1946

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
| 19. Jahrhundert | 20. Jahrhundert | 21. Jahrhundert | ► Portal: Geschichte

◄◄ | | 1942 | 1943 | 1944 | 1945 | 1946 | 1947 | 1948 | 1949 | 1950 | | ►►


Ereignisse

Januar

Februar

  • 14. Februar: Mit Mozarts "Cosi fan tutte" wird in der Stadthalle der "Blaue Saal " als zweite Spielstätte des Kasseler Behelfstheaters eröffnet.

März

April

  • noch kein Eintrag

Mai

  • 26. Mai: Die Kommunalwahl markiert den Wiederbeginn des demokratischen Zeitalters in Kassel. Sieben Monate nach der Zulassung politischer Parteien durch die Militärregierung sind gut 79000 Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, über die Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung zu entscheiden. Als ehemals aktive Nationalsozialisten sind knapp 5200 Kasseler von dem Urnengang ausgeschlossen. Mit 85,7 Prozent ist die Wahlbeteiligung unerwartet hoch.

Juni

Juli

  • noch kein Eintrag

August

  • noch kein Eintrag

September

  • noch kein Eintrag

Oktober

November

  • noch kein Eintrag

Dezember

Sonstige

Zum "Hamstern" auf die Dörfer

Ein Jahr nach Kriegsende herrschen im zerstörten Kassel erbärmliche Zustände. Die Menschen hungern, es fehlt an Kleidung und Brennstoff. Wer noch Wertgegenstände hat, fährt zum "Hamstern" aufs Land.

Was sie für den Kasten mit dem Besteck aus Silber und die kleine Standuhr wohl bekommen wird? Ein Stück Speck vielleicht, ein paar Würste, ein bißchen Schmalz, Mehl, Eier und - wenn sie Glück hat - einen Sack Kartoffeln. Schweren Herzens verstaut die junge Frau die letzten Kostbarkeiten, die sie aus der zerstörten Wohnung retten konnte, in dem zerschlissenen Rucksack aus grünem Leinen. Dann macht sie sich mit dem Fahrrad auf den Weg nach Niederkaufungen und Heiligenrode. Dort wird sie wieder einmal die Bauernhöfe abklappern und versuchen, die Wertgegenstände gegen Eßbares einzutauschen.

Die "Hamsterfahrten" auf die Dörfer gehören für viele Kasseler inzwischen zum Alltag. Wer etwas zum Tauschen hat, bei den Bauern oder auf dem blühenden Schwarzmarkt in der Stadt, kann sich glücklich schätzen. Wer allein auf die offiziellen Zuteilungen angewiesen ist, hat nämlich buchstäblich schlechte Karten. Was die Bewirtschaftungsbürokratie nach dem bitterkalten Winter zu bieten hat, ist zum Leben zuwenig und zum Sterben zuviel. Es fehlt an Nahrung, Kleidung, Kohlen und Benzin.

Im Sommer 1946 sinken die ohnehin niedrigen Lebensmittelrationen weiter dramatisch. Gerade 1058 Kalorien erhält der Normalverbraucher im Juli, zu Jahresbeginn waren es noch 1620. Als notwendig gelten wenigstens 2300 Kalorien. Die Kost ist mager und einseitig: Nasses Brot, minderwertige Kartoffeln.

In der Not wissen sich die gepeinigten Menschen zu helfen. Zwischen den Trümmern, die nach Brennholz durchstöbert werden, bauen sie Gemüse an. Grünflächen verwandeln sich in Kartoffeläcker, auf dem Balkon zieht man Tabakpflanzen und züchtet Kaninchen.

Mit der Not gehen aber auch spezielle Formen der Kriminalität einher: Mundraub und der Diebstahl von Lebensmitteln. Am 19. November meldet der Polizei-Lagebericht einen "tätlichen Angriff auf eine Polizeistreife". Bei der Kontrolle "verdächtiger Personen" wurde ein Polizist angegriffen, der daraufhin auf einen Mann schoß und ihn schwer verletzte. Der 32jährige und sein Komplize hatten aus einem Stall in Bettenhausen "fünf schlachtreife Kaninchen" entwendet.

Neben den Frauen, die das Leben in den Ruinen organisieren müssen, sind die Jugendlichen die Hauptleidtragenden der Nachkriegszeit. Zu Dutzenden irren sie in der Stadt umher: Kriegswaisen sowie Jungen und Mädchen, die von Zuhause ausgerissen sind. Bei Razzien von Polizei und Jugendamt werden nach der Sperrstunde immer wieder Jugendliche aufgegriffen, manche davon sind in Begleitung amerikanischer Soldaten.

"Die ortsansässige Jugend wohnt in erbärmlichen Unterkünften. Mangelnde Bekleidung, Hunger, Hautkrankheiten, Tuberkulose bilden zusammen mit Hamster-, Tausch- und Schwarzhandelsgeschäften die Quellen der Jugendgefährdung und schließlich der Verwahrlosung", heißt es in einem Bericht des städtischen Jugendamtes. "Um die moralische Haltung eines Teils...der Jugendlichen einzudämmern", werden in Kassel spezielle "Aufnahmeheime" eingerichtet.

Was die Zukunftsperspektiven angeht, wirkt sich die einseitige Ausrichtung der Kasseler Industrie auf die Herstellung von Rüstungsgütern ein weiteres Mal fatal für die Bewohner der Fuldastadt aus. Erst brachten die alliierten Bomben Tod und Verderben, jetzt bringt die Demontage der Fabriken 30000 Menschen um ihre Arbeitsplätze. 22500 fallen allein in den drei Flugzeugwerken Fieseler, Henschel-Flugmotoren und Junkers-Flugmotoren weg.

Trotz oder gerade wegen der allgegenwärtigen Not herrscht in der Stadt aber auch Aufbruchstimmung. Vor allem unter den Theaterschaffenden, die auch zum Trümmerräumen verpflichtet werden. Mit Mozarts "Cosi fan tutte" wird am 14. Februar in der Stadthalle der "Blaue Saal" als zweite Spielstätte des Behelfstheaters eröffnet. Bereits im Jahr zuvor war das Vestibül als provisorische Bühne hergerichtet worden. Unter dem Intendanten H. C. Müller, der häufig in Strohschuhen und dickem Mantel Regie führt, spielt man Goethes "Iphigenie auf Tauris", "Die Fledermaus" von Johann Strauß, Kästners "Pünktchen und Anton" und "Der Traum von Wassilikova", ein bewegendes Zeitstück von Horst Lange. Den größten Erfolg landet man jedoch mit leichter Unterhaltung. Renner der Spielzeit 1946/47 ist das "Weiße Rößl".

Stadtparlament: Über 60% wählen links

Die Kommunalwahl am 26. Mai 1946 markiert den Wiederbeginn des demokratischen Zeitalters in Kassel. Sieben Monate nach der Zulassung politischer Parteien durch die Militärregierung sind gut 79000 Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, über die Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung zu entscheiden. Als ehemals aktive Nationalsozialisten sind knapp 5200 Kasseler von dem Urnengang ausgeschlossen. Mit 85,7 Prozent ist die Wahlbeteiligung unerwartet hoch. Gleiches gilt für die Zahl der ungültigen Stimmen (5,4 Prozent). Sie stammen vermutlich von Protestwählern, die das neue System ablehnen.

Eindeutiger Sieger der Kommunalwahl ist die SPD. Sie erreicht 51,6 Prozent und 40 Sitze in der Stadtverordnetenversammlung. Die neugegründete CDU kommt auf 25,5 Prozent und stellt 20 Stadtverordnete. LDP (12,5 Prozent) und KPD (10,4 Prozent) scheitern an der 15-Prozent-Klausel, die die Militärregierung erlassen hat, um Radikalen den Einzug in die Parlamente zu verwehren.

In ihrer ersten Sitzung wählen die Stadtverordneten den Sozialdemokraten Willi Seidel zum Oberbürgermeister. Er ist bereits seit April 1945 kommissarisch im Amt. Im Dezember 1946 steht die Wahl zum Landtag an. Bei den Linksparteien SPD (51,9 Prozent) und KPD (10,5 Prozent) ändert sich praktisch nichts. Auffällig ist die veränderte Stimmenverteilung bei CDU (16,2 Prozent) und LDP (21,4 Prozent).

Geboren

Januar

  • noch kein Eintrag

Februar

  • noch kein Eintrag

März

  • noch kein Eintrag

April

  • noch kein Eintrag

Mai

  • noch kein Eintrag

Juni

  • noch kein Eintrag

Juli

  • noch kein Eintrag

August

  • noch kein Eintrag

September

  • noch kein Eintrag

Oktober

  • noch kein Eintrag

November

  • noch kein Eintrag

Dezember

  • noch kein Eintrag

Gestorben

Januar

  • noch kein Eintrag

Februar

  • noch kein Eintrag

März

  • noch kein Eintrag

April

  • noch kein Eintrag

Mai

  • noch kein Eintrag

Juni

  • noch kein Eintrag

Juli

  • noch kein Eintrag

August

  • noch kein Eintrag

September

  • noch kein Eintrag

Oktober

  • noch kein Eintrag

November

  • noch kein Eintrag

Dezember

  • noch kein Eintrag