1944

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Sonstige

Frauen im Krieg: Vom Herd an die Flak

Heim und Herd hatten die Nazis den Frauen zugedacht, doch im Krieg wurde es für sie schnell zur Ehre erklärt, dem Vaterland auch in Fabriken und der Wehrmacht zu dienen.

Wie wäre es mit Wildkräutern und Wildgemüse? Der Reichsausschuß für volkswirtschaftliche Aufklärung schlägt der deutschen Hausfrau 1944 angesichts wachsender Lebensmittelknappheit vor, sammeln zu gehen. Für viele Frauen ein zynischer Rat, wissen sie ohnehin kaum, wie sie den Alltag zwischen Arbeit, Kindern und Schlangestehen meistern sollen, noch dazu in einer Stadt, in der man in Ruinen lebt.

Aber so vieles, was die Menschen in Kassel 1944 in der Kurhessischen Landeszeitung lesen - zum Kriegsende hin die einzige noch erscheinende Tageszeitung in Kassel -, ist an Zynismus kaum zu überbieten. Die Spalten sind voll mit Durchhalteparolen, angeblichen Siegen an allen Fronten und Meldungen über geringe deutsche Verluste. Letzterem widersprechen allein die Seiten mit den unzähligen Todesanzeigen für gefallene Soldaten.

"Gute Stimmung"

Viele ahnen, wie es um Deutschland steht, denn 1944 werden auch noch die letzten Männer, die irgendwie waffentauglich erscheinen, an die Front geholt - Schüler und ältere, die nicht in Rüstungsbetrieben arbeiten, kommen im Herbst zu Schanzarbeiten an den "Westwall". Die Kurhessische vermeldet am 22. September 1944: "Gute Stimmung bei unseren Jungen und Männern am Westwall". Im November werden alle 16 bis 60jährigen in den "Volkssturm" abkommandiert - das letzte Aufgebot.

Wo Männer Arbeitsplätze verlassen, müssen Frauen nachrücken - nicht erst 1944, aber dann umso häufiger, denn die Rüstungsproduktion darf nicht stillstehen. Auch dienen Frauen längst als Flakwaffenhelferinnen. Der Dienst an der Waffe war den "Blitzmädels" allerdings verboten, "denn niemals soll die Frau militarisiert werden.....das würde sich niemals mit ihrer Würde und der Stellung, die sie in der Gemeinschaft unseres Volkes trägt, vereinbaren lassen", so die Kurhessische Zeitung am 19. Juni 1944.

Bild gewandelt

Längst hat sich aber das Frauenbild der Nazis gewandelt. Hatten sie noch 1933 eine Kampagne zum "Kampf dem Doppelverdienertum" gestartet, um die deutsche Hausfrau und geradezu glorifizierte Mutter an den Herd zu zwingen, muß man wenige Jahre später umdenken: Die Frauen werden als Arbeiterinnen gebraucht.

Gerade, weil ihr doch Heimat und Häuslichkeit das Höchste sei, solle die Arbeit fürs Vaterland der Frau moralische Genugtuung verschaffen, befindet die Kurhessische am 31. August 1944, kurz nachdem die Meldepflicht für Frauen auf 50 Jahre heraufgesetzt worden ist.

Harte Arbeit

Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken sind hart, und die Arbeitszeiten werden immer länger, so daß viele Frauen es abends gar nicht mehr schafften, auf die Lebensmittelkarten noch etwas zu essen zu bekommen. Wer sich dadurch verleiten läßt, der Arbeit fern zu bleiben, läuft Gefahr, hart bestraft zu werden: Auf Arbeitsvertragsbruch steht Gefängnisstrafe und Arbeitshaus.

Mit noch drakonischeren Stafen haben all jene zu rechnen, die nicht freiwillig hier arbeiten: Jeder zweite Beschäftigte in der Rüstungsindustrie ist 1944 ein Zwangsarbeiter, zwischen 20 000 und 30 000 leben in Kassel. Sie hausen zumeist in Massenlagern, die Verpflegung ist schlecht, und speziell den Russen helfen deutsche Kollegen immer wieder heimlich mit einem Stück Brot, da sie am schlechtesten behandelt werden. Heimlich, denn Kontakte zu den Zwangsarbeitern sind strengstens verboten. Und so, als sähen die Menschen am Arbeitsplatz nicht, wie die Ausländer behandelt werden, schreibt die Kurhessische Landeszeitung am 30. April 1944: "Einsatz für Deutschlands Sieg: Die Gastarbeiter fühlen sich wohl im Reich".

Verhöhnung

Propagandistisch schrecken die Nazis vor nichts zurück, sie lügen nicht nur, sondern verhöhnen noch die, die für ihre Sache kämpfen, kämpfen müssen. Und die Frauen, die unter schwersten Bedingungen tagtäglich ihre nackte Existenz und die ihrer Kinder retten müssen. Wie anders kann man die Meldung vom 14. November 1944 bewerten, in der unter der Überschrift "Ungebrochene völkische Lebenskraft" vermerkt wird, daß "die deutsche Lebensbilanz" bemerkenswert und "in günstiger Weise" von den Entwicklungen im Ersten Weltkrieg abweiche. Die Zahl der Geburten nehme zu, und es gebe viel mehr Eheschließungen als erwartet, da die heiratsfähigen Jahrgänge durch den ersten Krieg stark dezimiert waren. Und "die Sterblichkeit unter der Zivilbevölkerung ist 1943 weiter zurückgegangen". Solche statistischen Daten werden kommentarlos vermeldet in einer Stadt, in der 1943 in einer einzigen Nacht 10 000 Menschen starben.

Doch es geht noch weiter: Den nach Frontkämpferurlauben jeweils registrierten Geburtenanstieg führen die Statistiker allen Ernstes auf die "völkische Lebenskraft" zurück: "Der wiedererweckte Wille zum Kinde" sei nach wie vor wach und werde "regelmäßig auch dann wirksam, wenn die unerläßlichen Voraussetzungen dazu gegeben sind".

"Ernste Lage"

Gleichwohl sei die volksbiologische Lage ernst und Kinderreichtum notwendig: "Die Generation, die diesen Krieg gewinnt, muß durch gesunden Kinderreichtum auch den Frieden sichern. Dazu wäre es erforderlich, daß jede fortpflanzungsfähige und fortpflanzungswürdige Ehe mindestens vier bis fünf, besonders wertvolle Ehepaare, vor allem der bäuerlichen und handwerklichen Bevölkerung sowie der rassisch-wertvollen Stadtschichten 6 bis 7 und mehr Kinder hervorbringen". Ein halbes Jahr später hat Deutschland den Krieg endgültig verloren.


Zuchthaus Wehlheiden: Bis zu 19 Häftlinge in der Drei-Mann-Zelle

Über katastrophale Zustände im Zuchthaus Wehlheiden 1944 berichtet Willi Höhn, der dort von 1941 bis 1945 wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" inhaftiert war. Höhn war später Sprecher der "Gemeinschaft der ehemaligen republikanischen Spanienfreiwilligen in der BRD":

"Normalerweise konnte das Zuchthaus Kassel-Wehlheiden . . . 600 bis 650 Gefangene aufnehmen. Als ich ins Zuchthaus kam, also im Oktober/November 1941, war der Bau mit etwa 800 bis 900 Mann belegt . . . .

Nachdem die ersten Zuchthäuser und KZ von den Nazis geräumt werden mußten, kamen ganze Belegschaften von Zuchthäusern zusätzlich in unseren Bau, so daß wir in den Herbstmonaten 1944 bis zum Frühjahr 1945 zeitweise bis zu 3000 Häftlinge beherbergten. Dabei stieg die Zahl der Insassen der sogenannten Gemeinschaftszellen, die ursprünglich drei Mann hatten, auf fünf oder sechs, dann später auf sieben bis neun, und in den Wintermonaten 1944 mußten ausländische Häftlinge der Transporte oft bis zu 17 oder 19 Mann wochenlang in einer solchen Gemeinschaftszelle zubringen. Man kann sich kaum vorstellen, was es bedeutete, wenn in einer überbelegten Zelle mit neun oder elf Mann die Nacht der "Kübel" benutzt wurde und bald überlief, besonders wegen des Fraßes, den die Gefangenen erhielten und der in den letzten Jahren vorwiegend aus Rüben und dergleichen bestand.

Aus: Jörg Kammler u.a.: Volksgemeinschaft und Volksfeinde, Kassel 1933 - 1945.

Errichtung eines Außenlagers des KZ Buchenwald

1944 wurde in Gandersheim ein Außenlager des KZs Buchenwald errichtet. Hunderte Häftlinge lebten hier unter unmenschlichen Bedingungen und mussten Zwangsarbeit im Flugzeugwerk und einem nahe gelegenen Steinbruch verrichten.

siehe auch

Jüdische Gemeinde - Gemeinden mit wechselvoller Geschichte

Arzt flüchtete in der Nacht| Boykott jüdischer Geschäfte| Gedenkstätte Breitenau| Grüsener Juden| Jüdischer Friedhof in Bettenhausen| Jüdischer Friedhof in Hofgeismar| Jüdische Gemeinde in Hofgeismar| Heinemann Goldschmidt| Julius Heilbronn| Lilli Jahn| Sigmund Dispeker| Stiftungen| Trendelburg - Mikwe| 1938| 1939| 1940| 1941| 1942| 1943| 1944| 1945| Artikel zur Kapitulation 1945|


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