1942

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Sonstige

Das Rüstungszentrum im Visier

Während des Krieges gab es in Kassel 21 Rüstungsbetriebe. Trotz zunehmender Bombenangriffe lief die Produktion 1942 auf Hochtouren.

Wer die gleichgeschalteten Kasseler Zeitungen des Jahres 1942 durchsieht, kann auf den Titelseiten eine Erfolgsmeldung nach der anderen zum Kriegsverlauf lesen. Zwischen all den Propagandameldungen gibt es aber auch Hinweise auf die schreckliche Realität des Krieges. Es vergeht kein Tag mehr ohne Todesanzeigen von gefallenen Kasseler Soldaten. Monat für Monat werden es mehr. Von 25 Familienanzeigen in der Kasseler Post Anfang Dezember beklagen 20 den Tod eines Angehörigen.

Zwei typische Beispiele: "Unfaßbar hart und schwer traf uns die Nachricht, daß unser lieber guter und einziger Sohn Wilhelm H., Gefreiter in einem Grenadierregiment, am 25. November 1942 den Heldentod im Osten fand." Und: "... traf uns die erschütternde Nachricht, daß unser einziges Kind, der Abiturient und Kriegsfreiwillige Willi T., 15 Tage vor seinem 19 Geburtstag bei den harten Kämpfen in Ägypten den Heldentod für Großdeutschland fand."

In den ersten Monaten des Krieges hatte sich noch kaum jemand vorstellen können, wie furchtbar er werden würde. Die Auswirkungen wurden jetzt auch an der sogenannten "Heimatfront" immer deutlicher. Am 28. August 1942 griffen 274 Bomber das Stadtgebiet an. Militärische Einrichtungen, Industrieanlagen, Krankenhäuser und Wohnviertel wurden getroffen, es gab 43 Tote und 251 Verletzte. Als Zentrum der Rüstungsindustrie war Kassel ein wichtiges Ziel für die alliierten Luftangriffe. Die größten der insgesamt 21 Standorte waren die Fieseler-Werke, das Henschel - Flugmotorenwerk Altenbauna und das 1940 errichtete Zweigwerk der Firma Junkers in Bettenhausen. Ab Mitte 1942 wurden in Kassel die von Henschel und Porsche entwickelten schweren Kampfpanzer Tiger I und Tiger II gebaut. Damit gehörte Henschel zu den drei größten Panzerherstellern des Reichs. Der wichtigste Zulieferer war die als Waggonfabrik gegründete Kasseler Firma Wegmann, die die Türme für den "Tiger" herstellte. Im Juni bekamen die Fieseler-Werke vom Reichsluftfahrtministerium den Auftrag, ein "Ferngeschoß in Flugzeugform" zu entwickeln. Die Fliegerbombe Fi 103 wird als V1 bekannt. Eine Spitzenstellung in Europa hatte Henschel als Produzent für Lokomotiven, die das wichtigste militärische Transportmittel waren. Für die Militärstrategen gaben diese Eckdaten den Ausschlag für den Einsatz der Bomberstaffeln.

Zwangsarbeiter

Zumindest für die Rüstungsproduktion zeigten die Angriffe auf Kassel 1942 noch keine große Wirkung. Die lief weiter auf Hochtouren. Ohne den Einsatz von Frauen, Kriegsgefangenen und ausländischen Zwangsarbeitern wäre das nicht möglich gewesen. Allein bei Henschel wurden 1942 in der Rüstungsproduktion über 6000 Zwangsarbeiter eingesetzt. Insgesamt waren es in Kassel bis zu 30 000 ausländische Arbeitskräfte, es gab Massenquartiere in der Nordstadt, am Mattenberg und in Waldau. Hinzu kamen rund 200 kleinere Lager und Unterkünfte. Jeder zweite Rüstungsarbeiter in Kassel war Ausländer. Sie alle schufteten unter oft menschenunwürdigen Bedingungen, die Kasseler Rüstungsschmieden liefen rund um die Uhr.

Noch tobte der Krieg in erster Linie in der Sowjetunion und Nordafrika. Die ersten Bomben auf das Rüstungszentrum Kassel waren aber schon gefallen - und es sollte noch sehr viel schlimmer kommen.

Nazijustiz: Der Fall Werner Holländer

Am 27. Mai 1942 verhaftete die Gestapo den damals 27jährigen Werner Holländer. Ihm wurde vorgeworfen, zu mehreren "arischen" Frauen "rassenschänderische" Beziehungen unterhalten zu haben. Der Maschinenbauingenieur war ein Jahr zuvor nach Kassel gekommen und arbeitete im Laboratorium bei Henschel. Der attraktive Akademiker kam bei den Frauen gut an. Eine seiner Freundinnen brachte im April 1942 die verhängnisvolle Lawine ins Rollen. Verzweifelt erzählte die Schwangere, Werner Holländer gäbe an, er könne sie nicht heiraten, da er Halbjude sei; sie halte das für eine Ausrede. Bekannte der jungen Frau alarmierten den Ortsgruppenleiter und dieser die Kreisleitung, die daraufhin die Geburtsurkunde Werner Holländers anforderte. Diese enthielt den Nachweis seiner jüdischen Abstammung.

Am 20. April 1943 wurde Werner Holländer vom Sondergericht beim Oberlandesgericht Kassel zum Tode verurteilt. Da das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" nur Haftstrafen vorsah, griffen die Richter Hassencamp und Kessler zu einer bis dahin selbst für die NS-Justiz einmaligen Konstruktion. Sie stuften Holländer als gefährlichen Gewohnheitsverbrecher ein, der nach Nazi-Recht mit dem Tode zu bestrafen war, wenn der "Schutz der Volksgemeinschaft oder das Bedürfnis nach gerechter Sühne" es erforderten. Alle Gnadengesuche und Vorstöße des Rechtsanwalts Werner Holländers waren vergeblich. Er wurde am 30. Mai 1944 enthauptet.

Sechs Jahre später sprach ein Kasseler Schwurgericht die beiden Sonderrichter frei. Sie könnten nur bestraft werden, wenn sie vorsätzlich zum Nachteil des Angeklagten gegen das Gesetz verstoßen hätten, so die Urteilsbegründung. Die moralische Schuld könne ihnen aber niemand abnehmen. (tos)

Quelle: "Volksgemeinschaft und Volksfeinde", Kassel 1933 - 1945, Band I, Herausgegeben von Wilhelm Frenz, Jörg Kammler und Dietfrid Krause-Vilmar.

Die Braut in Kassel, der Bräutigam an der Front

Über 2000 Kilometer Distanz gab sich im Februar 1942 ein Kasseler Paar das Ja-Wort. Sie war mit Familienangehörigen und Trauzeugen erschienen, sein Platz im Trausaal des Rathauses blieb leer. Ein Dolch, ein Helm und das Foto des jungen Soldaten waren auf dem Tisch des Standesbeamten aufgebaut. Das mußte genügen. 14 Monate hatten sich die beiden schon nicht mehr gesehen, der erste Teil der Kriegsheirat fand an der Ostfront statt. Dort gab der Sanitätsunteroffizier vor seinem Kommandeur bereits im Januar das Ja-Wort. Ob der Bräutigam aus dem Krieg zurückkam? Ob die Braut den Bombenhagel überlebte? Getraut wurden sie im Namen des Großdeutschen Reiches.

siehe auch

Jüdische Gemeinde - Gemeinden mit wechselvoller Geschichte

Arzt flüchtete in der Nacht| Boykott jüdischer Geschäfte| Gedenkstätte Breitenau| Grüsener Juden| Jüdischer Friedhof in Bettenhausen| Jüdischer Friedhof in Hofgeismar| Jüdische Gemeinde in Hofgeismar| Heinemann Goldschmidt| Julius Heilbronn| Lilli Jahn| Sigmund Dispeker| Stiftungen| Trendelburg - Mikwe| 1938| 1939| 1940| 1941| 1942| 1943| 1944| 1945| Artikel zur Kapitulation 1945|


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  • 2. Mai: Dieter Paul wird geboren. Er ist der letzte Kasseläner, der auf der Löwenburg geboren wurde.

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  • 30. Juni: Stephan Walcher wurde am 30. Juni 1942 in Kiel geboren und ist am 7. Juli 2015. Er war Chef der Kasseler Staatsanwaltschaft.

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