1939

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Sonstige

Pompöser und lautstarker Kriegertag

Fast 300.000 Soldaten treffen sich im Juni in Kassel zum 1. Großdeutschen Reichskriegertag. Adolf Hitler fliegt in die Stadt und nimmt die Parade ab. Er greift in seiner Rede England an.

Die Euphorie kennt in den ersten Junitagen keine Grenzen. Kassel ist nicht nur im Blickpunkt Deutschlands. Ganz Europa schaut, wenn auch größtenteils sorgenvoll, auf die Fuldastadt, in der fast 300.000 deutsche Soldaten aus dem Weltkrieg und der Wehrmacht aufmarschieren. Die Zeitungen scheinen nur ein Thema zu kennen: Den 1. Großdeutschen Reichskriegertag vom 2. bis 4. Juni. Pompöser und lautstarker als vorangegangene Kriegertage. Großdeutsch, weil Österreich, das Sudetenland und das Memelgebiet an das Reich "angeschlossen" sind.

Hitler kommt

Kassel hat sich besonders für einen Tag herausgeputzt. Es ist der Sonntag, der Abschlusstag, an dem sich Adolf Hitler angekündigt hat und die Militärparade abnehmen will. Zuletzt war er 1933 in Kassel. Lange ist unklar, an welchem Ort der Reichskanzler die Stadt betreten wird. Viele spekulieren, daß er im Bahnhof Wilhelmshöhe ankommt. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich in den Morgenstunden des Sonntags die Nachricht, daß Hitler auf dem Flugplatz in Waldau eintreffen wird. Gegen 9.40 Uhr landet die Maschine des SS-Reichsführers Heinrich Himmler, wenig später ist von weitem das Motorenbrummen weiterer Flugzeuge zu hören. Sie setzen auf dem Flugfeld auf, und wenig später steigt Hitler aus. Ehrenkompanien sind angetreten, und es erklingt der Badenweiler-Marsch. Hitler begrüßt den Chef des Reichskriegerbundes, General Wilhelm Reinhard, und den Gauleiter Karl Weinrich. Führende Militärs und hochrangige Nationalsozialisten, unter ihnen Generaloberst Wilhelm Keitel und Reichsleiter Martin Bormann, begleiten Hitler.

Die "Kasseler Neueste Nachrichten" berichtet von einer Triumphfahrt. Hitler steht und grüßt in seinem offenen Wagen. Er rollt über die Leipziger Straße, die Fuldabrücke, die Altstadt hinaus bis zur Königsstraße. Tausende Kasseler jubeln ihm frenetisch zu. Das Stadtzentrum ist ein einziges Fahnenmeer. Überall sind Lautsprecher aufgestellt. Menschen, insgesamt wohnen rund 200.000 Bürger dem Kriegertag bei, säumen jubelnd die Straßen. Es ist ihnen jedoch untersagt, Blumensträuße mitzubringen oder sie gar in das Auto Hitlers zu werfen. Es besteht Gefahr für die Volksgenossen, lautet die Begründung.

Hitler fährt auf den Friedrichsplatz, auf dem große Tribünen errichtet sind, und erreicht schließlich die Karlswiese in der Karlsaue. Das riesige soldatische Spektakel, eine gewaltige Parade und einzige Machtdemonstration des Hitler-Regimes, beginnt. Auch ausländische Gäste wie der japanische Botschafter und Militärattachés aus Ungarn und Finnland hören die markigen Worte Hitlers nach der Begrüßung des Reichskriegerführers. "Meine Kameraden", beginnt er, "es ist zum ersten Male, dass ich an einem Reichskriegertag teilnehme, das erste Mal, dass ich zu Euch ehemaligen Soldaten der alten und auch der neuen Wehrmacht spreche." Der Demagoge greift während seiner Rede besonders England an und verurteilt "den Raub der deutschen Kolonien". "Heil Hitler", skandiert die Menge immer wieder. Viele haben die als Schmach empfundene Niederlage des Krieges vergessen und fühlen endgültig eine neue nationale Stärke. Sie wird ihnen regelrecht eingetrichtert. General Reinhard ruft an diesem Sonntag der Menge zu: "Stolz ist das Volk auf die wiedererlangte Wehrhoheit und auf die junge Wehrmacht, die dem deutschen Volke Achtung in der Welt verschafft."

Keine Pannen

Der Organisationsgrad ist wie immer sehr hoch, wenn die Nazis Selbstinszenierungen planen. Pannen sind verhasst. Die "Reichskriegertag GmbH" und der "Kasseler Verkehrsverein" organisieren das eindrucksvolle Schauspiel. Mit 119 Sonderzügen sind Soldaten nach Kassel gebracht worden. Eigentlich hatte man mit "nur" 200.000 gerechnet, tatsächlich aber kommen mehr. Sie übernachten in einem Lagerhaus in Bettenhausen, in einem Zelt auf dem Friedrichsplatz und bei Kasseler Familien. Allein ihre Versorgung ist keine einfache logistische Aufgabe. Die "Leistersche Wiese" an der Leipziger Straße ist zur Großküche umfunktioniert. Der "Hilfszug Bayern", ein Verpflegungszug, hat das Sagen. 20 Tausend-Liter-Kessel sind aufgestellt, um Kaffee, Tee mit Rum und Marschtee zuzubereiten. 360.000 Portionen mit Essen werden gekocht. Es gibt Erbsensuppe mit Speck, Gulasch mit Pilzen und Ochsenfleisch mit Nudeln. Krieger sind hungrig.

Wie er gekommen ist, so verlässt Hitler gegen 19 Uhr wieder die Stadt. Mit dem Flugzeug. Er schreitet die Fronten der Ehrenformationen noch einmal ab und steigt in den Flieger. Hitler sollte nie zurückkehren.

Beginn des Krieges

Als am 1. September deutsche Truppen Polen überfallen und der Krieg beginnt, nimmt das die Kasseler Bevölkerung eher gelassen hin. Begeisterung wie zu Kriegsbeginn 1914 gibt es nirgends.

Das Leid von damals und die Folgen des Krieges sind noch in wacher Erinnerung. Wohl kaum jemand ahnt in diesen Wochen, was auf Kassel zukommen wird.

Auswirkungen sind aber schon zu Beginn des Krieges spürbar. Lebensmittel sind nur noch für den persönlichen Bedarf erhältlich - gegen Vorlage eines Berechtigungsscheines.

"Es wird amtlich bekanntgegeben, wer heute noch Kraftstoff im Rahmen der angeordneten Einschränkungen erhält, trägt eine besondere Verantwortung vor der Allgemeinheit", heißt es in der "Kasseler Neueste Nachrichten" vom 2. und 3. September. "Er darf Kraftstoff nur dann verbrauchen, wenn er ihn für lebensnotwendige Fälle einsetzt", lautet es weiter. Selbst Fahrten "zu beruflichen Zwecken" seien auf "unbedingt notwendige Fälle" zu beschränken. Wer gegen den Erlass verstößt, muss damit rechnen, daß sein Kraftfahrzeug sofort stillgelegt wird.

Das Blatt titelt weiter: "Besohlung von Schuhen bezugsscheinfrei." Auch Arbeits- und Berufskleidung sind ohne Bezugsscheine zu erhalten.

Am 2. September sind Frauen und Kinder aufgerufen, sich in der NS-Volkswohlfahrt an der Seidlerstraße Gasmasken zu besorgen.

Schließlich wird Verdunkelung angeordnet. "Täglich von Einbruch der Dunkelheit bis zum Hellwerden als Dauerzustand", lautet die Order.

Nazis zerstören Aschrottbrunnen

Der Hass der Nationalsozialisten auf alles Jüdische wird auch im Herzen der Stadt, direkt neben dem Rathaus, sichtbar. Am 9. April zerstören sie den Aschrottbrunnen. Der Geheime Kommerzienrat Sigmund Aschrott, der einer alten jüdischen Familie entstammt, hat viel für die städtebauliche Entwicklung der Stadt getan und ihr auch den nach ihm benannten Brunnen finanziert. Stehen bleibt nach der Zerstörung nur das Brunnenbecken, das fortan als Blumenbeet genutzt wird.



siehe auch

Jüdische Gemeinde - Gemeinden mit wechselvoller Geschichte

Arzt flüchtete in der Nacht| Boykott jüdischer Geschäfte| Gedenkstätte Breitenau| Grüsener Juden| Jüdischer Friedhof in Bettenhausen| Jüdischer Friedhof in Hofgeismar| Jüdische Gemeinde in Hofgeismar| Heinemann Goldschmidt| Julius Heilbronn| Lilli Jahn| Sigmund Dispeker| Stiftungen| Trendelburg - Mikwe| 1938| 1939| 1940| 1941| 1942| 1943| 1944| 1945| Artikel zur Kapitulation 1945|


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