1954

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Ereignisse

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Sonstige

Preisgekrönter Entwurf gekippt

Der Bau des Staatstheaters beschäftigt Lokal- und Landespolitik. Der preisgekrönte Entwurf der Architekten Scharoun und Mattern wird nicht ausgeführt, stattdessen kommt Paul Bodes Konzept zum Zuge.

Der Bau des Staatstheaters erregt die Gemüter in Kassel und beschäftigt auch die Landesregierung, wird zum Politikum. Dabei fing alles ganz harmonisch an. 1951 schreibt das Land Hessen einen Ideenwettbewerb für den Neubau des im Krieg zerstörten wilhelminischen Staatstheaters in der Fuldametropole aus. Lange vor dem Wettbewerb gibt es in der Öffentlichkeit heftige Diskussionen darüber, ob die Theaterruine wieder aufgebaut werden oder ob ein Neubau an anderer Stelle errichtet werden soll. Es sollte, so entschied die Politik, ein neues Theater am anderen Platz entstehen. Das Preisgericht entscheidet sich im September 1952 für den gemeinsamen Entwurf des Berliner Architekten Prof. Hans Scharoun und des Kasseler Professors der Werkakademie, Hermann Mattern. Die Fachleute sind begeistert von der Arbeit, auch Kassels Stadtrat Dr. Wolfgang Bangert lobt den Entwurf als "geistreiche, städtebaulich sehr gute Lösung." Der Entwurf Scharoun/Mattern sieht einen Neubau in Nachbarschaft des alten Theaters im Südosten des Friedrichsplatzes am Hang zur Karlsaue vor. Das von der Fachwelt stark beachtete Modell, das auf der Mailänder Trienale gezeigt wird, besticht dadurch, dass nicht ein einzelner großer, sondern ein stark gegliederter Baukomplex geplant ist.

Als "glückliche Lösung" bezeichnet es das Preisgericht auch, daß die beiden Baumeister die große Fußgängerverbindung vom Hauptbahnhof zur Auelandschaft belassen wollen. Wer zu Fuß unterwegs ist, kann den Musentempel über eine Brücke über den Steinweg erreichen. Nicht so gut findet die Jury die Idee in dem Entwurf, ein Kammerspieltheater in den Hanggeschossen des alten Theaters anzuordnen.

Die Kasseler Bürger verfolgen die Planung gespannt, hoffen, daß sie bald im neuen Theater Aufführungen besuchen können, statt in den engen, für das Theaterspiel nicht geeigneten Räumen der Stadthalle.

Am 15. Oktober 1954 wird schließlich feierlich der Grundstein gelegt für den Neubau nach dem Berlin-Kasseler-Gemeinschaftsentwurf. Die Baufirmen legen los und heben die Grube aus.

Mitte Dezember, zwei Monate nach Baubeginn, aber sind die Maschinen wieder stumm, weil die Bauherrin, die Landesregierung, die Arbeiten gestoppt hat. Wegen "Gründungsschwierigkeiten", wie es offiziell heißt. Tatsächlich sind Bauarbeiter beim Ausschachten auf Festungswälle und Kasematten gestoßen.

Durch diesen Fund – oder war die Entdeckung nur der Vorwand? – gerät der Bau ins Stocken. Die Landesregierung wirft Scharoun und Mattern vor, sie hätten es unterlassen, sich über den Untergrund eingehend zu informieren und seien bei Probebohrungen unsachgemäß vorgegangen. Die prominenten Baumeister wehren sich gegen die harsche Kritik. Die harten Worte aus Wiesbaden sind natürlich auch darauf zurückzuführen, daß sich durch die Gründungsprobleme die Kosten des Theaters drastisch erhöhen – von geplanten 7,1 Millionen Mark auf schließlich 21 Millionen Mark.

Die folgenden Monate des Jahres 1955 diskutieren die Kasseler über die Frage, was aus dem angefangenen Theaterbau wird. Das Land liebäugelt, wie sich herausstellt, mit einem Entwurf, den der Kasseler Architekt Paul Bode vorgelegt hat. Dieser sieht einen Bau nahezu parallel zum Steinweg vor. Die Diskussion spitzt sich zu.

Am 23. April 1955 erklärt Kassels Oberbürgermeister Dr. Lauritz Lauritzen der Öffentlichkeit, daß sich die Landesregierung von den Plänen Scharoun/Mattern verabschiedet hat und den Entwurf Bodes bauen lassen will.

So kommt es, die Kasseler Stadtverordneten stimmen dem Votum des Landes am 2. Mai 1955 zu. Die Versammlung erklärt, sie habe keine Bedenken gegen die "Inangriffnahme und Ausführung des Theaterprojektes Bode, wenn die Landesregierung den alten Entwurf", gemeint ist der von Scharoun und Mattern, "für unausführbar" hält.

Gala Metzner im Weltmeister-Team von Bern

Die Blicke aller Deutschen waren im Juni und Juli auf die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gerichtet, die in der Schweiz für Furore sorgte und durch den 3:2-Sieg im Finale gegen Ungarn sensationell den WM-Titel gewann. Im deutschen Aufgebot von Trainer Sepp Herberger stand auch ein Spieler des KSV Hessen Kassel: Karl-Heinz Metzner, den sie alle nur "Gala" nannten, der allerdings in der Endrunde nicht zum Einsatz kam.

Der damals 31jährige hatte sich mit beständig guten Leistungen in der 2. Liga Süd und in der Oberliga für die Nationalelf empfohlen, für die er zwei Länderspiele (beim 3:0 gegen das Saarland und beim 2:2 gegen Spanien) bestritt. Metzner, 1949 vom VfL Kassel zum KSV Hessen gewechselt, trug bis zu seinem 38. Lebensjahr das Trikot der "Ersten" und half später bei den Amateuren aus. Er war der einzige waschechte Kasseler, der nach 1945 in der A-Nationalmannschaft spielte. "Gala" weilt nicht mehr unter uns: Er starb 71jährig im Oktober 1994. (gra)

Bundesarbeitsgericht: Feierliche Eröffnung

Am 10. Juli wird im Rahmen eines Festaktes im Stadtverordnetensitzungssaal das Bundesarbeitsgericht (BAG) feierlich eröffnet. Viel politische Prominenz findet sich dazu ein, darunter die Bundesminister Storch (Arbeit) und Neumayer (Justiz) sowie Hessens Minister für Arbeit, Wirtschaft und Verkehr, Fischer. Der Präsident des BAG, Prof. Nipperdey, nennt bei seiner Rede als oberstes Prinzip des Bundesarbeitsgerichts, die Gerichtsbarkeit in den Dienst der sozialen Gerechtigkeit zu stellen. Kassels Oberbürgermeister Willi Seidel dankt den Abgeordneten des Bundestags und den Vertretern des Bundesrats dafür, daß sie Kassel als Sitz des Gerichts ausgewählt haben. Die obersten Arbeitsrichter der Republik waren bereits einige Wochen vor der Eröffnung in die Räume im ehemaligen Generalkommando eingezogen.(kri)

Oberbürgermeister: Lauritzen tritt Amt an

Am 6. Juli wird der gebürtige Kieler Dr. Lauritz Lauritzen auf Vorschlag der Fraktionen von SPD und BHE zum Kasseler Oberbürgermeister gewählt.

Beginn beim Berliner Magistrat

Der studierte Jurist beginnt seine Laufbahn nach dem Krieg 1946 beim Magistrat in Berlin und wechselt 1951 ins niedersächsische Innenministerium.

Nach sechsjähriger Amtszeit als OB wird der Sozialdemokrat am 22. Februar 1960 von der Kasseler Stadtverordnetenversammlung für weitere zwölf Jahre wiedergewählt.

Der Korrespondent der englischen Zeitschrift "The Economist", K.S. Robson, schreibt 1960 einen Beitrag über den Wiederaufbau und die Zukunftsentwicklung Kassels. Da die Stadt 1960 wieder knapp 200.000 Einwohner zählte, hege der OB die Hoffnung, schreibt der britische Korrespondent, daß die Einwohnerzahl im Jahr 1972, am Ende von Lauritzens Amtszeit, auf 300.000 ansteigt.

Wechsel nach Wiesbaden

Lauritzen bleibt nicht bis 1972 in der Fuldastadt, sondern wechselt 1962 als Justizminister in die hessische Landesregierung. Später wird er als Wohnungsbauminister ins Bundeskabinett berufen.

Randnotizen

Das Bundesarbeitsgericht wird am 11. September im Rahmen eines Festaktes eröffnet.

Kassels erste Rolltreppe geht am 8. November im neuen Erweiterungsbau des Kaufhauses Neckermann am Ständeplatz in Betrieb. Die Kunden drängen sich, um die technische Neuheit zu besichtigen.

Fernsehsender: Im Oktober hat eine schwäbische Firma die Planung für einen Fernsehsender des Hessischen Rundfunks auf dem Hohen Meissner abgeschlossen. Die Empfangsanlage soll Kassel und Umgebung versorgen, sie umfaßt einen Zehn-Kilowatt-Bildsender und einen Zwei-Kilowatt-Tonsender.

Geboren

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9. Februar: Geburt von Bertram Hilgen

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