1935

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Sonstige

Ein Bad für den Kurort Wilhelmshöhe

Erst wurde Wilhelmshöhe als Kurort anerkannt, danach das Freibad eröffnet. Wilhelmshöhe 1935: Ein Paradies für Badenixen.´


"Man wird sehr lange suchen müssen, ehe man ein offenes Bad in einer so idealen schönen Lage und so vollendet in architektonischer und landschaftlicher" Form finden kann, hieß es am Freitag, 14. Juni 1935, in einem Artikel der Kasseler Neuesten Nachrichten. Bejubelt wurde das Freibad Wilhelmshöhe, das einen Tag zuvor von Oberbürgermeister Gustav Lahmeyer eingeweiht worden war.

In hellen Scharen waren die Kasseler Bürger am 13. Juni nach Wilhelmshöhe geeilt, um das neue Freibad in Augenschein zu nehmen, um zu sehen, was Dr. Franz Richardt, Direktor der Städtischen Werke, verantwortlich für Errichtung und Betrieb des Bades, hatte umsetzen lassen.

Für die Gestaltung des Bades war der 1928 nach Kassel gekommene Garten- und Landschaftsarchitekt Rudolf Stier verantwortlich. Offenbar war das Schwimmbad in Kassel Stiers Schmuckstück. Wolfgang Hermsdorff schreibt in seiner "Ein Blick zurück"-Serie über den Architekten, der unter anderem auch die Goetheanlage und den Stadthallengarten angelegt hatte: "Das neue Bad in seiner Schönheit und Zweckmäßigkeit war für die Bevölkerung jedoch die augenfälligste Leistung Stiers." Da verwundert es nicht, daß Stiers Tochter als erste Wassernixe feierlich vom Sprungturm in das Becken springen durfte. Die Besucher wurden am Eröffnungstag zudem von den nassen Vorführungen der Mitglieder der Schwimmabteilung der ACT unterhalten.

Aber 1935 wurden die Wilhelmshöher nicht nur um ein Freibad reicher. Schon am 28. Februar bekam Oberbürgermeister Lahmeyer die Nachricht auf den Tisch: "Der Reichsverkehrsverband hat Wilhelmshöhe jetzt endgültig als Kurort anerkannt; damit erhält die Werbung für unser schönes heimisches Bad neuen Auftrieb."

Die Bezeichnung als Kurort war offenbar der Lohn für die Bemühungen des städtischen Verkehrsamtes, das Wilhelmshöhe zuvor schon immer als Kneipp- und Luftkurort propagiert hatte.

Kurtaxe

Mit dem neuen Titel wurde nicht nur für Wilhelmshöhe geworben, sondern er diente auch dazu, die Stadtkasse zu füllen: Verkehrsdirektor Erwin Hoffmann wies daraufhin, daß die offizielle Anerkennung Wilhelmshöhes als Kurort auch die Erhebung der im ganzen Reich verbindlichen Kurtaxe notwendig mache. Danach mußten auswärtige Gäste fünf Mark Kurtaxe für die ganze Saison hinblättern, Einheimische kamen mit zwei Mark für die ganze Saison davon.


"Hochverrat" für Widerstand

Ob aus Überzeugung oder Opportunismus: Die meisten Kasseler Richter und Staatsanwälte traten schon im Frühjahr 1933 der NSDAP bei. Während des Dritten Reiches wurden Tausende von Menschen wegen "politischer Delikte" von Kasseler Gerichten verurteilt.

Weil er in den Jahren 1934 und 1935 insgesamt 26,50 Reichsmark von Parteifreunden eingesammelt, 15 Exemplare verbotener Zeitungen verkauft sowie sich für die illegale KPD eingesetzt haben soll, wurde der Kommunist Ernst Ulbrich vom Oberlandesgericht (OLG) Kassel im Februar 1937 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Damit verlor Ulbrich, der Fräser bei Henschel gewesen war, auch seine bürgerlichen Rechte.

Ulbrich, der die Kasseler Arbeiterbewegung mitgeprägt hatte, war nicht der einzige, der unter den Nationalsozialisten wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" von einem Kasseler Gericht verurteilt wurde. Weitere 209 Frauen und Männer aus Kassel, so heißt es in "Volksgemeinschaft und Volksfeinde, Kassel 1933 bis 1945" hatten unter dem Regime der Nationalsozialisten das gleiche Schicksal zu erleiden. Die Mehrheit dieser Menschen gehörte zur Organisation oder zum Umfeld des kommunistischen Widerstandes. Insgesamt sollen diese Frauen und Männer vom Strafsenat des OLG Kassel zu mehr als 360 Jahre Zuchthaus, 125 Jahre Gefängnis sowie 300 Jahre KZ-Haft verurteilt worden sein. Insgesamt wurden von den Kasseler Gerichten Tausende von Menschen wegen "politischer Delikte" verurteilt.

Mit dem Ziel, gegen "Volksfeinde" der nationalsozialistischen "Volksgemeinschaft" vorzugehen, war die politische Strafjustiz schon 1933 ausgebaut worden.

Schnellverfahren

Beispielsweise wurde für jeden Oberlandesgerichtsbezirk ein Sondergericht eingerichtet, das in Schnellverfahren (ohne Möglichkeit der Berufung) Regimegegner einschüchtern oder "unschädlich machen" sollte. Entsprechend wurden die Bestimmungen zum Hoch- und Landesverrat (Gesetz zur Änderung von Vorschriften des Strafrechts und des Strafverfahrens vom 24. April 1934) ausgeweitet und verschärft. Während der Kriegsjahre wurden die Kompetenzen auch beim Kasseler Sondergericht ausgeweitet: Todesurteile wurden hier zum Teil wegen geringfügiger Verstöße ausgesprochen, heißt es in "Volksgemeinschaft...".

Dort wird auch beschrieben, daß das Gros der Kasseler Richter und Staatsanwälte im FrühJahr 1933, ob nun aus Opportunismus oder aus Überzeugung - der NSDAP beitrat. Damit ging die sogenannte Säuberung von Regimegegnern im Bezirk des OLG-Kassel rasch über die Bühne. Die "Nichtarier" unter den Justizbeamten wurden aufgrund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" (April 1933) entlassen.

Anwälte verfolgt

Auch die jüdischen Anwälte wurden schon früh von den Kasseler Faschisten verfolgt: Den Anwalt Dr. Max Plaut verschleppten die Nazis am 24.^März 1933 in ihr Hauptversammlungslokal "Bürgersäle" und mißhandelten ihn dort so schwer, daß Plaut einige Tage später starb. Ein weiteres Opfer wurde der jüdische Rechtsanwalt Julius Dalberg. Nachdem er sich 1933 mit dem Kasseler Rechtsanwalt und fanatischem Verfechter des Nationalsozialismus Roland Freisler (Freisler kletterte die Karriereleiter bis zum Präsidenten des Volksgerichtshofes hinauf) gestritten hatte, wurde Dalberg von der SA mißhandelt.

Aber es gab auch Kasseler Juristen, die sich den Nationalsozialisten widersetzten oder wenigstens den Versuch unternahmen. Der Autor Georg Wannagat ("Kassel als Stadt der Juristen...") hebt hier beispielsweise den Rechtsanwalt Eduard Platner (1894 bis 1980) hervor, der als Strafverteidiger viele politisch Angeklagte vertrat und dafür auch persönliche Gefahren in Kauf genommen habe. Für ihre vor Gericht bewiesene Courage nennt Wannagat weiter Georg August Zinn (1901 bis 1976) oder auch Erich Rocholl (1885 bis 1963), der wegen seiner liberalen und antinationalsozialistischen Haltung sein Notariat verlor. Oder auch die Anwältin Elisabeth Selbert (1896 bis 1986), die sich erinnerte, daß einige Anwälte bei Strafrichtern, von deren Integrität sie überzeugt waren, um eine Freiheitsstrafe für ihre Mandanten baten, da diese bei einem Freispruch von der Gestapo in sogenannte Schutzhaft genommen worden wären.


Spinnfaser AG: Größtes europäisches Zellwollwerk eingeweiht

Am 8. März 1935 war der Deal perfekt: Die "Vereinigten Glanzstoff-Fabriken A.G. Wuppertal-Elberfeld" und die "Deutsche Revisions- und Treuhand A.G. Berlin" vereinbarten, ein Zellwollewerk in Kassel zu bauen. Die Glanzstoff-Fabriken hatten schon im Mai 1934 mit den Planungen begonnen, solch eine Fabrik zu errichten. Nur der Standort war damals noch unklar.

Wasserversorgung

Schließlich fiel die Wahl, nicht zuletzt aus Gründen der guten, für eine Zellwollefabrik besonders wichtigen, Wasserversorgung auf den Kasseler Raum. Durch Zufall stießen die Verantwortlichen offenbar auf das Grundstück der stillgelegten, ehemaligen Munitionsfabrik in Bettenhausen.

Nachdem der Grundstückskauf (Mai 1935) über die Bühne gegangen war, begannen die Bau- und Umbauarbeiten. Dabei ergaben sich allerdings Schwierigkeiten: Es war nicht einfach, eine Zellwollefabrik in einem bereits vorhandenen Fabrikgebäude, das ursprünglich anderen Zwecken gedient hatte, zu errichten. Während der Hauptbauzeit waren insgesamt 4000 bis 5000 Handwerker und Bauleute, meist aus Fremdfirmen, engagiert.

Doch schon Ende September 1935 wurden in der "Spinnfaser AG" täglich neun Tonnen Zellwolle produziert. Ende des Jahres waren 572 Lohnempfänger, 103 Angestellte sowie 1436 Fremdfirmenarbeiter beschäftigt. Und das Werk expandierte weiter: Mit einer Gesamtproduktion von 50 Tagestonnen war die "Spinnfaser AG" schon Anfang 1936 zur damals größten Zellwolleerzeugungsstätte Europas geworden.

Und auch nach dem Krieg (ein Großteil des Werkes war zerstört) war die Zellwollefabrik in Bettenhausen - gemessen an der Belegschaft - das zweitgrößte Werk Kassels.

1946 waren über tausend Menschen angestellt: Das Gros war allerdings mit dem Wiederaufbau und nicht mit dem Spinnen beschäftigt.

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