wurde mit einem Großen Zapfenstreich Kassel Bundeswehr-Standort. Aus Bundesgrenzschutzbeamten, die in die neue Einheit überwechselten, wurden Soldaten. Nur 30 Prozent der Männer entschied sich für den Verbleib beim BGS.

Kassel war neben Fulda der erste Bundeswehr-Standort in Hessen. In Kasseler Kasernen lagen damals Soldaten schon seit Jahren: Belgische Truppen, die am 18.November 1952 einzogen. Für ihre Stationierung waren innerhalb von wenigen Monaten mit über 1000 Bauarbeitern Unterkünfte an der Eugen-Richter-Straße geschaffen worden. Gleichzeitig wurden über 100 Wohnhäuser für belgische Familien gebaut - die Belgiersiedlung im Auefeld.

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